"Kein Deal. Keine Garantien."

25. Jänner 2008, 08:29
4 Postings

Vizerektorin Ada Pellert spricht im STANDARD- Interview über die Spaltung der Donau-Uni und ihre zweite Chance auf das Rektorat

Ada Pellert, Vizerektorin der Donau-Uni Krems (DUK), über eine amputierte Uni, eine Frau allein unter Männern und eine Kandidatur ohne Sicherheitsnetz. Mit ihr sprach Lisa Nimmervoll.

Standard: Wie gefällt Ihnen das Ergebnis "Ihres" Unirats?

Pellert: Ich glaube, das ist eine zukunftsträchtige Lösung mit Potenzial, insgesamt für die Institution und ihre Teile, die gute Perspektiven gibt.

Standard: Muss man erst eine Uni zerschlagen, um eine Frau zum Zug kommen zu lassen?

Pellert (lacht): Nein. Die Personaldiskussion war offensichtlich das Oberflächenproblem, darunter lag ein Strukturproblem. Das haben wir freigelegt. Es zeigte sich, dass die Spannung zwischen medizinischer Forschung und dem Profil der Weiterbildungsuni einer konstruktiven Lösung zugeführt werden muss. Deswegen ist es vernünftig, eine längerfristige Lösung zu suchen.

Standard: Sie umschreiben die erste Rektorswahl sehr nobel. Damals wurde das Leiden am Strukturproblem noch nicht ventiliert. Jetzt schaut die Lösung nach Kungelei aus. Eine Uni für die Frau, eine zweite für den verhinderten Rektor Kern.

Pellert: Das ist es wirklich nicht. Dieses Strukturproblem mit medizinischer Forschung und spezieller Weiterbildungs-Uni hätte jeder Rektor und jede Rektorin gehabt.

Standard: Wäre in Ihrem Konzept auch eine private Medizin-Uni enthalten gewesen?

Pellert: Eigene Medizin-Uni nicht - aber eine eigene Organisationsform für die medizinische Forschung sehr wohl.

Standard: Die Gleichbehandlungsklage in Ihrer Causa spart man sich mit dieser Lösung.

Pellert: Ja. Das ist Teil des erzielten Kompromisses und wird auch vom Arbeitskreis für Gleichbehandlung mitgetragen. Mit so einer Beschwerde möchte man ja eine Lösung herbeiführen, und es kommt ja zu einer Neuausschreibung.

Standard: Kein Wermutstropfen, dass nicht schwarz auf weiß bestätigt wird, hier wurde eine Frau diskriminiert?

Pellert: Klar, aber wenn man sich auf einen gemeinsamen Verhandlungsweg und einen Kompromiss einlässt und das Gefühl hat, das passt auch für die Weiterentwicklung der Institution, tritt das zurück.

Standard: Etwas absurd, mit Verlaub, ist die Passage, in der Sie "aufgefordert" werden, sich wieder als Rektorin zu bewerben. Das haben Sie ja schon mal - und wurden übergangen.

Pellert: Genau. Die Ausschreibung ist ein freier Wettbewerb um diesen Posten, aber aus der Vorgeschichte ist es für mich ein wichtiges Signal, dass man sagt, man schätzt meine Arbeit und möchte mich für dieses Projekt gewinnen. Keiner kann da fixe Zusagen machen.

Standard: Sie bleiben abhängig von der Gnade der Uniräte, dass die Sie dann auch wirklich wählen. High Risk.

Pellert: Ja, das ist offen. Das werden wir Anfang nächsten Jahres sehen.

Standard: Gibt's geheime Sideletters, die Ihnen und Kern die Posten fix zusagen?

Pellert: Nein. Das kann und wird der Unirat auch nicht machen. Das ist für alle ein Spiel mit offenem Ausgang.

Standard: Der Unirat wird eine echte "Wahl" veranstalten und keinen Deal durchziehen?

Pellert: Kein Deal. Keine Garantien. Mir ist wichtig, dass man sagt, man möchte die Uni als Weiterbildungs-Uni profilieren. Wenn es dann was Besseres gibt, ok, dann werden das alle Handelnden akzeptieren. Das war beim letzten Mal eben noch nicht so klar, das strategische Leitbild, wo will man hin. Mehr Medizin oder mehr Weiterbildungs-Uni.

Standard: Was bleibt für Sie zurück nach den Turbulenzen?

Pellert: Als Hochschulforscherin habe ich gelernt, dass wir bei der Nachjustierung des Unigesetzes noch einmal gründlich über die Bestellungsmodi nachdenken. Da war Krems kein Einzelfall. Diese Prozesse sind an vielen Unis mit erheblichem Risiko für die einzelnen Personen und die Institutionen abgelaufen. Das Zusammenspiel von Senat, Unirat und Rektorat ist die ganz schwierige Zone bei dieser Bestellung. Und der Bereich Uni als öffentliche Institution mit öffentlichem Interesse versus Diskretion bei Personalprozessen. Das muss man sich genau anschauen. (DER STANDARD Printausgabe, 10. August 2007)

Zur Person
Ada Pellert, 44, seit 2005 Professorin für Weiterbildungsforschung und Vizerektorin der DUK, wurde bei der Rektorswahl Anfang Mai nicht in den Dreiervorschlag aufgenommen, trotz "überragend erfüllter" Ausschreibungskriterien. Das Wissenschaftsministerium stoppte das Bestellungsverfahren wegen Diskriminierungsverdacht.
  • Ada Pellert hat aus den Turbolenzen der Rektorenbestellung gelernt, die Bestellungsmodi sollen ihrer Meinung nach überdacht werden.
    foto: standard/cremer

    Ada Pellert hat aus den Turbolenzen der Rektorenbestellung gelernt, die Bestellungsmodi sollen ihrer Meinung nach überdacht werden.

Share if you care.