Die Digitalisierungs- bestrebungen vieler Bibliotheken führen zu einer neuen Frage: Wie können die Daten für künftige Generationen archiviert werden?
Bibliotheken, Staatsarchive und
Verlage sehen sich mit der brennenden Frage konfrontiert, wie man digitale Daten für die
kommenden Generationen aufbewahren kann. Durch wenig haltbare Speichermedien, die sich
verändernden Datenformate oder den Fortschritt in der Computertechnik droht vieles dessen, was unsere Zeit an Wissen produziert, verloren zu gehen.
Bekannte Alltagsprobleme
Wer kürzlich seine einige Jahre alten Text- oder Bilddaten ansehen wollte,
weiß: Manchmal gibt es das Programm gar nicht mehr, mit dem sich
nicht mehr ganz taufrische Dateien anzeigen lassen. Oder sie sind auf
veralteten Speichermedien (etwa Disketten) abgespeichert und ohne das
entsprechende Laufwerk nicht abrufbar. Es scheint of einfacher, alte Fotoalben durchzublättern, als die viel jüngeren digitalen Daten zu sichten.
Genauso in den großen Wissensinstitutionen: So hat die
Österreichische Nationalbibliothek jüngst Teile ihres Papyrus-Bestandes digitalisiert und online gestellt - wie diese
digitalen Daten jedoch auch nur einen Bruchteil der Zeit überstehen
werden, die die Jahrtausende alten Papyri schon überlebt haben, wird
derzeit erst erforscht.
Denn was durch Ausdrucken, Updaten oder Umspeichern in den eigenen vier Wänden leicht zu handhaben ist, wurde in den letzten Jahren etwa
bei Gerichtsakten, wissenschaftlichen Publikationen oder auch
aufwendig digitalisieren Büchern und Kunstwerken eine entscheidende
Frage: Nachdem viele Bibliotheken beachtliche Summen in groß
angelegte Digitalisierungsprojekte gesteckt haben und auch neue
wissenschaftliche Arbeiten oder die Verwaltungsdaten des Staates
zunehmend nur noch digital gegeben sind, stehen nun die eigentlichen
Probleme der digitalen Langzeitarchivierung erst bevor.
Offene Fragen und Problemlösungsansätze
Regelmäßiges Umkopieren auf
neue Speichermedien ist nicht alles. Wie man die digitalen Daten so
aufbewahrt, dass sie nicht nur weiter vorhanden, sondern auch für
immer lesbar bleiben, und das noch dazu auf finanzierbare Weise, ist
derzeit ungeklärt. Die Lösung für dieses Problem ist bisher noch nicht gefunden. Alleine die Datenmengen, die es zu
bewahren gelte, sind immens: Derzeit verdoppelt sich die
wissenschaftliche Information alle ein bis zwei Jahre, 2002 kamen
weltweit fünf Milliarden Gigabyte hinzu.
Das
entspricht laut Max Kaiser von der ÖNB der fünftausendfachen
Informationsmenge aller 370 Millionen Bücher sämtlicher Bibliotheken
Deutschlands. Und lediglich 0,01 Prozent dieser neuen Daten lag in
gedruckter Form vor, 92 Prozent war nur auf magnetischen Speichern
gesichert - und dass diese nicht ewig halten, weiß jeder
Computerbesitzer aus eigener Erfahrung. (red)