Krise bei größtem US-Hypothekenanbieter spitzt sich zu

12. September 2007, 14:40
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Die US-Hypothekenkrise bringt den größten US-Anbieter von Baufinanzierungen in immer größere Nöte, Aktien brechen ein

Sydney/New York - Befürchtungen vor einem Konkurs im Zuge massiver Liquiditätsprobleme ließen den Aktienkurs von Countrywide Financial um 13 Prozent einbrechen und damit so stark wie noch nie seit dem Börsencrash 1987. Dem kalifornischen Hypothekenfinanzierer drohen außerdem drastisch höhere Kosten für die Kreditaufnahme an den Finanzmärkten. Auch in Australien weitete sich die Krise am Donnerstag weiter aus, was die Kurse dort und in Asien im Gefolge der Wall Street stark unter Druck brachte. Die europäischen Aktienmärkte brachen ebenfalls ein.

Auslöser für die heftigen Verluste bei Countrywide am Mittwoch war eine Warnung des Analysten Kenneth Bruce von Merrill Lynch vor einem möglichen Bankrott des Hypothekenfinanzierers. "Wenn der finanzielle Druck auf Countrywide ausreichend stark wird oder der Markt Vertrauen in das Unternehmen verliert, dann kann das Modell platzen und letztlich zur Insolvenz führen", erklärte der Branchenexperte. Er stufte die Aktie auf "verkaufen" von "kaufen" herab. Ein Firmensprecher wollte sich zu den Kommentaren des Analysten nicht äußern und sagte lediglich: "Das Management konzentriert sich voll darauf, die Firma in einem sich wandelnden Marktumfeld zu führen."

Höhere Kosten für Kreditaufnahme

Auch die Kurse für Countrywide-Anleihen sanken kräftig. Das Unternehmen muss sich Händlern zufolge zudem mittlerweile darauf einstellen, etwa doppelt soviel an Zinsen für die Aufnahme kurzfristiger Gelder an den Finanzmärkten zu zahlen als bislang. Dies könnte die Liquiditätsprobleme verschärfen. Die Aktien von Countrywide sind bereits seit Monaten auf Sinkflug. Der Hypothekenfinanzierer büßte in diesem Jahr die Hälfte seines Wertes ein und kommt nunmehr auf eine Marktkapitalisierung von nur noch 12,3 Mrd. Dollar (9,13 Mrd. Euro). Ungeachtet dessen hatte Countrywide-Chef Angelo Mozilo vor drei Wochen noch angekündigt, sein Unternehmen werde bald wieder Marktanteile gewinnen und zu den weltweit führenden Firmen der Branche gehören.

Auch in Australien haben schon mehrere Institute vor Verlusten wegen der Krise gewarnt. Jüngstes Opfer ist der Hypothekenfinanzierer RAMS Home Loan Group, der am Donnerstag Probleme bei der Refinanzierung von Milliardenkrediten einräumte. Auch Rams hat zunehmend Schwierigkeiten, am Kapitalmarkt Anleger für seine Papiere zu finden, was die Finanzierungskosten hochtreibt. Dies ließ den Aktienkurs um 60 Prozent einbrechen und bescherte dem Gesamtmarkt in Sydney die höchsten Tagesverluste seit mehr als sieben Jahren. (APA)

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    Dem kalifornischen Hypothekenfinanzierer drohen zudem drastisch höhere Kosten für die Kreditaufnahme an den Finanzmärkten.

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