Nicht nur mit Flöttl Pech

4. September 2007, 14:29
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Die Bawag hat 1998 nicht nur gemeinsam mit Wolfgang Flöttl Geld versenkt, sondern auch mit dem auf die Anklage wartenden Spekulanten Michael Berger

Wien – Im bevorstehenden Prozess gegen den in U-Haft sitzenden ehemaligen Investmentbanker Michael Berger dürften auch dessen Geschäftsverbindungen zur Bawag in den 90er-Jahren genauer beleuchtet werden. Der am 9. Juli in Seewalchen verhaftete Spekulant ist derzeit in Wien in Haft und wartet auf seine Anklage. Berger, 35 Jahre alt, hat 1996 in New York den Hedgefonds "Manhattan Capital Fund" gegründet und eifrig Geld eingesammelt. Satte 575 Millionen Dollar hat Berger von Investoren und Banken übertragen bekommen. Mit diesem Geld hat Berger während der Dotcom-Blase gegen Internet- und Technologiewerte spekuliert. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 war das Geld verloren, Berger stand vor Gericht. Dabei haben auch heimische Banken – BA-CA, Erste Bank und die RLB NÖ-Wien – Verluste gemacht, der STANDARD hat berichtet. Die damalige Gewerkschaftsbank Bawag hat ebenfalls bei Berger Geld veranlagt und auf große Gewinne gehofft. Dies gerade zu einer Zeit, wo die Bawag Geld dringend brauchen konnte. Zur Erinnerung: 1998 hat die Bawag durch ihre Geschäfte mit Investmentbanker Wolfgang Flöttl Verluste in der Höhe von 639 Mio. Dollar (467 Mio. Euro) eingefahren. Dieser Verlust und der Versuch, den Schaden wieder gut zu machen, sind derzeit Gegenstand des Bawag-Prozesses.

In mehreren Runden soll Geld von der Bawag an Berger geflossen sein. Dies allerdings nicht direkt, sondern über das Finanzierungsvehikel Cromer Finance Inc. Die damalige 100-Prozent-Tochter der Bawag mit Sitz in Tortola auf den British Virgin Irlands hat vor allem in so genannte "Alternative Investments" veranlagt, zu denen auch Hedgefonds wie jener von Berger gehörten. In fünf Tranchen (1. Juli 1998, 1. Juni 1999, 1. Juli 1999, 1. September 1999 und 1. Oktober 1999) hat Cromer Finance Inc. Geld an Berger überwiesen. In Summe sind so rund drei Millionen Dollar bei Berger investiert gewesen. Genug Geld, dass die Bawag veranlasst war, im Namen von Cromer Finance eine Sammelklage gegen Berger einzubringen. Denn als Berger im Jahr 2000 mit seinem Fonds in die Pleite geschlittert ist, waren 400 der 575 Mio. Dollar versenkt, die US-Börsenaufsicht hat eine Anklage wegen Anlagebetrugs erstattet. Forderungen beim US-Gericht hat damals auch die BA-CA angemeldet, sie soll mit rund 20 Mio. Dollar bei Berger investiert gewesen sein. Einen Teil ihrer Verluste haben die Banken aus dem restlichen Fondsvermögen damals rückerstattet bekommen.

Schuldspruch für Anlegerbetrug

Berger wurde im Jahr 2000 schuldig gesprochen, Investoren über die Performance seines Manhattan Investment Fund getäuscht zu haben. Er soll Performancewerte geschönt und verfälschte Werte auch an die Wirtschaftsprüfer weitergeleitet haben, wodurch die schlechte Fonds-Performance rund zwei Jahre lang nicht aufgefallen sei. Erst mit dem Platzen der Internetblase sei der Betrug aufgeflogen. Vor Gericht hatte Berger einst zugegeben, seine Anleger betrogen zu haben. Berger wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr 2001 hatte Berger seine Aussage allerdings widerrufen und plädierte auf nicht schuldig. Die Begründung seiner Anwälte: Er leide unter mentalen Störungen und sei bei seiner Einvernahme nicht zurechnungsfähig gewesen. Bei der Urteilsverkündung im März 2002 erschien der gebürtige Salzburger nicht mehr und wurde seitdem gesucht, unter anderem vom FBI, auf dessen "Most Wanted"-Liste Berger einst stand.

Berger wurde damals zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren sowie einer Geldstrafe von bis zu 1,25 Mio. Dollar verurteilt. Das neue Verfahren gegen Berger wird in Wien stattfinden. Das FBI hat auf eine Auslieferung des Investors verzichtet. Das heimische Recht verbietet zudem eine Auslieferung von Österreichern. Unklar war zunächst, welche Staatsbürgerschaft Berger hat. Das FBI hatte voerst geltend gemacht, dass Berger britischer Staatsbürger sei, doch dürfte das auf einer Karibikinsel des Königreichs erworbene Dokument nicht anerkannt werden. Bei dieser Staatsbürgerschaft soll es sich um eine "ökonomische Staatsbürgerschaft" handeln, die Geschäftsleuten gegen Bares zugestanden wird. Die Untersuchungshaft dauert vorerst bis 20. August. Da bei Berger Fluchtgefahr besteht, werde seine U-Haft verlängert werden, heißt es von Staatsanwaltschaft Wien. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.08.2007)

  • Michael Berger wurde vom FBI gesucht. Grund: Anlegerbetrug in den USA.
    foto: fbi

    Michael Berger wurde vom FBI gesucht. Grund: Anlegerbetrug in den USA.

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