Coolness schlecht für Schülerrücken

12. September 2007, 15:16
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Wiener Orthopädin: Neun von zehn Taschen in Österreich zu schwer bepackt -Wer den Rucksack lässig auf einer Schulter trägt, riskiert Haltungsschäden

Wien - Kampf dem Übergewicht - aber in diesem Fall nicht dem Fettbauch, sondern der oft viel zu schweren Last, welche die Schüler schleppen. Die Auswahl der richtigen Schultasche und die regelmäßige Kontrolle des Gewichts sollte eigentlich Familienangelegenheit sein. Damit wird auch späteren Gesundheitsproblemen vorgebeugt. Renata Suda, Assistenzärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie am Orthopädischen Spital Speising in Wien, hat die wichtigsten Ratschläge zusammengefasst.

Binsenweisheit: Damit der Schulanfang nicht zu schwer wird, sollte die Schultasche das richtige Gewicht haben. Kinder sollten nicht mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts auf dem Rücken tragen. Und trotzdem sind neun von zehn Schultaschen in Österreich zu schwer bepackt. Etwa die Hälfte aller Schulkinder klagt über Rückenschmerzen und weist Haltungsschwächen und Haltungsschäden auf. Bleibende Veränderungen der Wirbelsäule können die Folge sein.

Damit das wachsende Skelett der Kinder nicht zu sehr mit Büchern belastet wird, sollten laut der Expertin folgende Punkte beachtet werden:

  • Gewicht: Die Schultasche selbst sollte nicht mehr als 1,2 Kilogramm wiegen. Im gepackten Zustand inklusive aller für den Schulbetrieb notwendigen Dinge sollen eben zehn Prozent des Körpergewichtes nicht überschritten werden. Ein Körpergewicht von 20 Kilogramm sind dann eben höchstens zwei Kilogramm Last.
  • Form: Wichtig ist eine körpergerechte Form im Hochformat mit atmungsaktivem, gut gepolstertem Rückenteil, damit das Kind die in der Tasche befindlichen Bücher nicht spürt.
  • Breite: Die Schultasche sollte nicht breiter als die Schultern des Kindes sein. Die obere Kante sollte etwa auf Schulterhöhe des Kindes sein.
  • Trageriemen: Die Gurte sollten mindestens vier Zentimeter breit, gepolstert und leicht verstellbar sein, damit sie immer wieder der Kleidungsstärke angepasst werden können. Sind die Riemen zu lang, könnte das Kind darüber stolpern, wenn es die Tasche am Tragegriff hält.
  • Standfestigkeit: Die Schultasche sollte weder im vollen noch im leeren Zustand umkippen.
  • Der "Ranzen" darf nicht zu tief sitzen, da sonst schmerzhafte Druckstellen im Lendenwirbelbereich entstehen. Je näher eine Last der Körperachse und dem Körperschwerpunkt getragen wird, desto geringer sind die dabei auftretenden Hebelkräfte.
  • Verkehrssicherheit: Mindestens 20 Prozent der Vorder- und Seitenteile müssen grellgelbe oder orangefarbige fluoreszierende Flächen aufweisen, die bei Tag, vor allem aber in der Dämmerung, sichtbar sind. Mindestens zehn Prozent der Vorder- und Seitenteile sollten zusätzlich mit Reflektoren ausgestattet sein, die aufleuchten, wenn sie von Autoscheinwerfern angestrahlt werden.

In Österreich wird die Herstellung der Schultaschen übrigens durch die ÖNORM A2170 aus dem Jahr 1993 geregelt. Aber es kommt auch auf das richtige Tragen an. Etwa 2/3 der Kinder, vor allem in den höheren Schulstufen, tragen den Rucksack cool an ihrer rechten Schulter. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Energieverbrauch, und einem erhöhten Risiko von Haltungsschäden und Rückenschmerzen.

Wie beim echten Übergewicht ist aber die Begrenzung der "Schullast" ein "Dauerprogramm". Eltern sollten mit ihren Kindern am besten täglich prüfen, was für den Unterricht unbedingt in die Schule mitgenommen werden muss. (APA)

  • Zu groß, zu schwer, zu voll: Schultaschen können Haltungsschäden verursachen.

    Zu groß, zu schwer, zu voll: Schultaschen können Haltungsschäden verursachen.

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