Wiener Export für griechischen Wahlkampf

17. September 2007, 11:09
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Bei den vorgezogenen Wahlen in Griechenland wird Maria Vassilakou Wahlkampf für die Grünen machen

Wien/Athen – Sie will aus der „Vogelperspektive“ Wahlkampf machen, in einem Land, das so viel Energie enthalte wie eine „riesigen Batterie“, um die Grünen dorthin zu bringen, wo sie ihrer Ansicht nach schon längst sein sollten: ins Parlament. Des Rätsels Lösung ist die 38-jährige Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou. Die in Athen aufgewachsene Ökologin wird im griechischen Wahlkampf mehrere Wochen mit den Oikologoi Prasinoi, den griechischen Grünen, durchs Land touren, erzählt sie im STANDARD-Gespräch. Gemeinsam mit Vassilakou wollen die Grünen die Drei-Prozent-Hürde überspringen und erstmals seit den 1980er-Jahren wieder in das Parlament einziehen.

Griechenlands Premierminister Kostas Karamanlis von der konservativen Nea Demokratia (ND) hatte erst Donnerstagnacht angekündigt, vorgezogene Parlamentswahlen am 16. September, rund sechs Monate vor Ende der Legislaturperiode, abzuhalten. Den Oppositionellen, allen voran der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), bleibt damit kaum Zeit, sich auf den Wahlkampf vorzubereiten.

Klimawandel

Für die Grünen wird es vor allem darum gehen, nicht zwischen den beiden Großparteien Pasok und ND zerrieben zu werden. Die ND hatte die Pasok 2004 nach elf Jahren von der Macht verdrängt. Die Nea Demokratia hat gute Chancen auf einen Wahlsieg. Griechenland war in den vergangenen Jahren eines der am schnellsten wachsenden Industrieländer. Die Staatsverschuldung und die Arbeitslosigkeit (8,2 Prozent) sind aber hoch.

Bisher verhinderten interne Querelen bei den Grünen einen Wahlerfolg. Ein Spitzenkandidat fehlt der Oikologoi Prasinoi noch ebenso wie die tragenden Themen. Vassilakou will mit ihrem Bekanntheitsgrad in Griechenland werben und auf die Themen Klimawandel, Energiewende und Waldschutz setzen.

Mehr Investitionen in Sonnenenergie

Mit seinen 330 Sonnentagen („riesige Batterie“) müsse Griechenland stärker in die Nutzung der Sonnenenergie investieren, sagt Vassilakou. Dass sie sich bisher wenig mit griechischer Innenpolitik beschäftigt hat und daher als Außenstehende auftreten wird („Vogelperspektive“), sei kein Nachteil. „Das macht mich frei von politischen Zwängen.“ Wien wird in den Wahlkampfreden Vassilakous öfter vorkommen. Etwa die Citymaut, die für Wien und Athen eine gute Lösung sei, sagt Vassilakou.

Oder auch das auf rot-grüne Initiative entstandene umweltschonende Biomassekraftwerk in Wien-Simmering. Dass der österreichische Steuerzahler den Wahlkampf bezahlt, weist Vassilakou zurück. Für ihre Tour will sie nur Urlaubstage nutzen. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.8.2007)

  • Vassilakou will mit Klimawandel und Energiewende punkten.
    foto: der standard/urban

    Vassilakou will mit Klimawandel und Energiewende punkten.

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    Premier Kostas Karamanlis setzt auf den kurzen Wahlkampf.

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