Gedächtnislücken digitaler Natur

Redaktion, 8. Juli 2008, 14:41
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    screenshot: önb/anno

    Im virtuellen Zeitungslesesaal der der Österreichischen Nationalbibliothek mit dem Titel ANNO (Austrian Newspapers Online) können historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online gelesen werden.

Die Digitalisierungs- bestrebungen vieler Bibliotheken führen zu einer neuen Frage: Wie können die Daten für künftige Generationen archiviert werden?

Bibliotheken, Staatsarchive und Verlage sehen sich mit der brennenden Frage konfrontiert, wie man digitale Daten für die kommenden Generationen aufbewahren kann. Durch wenig haltbare Speichermedien, die sich verändernden Datenformate oder den Fortschritt in der Computertechnik droht vieles dessen, was unsere Zeit an Wissen produziert, verloren zu gehen.

Bekannte Alltagsprobleme

Wer kürzlich seine einige Jahre alten Text- oder Bilddaten ansehen wollte, weiß: Manchmal gibt es das Programm gar nicht mehr, mit dem sich nicht mehr ganz taufrische Dateien anzeigen lassen. Oder sie sind auf veralteten Speichermedien (etwa Disketten) abgespeichert und ohne das entsprechende Laufwerk nicht abrufbar. Es scheint of einfacher, alte Fotoalben durchzublättern, als die viel jüngeren digitalen Daten zu sichten.

Genauso in den großen Wissensinstitutionen: So hat die Österreichische Nationalbibliothek jüngst Teile ihres Papyrus-Bestandes digitalisiert und online gestellt - wie diese digitalen Daten jedoch auch nur einen Bruchteil der Zeit überstehen werden, die die Jahrtausende alten Papyri schon überlebt haben, wird derzeit erst erforscht.

Denn was durch Ausdrucken, Updaten oder Umspeichern in den eigenen vier Wänden leicht zu handhaben ist, wurde in den letzten Jahren etwa bei Gerichtsakten, wissenschaftlichen Publikationen oder auch aufwendig digitalisieren Büchern und Kunstwerken eine entscheidende Frage: Nachdem viele Bibliotheken beachtliche Summen in groß angelegte Digitalisierungsprojekte gesteckt haben und auch neue wissenschaftliche Arbeiten oder die Verwaltungsdaten des Staates zunehmend nur noch digital gegeben sind, stehen nun die eigentlichen Probleme der digitalen Langzeitarchivierung erst bevor.

Offene Fragen und Problemlösungsansätze

Regelmäßiges Umkopieren auf neue Speichermedien ist nicht alles. Wie man die digitalen Daten so aufbewahrt, dass sie nicht nur weiter vorhanden, sondern auch für immer lesbar bleiben, und das noch dazu auf finanzierbare Weise, ist derzeit ungeklärt. Die Lösung für dieses Problem ist bisher noch nicht gefunden. Alleine die Datenmengen, die es zu bewahren gelte, sind immens: Derzeit verdoppelt sich die wissenschaftliche Information alle ein bis zwei Jahre, 2002 kamen weltweit fünf Milliarden Gigabyte hinzu.

Das entspricht laut Max Kaiser von der ÖNB der fünftausendfachen Informationsmenge aller 370 Millionen Bücher sämtlicher Bibliotheken Deutschlands. Und lediglich 0,01 Prozent dieser neuen Daten lag in gedruckter Form vor, 92 Prozent war nur auf magnetischen Speichern gesichert - und dass diese nicht ewig halten, weiß jeder Computerbesitzer aus eigener Erfahrung. (red)

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10 Postings
01052004
00
28.8.2007, 16:03
wie machen denn das eigentlich die firmen, die

digital signierte rechnunge etc aufheben müssen über 30 jahre oder so??? wie können die nnach so langer zeit noch (notariell) bestätigen, daß die singatur eh die ist, die sie sein soll??? wird eine signierte pdf (sagen wir adobe acrobat version 7)-datei in dreißig jahren mit den dann verwendeten "geräten" lesbar/verifizierbar sein??? oder ist die "bürgerkarte/digi-verifizierung" nur eine massenabzocke mit ablaufdatum???

Sascha Fuchs (Schweiz)
00
21.7.2008, 16:55
Pdf/A liefert die Antwort!

Da haben sich schon einige den Kopf zerbrochen und Gremien gebildet.
In Sachen Dokumente kam Pdf/A raus (Adobe PDF 1.4 Standard mit div. Einschränkungen & zusätzlichen Vorraussetzungen).

In der (kostenpflichtigen!) Spec. wird auch beschrieben, wie mit Digitalen Signaturen umgegangen werden soll.
Im Wesentlichen gebe ich User doOza Recht.

doOza
 
00
28.8.2007, 16:21

Die Anbieter der digitalen Signaturen muessen die Signaturen (auch die abgelaufenen und zurueckgezogenen) aufbewahren, wenn noetig auch 50 Jahre.
Somit kann dann die Signatur des Dokuments mit dem Original vom Anbieter verglichen werden.
So die Theorie - was aber, wenn sich der Signier-Algorithmus aendert, die Originaldaten beim Anbieter 'verloren' gehen, ...?
Darauf weiss heute noch keiner eine Antwort.

Randalf X.
00
28.8.2007, 15:56
Da verstehe ich die Aufregung nicht ganz.

Brennt die Infos auf CD's und lagert sie in einem Raum an dessen Türe eine in Plastik eingeschweißte Bedienungsanleitung und Herstellungsbeschreibung für ein CD-ROM hängt. Beim Wechsel der Technologie wird ein neuer Raum mit neuer Beschreibung gewechselt.

Die zukünftige Generation hat dann dafür zu sorgen sich so ein Gerät zu basteln, wenn sie es wirklich für notwendig hält an diese Informationen aus einer anderen Zeit heranzkommen. Wir machen es doch genauso mit antiken, ... Schriften, ...

01052004
00
28.8.2007, 16:01
idee per se nicht schlecht

für die hermetisch abgeschlossenene dvd's(hoffentlich uv-proof, scratch+proof, nicht abblätternd uswusw) in ein nebenklammerl die entsprechende hardware lagern, inklusive stromerzeugung. sonst geht wie mit den lochkarten der nasa: irgendwo verstaubt, und dann wohl die karten da, aber keine entsprechenden lochkartenleser = daten vernichtet...

Unbedenklichkeitsbescheinigung
00
28.8.2007, 07:09

Da bleibt nur eines:
Die guten alten Steinplatten hervorkramen, alle Informationen digital einmeisseln und Pyramiden drumherum bauen.

yoghurtinator
 
10
27.8.2007, 22:02
Es bleibt uns eben trotz explodierender Größe an Speicherresourcen nicht erspart zu unterscheiden, was wichtig für uns ist und was nicht

Den Inhalt von Disketten auf Festplatte zu übertragen ist nun wirklich kein großes Problem, selbst für DAUs, schließlich gibt es auch externe Diskettenlaufwerke.

Bin vor kurzem meinen Diskettenbestand durchgegangen, von ca. 100 enthielten etwa 10 noch Informationen, die nicht übertragen/interessant/wichtig/von sentimentalem Wert waren => übertragen. Bootdisketten=> geimaget, um sie als Bootcd verwenden zu können. Rest entsorgt. Bei CDs und DVDs muss man ohnedies von Zeit zu Zeit C1-tests machen, ob die Lesbarkeit i.O. ist. Wichtige eventuell kopieren. Für HDs Bak.

Es ist nicht anders als bei realem Gut: Egal, wie groß die Wohnung ist, von Zeit zu Zeit muss man entsorgen, schon allein, um den Überblick zu behalten.

BlackEdi
00
28.8.2007, 12:54

Geschichte und Wissen aussortieren ist eine wirklich brilliante Idee! *kopfschütteln*

yoghurtinator
 
00
28.8.2007, 13:14
Ich bezog mich freilich auf den individuellen Aspekt

der im Artikel ja auch Erwähnung findet. Ich bin zumindest guter Hoffnung, dass die Nationalbibliotheken ihre Datenbanken weltweit nicht mehr auf Disketten abspeichern.

sdfad sdfaf
00
28.8.2007, 08:59

Das Problem dabei: Was WIR fuer unwichtig halten, koennte fuer (wesentlich) spaetere Generationen interessant sein. Z.B. Dinge des Alltaglebens...

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