Kein "Papst-Menü" für die Pilger

6. September 2007, 16:07
47 Postings

Mariazell rüstet sich für den Papstbesuch: Alle wirken betont gelassen, man setzt auf die Marke "Benedikt" und Aufmerksamkeit

In dem Geschäft gibt es Lebkuchen in allen Formen: rund, eckig, lang, dick, dünn, mit Schokoladeglasur oder ohne. Einen Papst-Lebkuchen findet man nicht. Nebenan liegen wenigstens Kerzen mit einem Bild von Papst Benedikt XVI.

Knapp einen Monat vor dem Besuch des heiligen Vaters ist in Mariazell kaum Papst-Fieber zu spüren. Über der Ortseinfahrt hat die Gemeinde zwar ein Transparent gespannt. "Mit Papst Benedikt XVI. nach Mariazell pilgern" steht darauf. Es ist eine Ankündigung, mehr nicht. Es fehlen Festbeleuchtung, Zierrat - noch. Der steirische Wallfahrtsort bereitet sich, scheint es, fast unauffällig vor.

"Mariazell besteht auch danach"

Libro hat ein paar Bücher des berühmten Mannes in eine seiner Auslagen gelegt. Das gehört sich. Papst-T-Shirts, Fähnchen, Papst-Torten und Benedikt-Eis gehören sich hingegen nicht - finden Mariazeller wie Georg Rippel: "Es gibt kein Papst-Menü oder Ähnliches. Da spielen eigentlich alle Mariazeller mit", sagt der Chef der Lebzelterei Pirker. Der Fokus bei den Produkten liege auf dem Ort und nicht auf Benedikt XVI., denn: "Mariazell besteht auch nach dem Papstbesuch." In welcher Generation er nun das Geschäft leitet, weiß er gar nicht so genau. "Die siebte vielleicht?", fragt der Schwiegersohn. Die Lebzelterei Pirker bestehe jedenfalls seit 1650. Der Familie kann man sich im Ort kaum entziehen. Sie besitzt ein Geschäft, den Mariazellerhof und den Goldenen Löwen direkt vor der Basilika, dem Zentrum des Ortes.

Augenscheinliche Veränderungen gibt es nur auf dem Platz vor der Basilika. Dort wird an einem Gerüst gebaut. Besonders groß schaut die Konstruktion nicht aus. 30.000 Gläubige wollen am 8. September hier mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche eine Messe feiern. Es ist längst nicht das erste Großereignis in dem Ort: Beim Besuch von Papst Johannes Paul II. 1983 waren es 18.000, bei der Dankwallfahrt 1990 rund 20.000 Menschen. Vielleicht erklärt das auch die zur Schau getragene Ruhe. Hinter dem Gerüst bei der Basilika lugt ein Transparent mit dem Konterfei des Papstes hervor. Vereinzelt finden sich auch anderenorts Plakate, wie zufällig hingeklebt.

Gut fürs Geschäft

An der Firma Pirker kam offenbar auch nicht einmal die Kirche vorbei. 50.000 Lebkuchen wurden für die Pilgerpakete beim Papstbesuch hergestellt. Benedikt XVI. ist gut für Mariazell, da gut fürs Geschäft. Mariazell in Zahlen: mehr als eine Million Besucher und rund 100.000 Nächtigungen pro Jahr. Die Basilika ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Steiermark.

Manche Hotels locken mit speziellen Pilgerzimmern, wie jenes oberhalb der Kirche. 23 Euro für ein Bett im Viererzimmer, 26 Euro im Dreierzimmer, steht auf eine Tafel geschrieben.

Was sich Herr Rippel von dem Papstbesuch erwarte? Mediale Aufmerksamkeit: "Wir sind ein Fremdenverkehrsort und sollten froh sein, wenn die Saison so lange geht wie nur möglich." Einem Wirten aus der näheren Umgebung ist die "mediale Aufmerksamkeit" schlecht bekommen. "Ich dementiere alles", ruft er vorausschauend und will "nichts mehr sagen". Eine Zeitung habe geschrieben, er koche für Benedikt XVI. - was aber nicht stimme.

Den Papst werden die meisten der rund 1700 Mariazeller schauen gehen. Auch Rippel will, "wenn es das Geschäft erlaubt". Frau Helga hat es da leichter. Ist ihr Shop geöffnet, kann selbst ein Papst nicht daran vorbei. Der Andenkenstand steht direkt an der Außenseite der Kirchenmauer. Dahinter ist der Haupteingang zur Basilika und der Platz, auf dem das Gerüst steht. Noch weiß sie aber gar nicht, ob sie aufsperren darf, erzählt die Verkäuferin, die hinter den vielen Devotionalien kaum noch zu sehen ist. Seit acht Jahren verkauft sie Kerzen, Rosenkränze, Bilder oder Mariazell-Schneekugeln. Für den Papstbesuch gibt es eigene Kerzen und eine handbemalte Papst-Figur um 28 Euro. Das Geschäft werde sicher zunehmen, sagt sie. Wobei die Saison "immer gut läuft".

Pilgerstock um 13 Euro

Ganz besonders jetzt, nachdem die Renovierung der Kirche abgeschlossen ist. 1992 begonnen, 30 Millionen Euro teuer: Die Basilika strahlt - rechtzeitig zur 850-Jahr-Feier und zum Papstbesuch - außen wie innen. Dort kann in Polnisch oder Ungarisch gebeichtet werden. In einem Seitenteil findet sich auch eine Art "Shop". Für 13 Euro gibt es einen Pilgerstock im Angebot. Auch ein Büchlein über den Unglauben ist erhältlich. Der keine Zweifel offen lassende Titel: "Der Atheismus: Rätsel, Schmerz, Ärgernis". (Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe, 11./12.8.2007)

  • 15 Jahre renoviert, nun strahlt sie in neuem Glanz: Vor der Basilika in Mariazell wird Papst Benedikt XVI. in einem Monat mit 30.000 Gläubigen die Messe feiern
    foto: standard/regine hendrich

    15 Jahre renoviert, nun strahlt sie in neuem Glanz: Vor der Basilika in Mariazell wird Papst Benedikt XVI. in einem Monat mit 30.000 Gläubigen die Messe feiern

  • Frau Helga in ihrem Reich: Rosenkränze, Kerzen und eine kleine Papst-Figur gibt es hier zu kaufen
    foto: standard/hendrich

    Frau Helga in ihrem Reich: Rosenkränze, Kerzen und eine kleine Papst-Figur gibt es hier zu kaufen

  • Bühnenaufbau vor der Basilika: Die Arbeiter ließen sich keinen Stress anmerken
    foto: standard/hendrich

    Bühnenaufbau vor der Basilika: Die Arbeiter ließen sich keinen Stress anmerken

Share if you care.