Urlaub ist zum Erholen da. Doch in altbackenen Hotels von vorgestern ist das leichter gesagt als getan - Von Christine Diethör
Juli und August, das bedeutet Hauptreisezeit. Viele zieht es zu heimischen Urlaubsdestinationen. Doch leider sind die Vorstellungen vom Feriendomizil oft traumhafter als die Realität. So schön die Natur ist, so sehr lässt die bauliche Infrastruktur zu wünschen übrig. Sucht man im Internet das geeignete Hotel, so gibt es Angebote en masse. Jene Häuser jedoch, die dem heutigen Standard entsprechen, sind dünn gesät.
Der Charme einer abgewohnten Wohnung
Doch den Angaben ist nicht immer zu trauen: Ein neu renoviertes Hotel aus den Siebzigerjahren in Velden am Wörthersee wird mit vier Sternen plus angepriesen. Und die Realität? SPA und Strandveranda sind erstklassig, das À-la-carte-Restaurant ist auch sehr nett, doch der Rest ... Am liebsten würde man gleich wieder umdrehen. Die in die Jahre gekommene Einrichtung der Zimmer hat den Charme einer abgewohnten Kategorie-C-Wohnung mit ein bisschen Kaiserin Sisi und einem Schuss rustikalem Alpentouch. Hinzu kommen muffige Teppiche, alte Vorhänge und stickige Gänge - fertig ist der Cocktail für geschockte Touristen, die für dieses Ambiente wohlfeile 149 Euro pro Person zahlen sollen.
Ein Vermögen für simple Anforderungen
Das Angebot an Bettenburgen, die aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen, ist riesengroß. Doch kaum eine dieser Hotelanlagen wird in einer zeitgemäßen Architektursprache revitalisiert. Welcher Tourist hat denn ernsthaft Lust, seinen wohlverdienten Urlaub in einem Haus mit Musikantenstadl-Image aus längst vergangenen Tagen zu verbringen? Ganz im Gegenteil: Man möchte zeitgemäßen Komfort, ein frisches Ambiente von heute, moderne Freizeiteinrichtungen und einen erstklassigen Service. Es ist verwunderlich, wie wenige Hotels diesen simplen Anforderungen gerecht werden. Hat man erst einmal eines gefunden, muss man nicht selten ein Vermögen hinblättern.
Horrorzimmer
Der Wörthersee beklagt einen Rückgang der Nächtigungen von einstmals einer Million auf läppische 500.000 im letzten Jahr. Angesichts der baulichen und stilistischen Zustände ist das kein Wunder. Wörthersee hin oder her, Beispiele gibt es auch in anderen Bundesländern zuhauf. Es wird Zeit, dass in die Touristikbranche eine Qualität abseits von Lederhose und Jodelgaudi einzieht. Was bringt die Erholung in frischer Natur, wenn man im Horrorzimmer wieder seiner Kräfte beraubt wird? Vielleicht steigen dann auch die Nächtigungen. (Christine Diethör/ DER STANDARD Printausgabe 11/12.8.2007)