Leichtbau oder Massivbau?

18. Februar 2008, 08:36
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Entscheidungshilfe für Häuslbauer: "Das kleine Buch vom Beton" und die Studie "Eigen­schaften und Potentiale des 'Leichten Bauens'"

Wer ein Haus bauen will, kommt schon ganz zu Beginn um eine Frage nicht herum: Will ich mein Eigenheim in Leicht- oder Massivbauweise errichten?

Es ist naturgemäß eine Grundsatzentscheidung, die reiflich überlegt werden sollte. Sowohl der Leicht- als auch der Massivbau haben Vorteile und Schwachpunkte.

Grundsätzliches

Als Leichtbau gelten vorgefertigte Gebäude bzw. Fertigteilhäuser, bei denen zumindest die Haupttragkonstruktionen aus Holz gefertigt sind. Ein Massivbau besteht hauptsächlich aus Ziegeln, Beton oder anderen vergleichbaren Werkstoffen.

Neben diversen Merkblättern, beispielsweise von der "Umweltberatung" oder der "Energieberatung NÖ" (siehe etwa hier), gibt es sowohl von der Zementindustrie als auch von der Vereinigung "bauGenial" im Internet zugängliche Ratgeber bzw. Studien, die die Vorteile der jeweiligen Bauweise herausstreichen.

Für und Wider

So liefert "Das kleine Buch vom Beton", herausgegeben vom Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke sowie der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie (VÖZ), "100 Argumente" für das Bauen mit dem "meistverwendeten Baustoff der Welt".

"Beton ist wetterfest, alltagstauglich, auf Wunsch wasserdicht oder wasserdurchlässig und durch die Speicherfähigkeit seiner Masse ein idealer Baustoff für Niedrigenergiebauten", werden darin ein paar der vielen Eigenschaften des Baustoffs aufgezählt. "Betonbauteile sind glatt und können so leicht und direkt auf der Betonoberfläche gestrichen werden", heißt es darin weiters.

Einem der häufigsten Argumente gegen die Verwendung von Beton, nämlich jenem, dass der Energieverbrauch beim Bau um vieles höher als beim Leichtbau ist, begegnet man darin mit der Feststellung, dass die zur Herstellung von Betonfertigteilen verwendete Energie "bezogen auf den Lebenszyklus eines Bauwerks" nur einen geringen Anteil ausmache.

"Die Zeiten, als Beton noch ein einfaches Gemisch aus Zement, Wasser und Zuschlag war, sind längst vorbei", erklärt VÖZ-Geschäftsführer Felix Friembichler. Moderne High-Tech-Betone bestehen laut Friembichler aus sechs oder mehr Stoffen. Durch intelligentes Variieren und Modifizieren seiner Bestandteile könne Beton "ganz neue Verarbeitungs- und Nutzungseigenschaften gewinnen", Beispiele dafür seien der selbstverdichtende Beton SCC, der nicht mehr durch Rütteln verdichtet werden muss, oder etwa ultrahochfester Beton (mit Zusatz von Stahl- oder Glasfasern).

Leichtbauweise, wissenschaftlich betrachtet

Ziemlich ins Detail geht andererseits die Studie "Eigenschaften und Potentiale des 'Leichten Bauens'", die von der Vereinigung "bauGenial" in Auftrag gegeben und von Wissenschaftern der Technischen Universitäten Wien und Darmstadt erstellt wurde. Mit Massivbauweisen verglichen und bewertet werden hier die "physikalischen, technologischen, ökonomischen und ökologisch belegbaren Eigenschaften von Leichtbauweisen".

Beim Punkt "Wärmedämmung" erfährt man hier etwa, dass der durchschnittliche Dämmstandard von Leichtbaukonstruktionen in Österreich höher als bei massiven Gebäuden ist, was zu einem um bis zu 22 Prozent niedrigeren Heizenergieverbrauch führt.

Bei der Schalldämmung, wo meist dem Massivbau gegenüber dem Leichtbau ein besseres Abschneiden zugestanden wird, kommt es bei zweischaligen Leichtbauteilen vor allem auf deren Aufbau an. Bewertet man die Schalldämmung von Leichtbauteilen im Verhältnis zum Eigengewicht, der Bauteildicke und der Wirtschaftlichkeit, seien diese den Massivbauteilen jedenfalls klar überlegen, heißt es in der Studie weiters.

Zur Wirtschaftlichkeit wird in der "bauGenial"-Studie außerdem ausgeführt, dass der Wärmeschutzstandard "bei preisneutralen Gebäuden in Leichtbauweise durchwegs höher und die Wohnfläche bei gleicher Grundfläche größer" sei. Zweiteres liegt daran, dass die Dämmung in der Leichtbauweise meist "integrativ", erfolgt, dass also zumindest eine Dämmebene innerhalb der tragenden Konstruktion liegt. Bei der Massivbauweise erfolgt die Dämmung zumeist "additiv", ist also zusätzlich auf der Massivwand angebracht.

Ein weiterer nicht unwesentlicher Vorteil des Leichtbaus ist, dass durch den hohen Grad an Vorfertigkeit die Bauzeit deutlich verkürzt wird, "die ausgebauten Gebäude sind sofort nutzbar". (map, derStandard.at, 17.2.2008)

Links
"Das kleine Buch vom Beton" kann von der Website www.zement.at downgeloadet oder bei der Zement und Beton Werbeges.m.b.H (Reisnerstraße 53, 1030 Wien, Tel. 01/714 66 85, E-Mail: zement@zement-beton.co.at) kostenlos angefordert werden.
Die Studie (Kurzfassung) "Eigenschaften und Potentiale des 'Leichten Bauens'" gibt es zum Download auf www.baugenial.at.
  • "Das kleine Buch vom Beton"

    "Das kleine Buch vom Beton"

  • "Eigenschaften und Potentiale des 'Leichten Bauens'"

    "Eigenschaften und Potentiale des 'Leichten Bauens'"

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