Platz da, Essen kommt

  • "Ella's" (oben) und "Hollmann Salon" (unten). Beide liegen auf tollen Plätzen und haben neue Köche. Die 'Beletage' von Robert Hollmann bekommt ab 2008 neun Zimmer zusätzlich  - und ein kleines Theater, wo bisher das "Che" war.
    foto: gerhard wasserbauer

    "Ella's" (oben) und "Hollmann Salon" (unten). Beide liegen auf tollen Plätzen und haben neue Köche. Die 'Beletage' von Robert Hollmann bekommt ab 2008 neun Zimmer zusätzlich - und ein kleines Theater, wo bisher das "Che" war.

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    foto: gerhard wasserbauer

Zwei der schönsten Plätze Wiens, zwei Restaurants, zwei neue Köche: Im "Ella's" am Judenplatz und bei "Hollmann Salon" im Heiligenkreuzer Hof wurden rund ein Jahr nach der Eröffnung die Küchen neu geordnet - mit ungleichem Erfolg

Seit der Judenplatz vor Wochen - und nach Jahren - aller Baugerüste entledigt wurde (hat da noch wer dran geglaubt?), erstrahlt der Platz mit dem beklemmend schönen Denkmal endlich wieder in voller Pracht und dem berühmt einzigartigen Licht. Im "Ella's", das hier im Vorjahr an der Stelle des alten "Pantherbräu" eröffnete, werkt mit Christoph Negerle, vormals Do&Co, seit wenigen Wochen ein neuer Küchenchef. Was als durchaus überfälliger Schritt verstanden werden darf - die Qualität des Essens (man steuert eine transmediterrane Küchenlinie mit griechischer Schlagseite) hielt mit der Pracht der Location nämlich nicht mit.

Der neue Mann präsentiert neben luxuriösen Bar-Happen (Gansleber auf Honigbrot, St. Jacques mit Auberginenragout ...) eine dichte, vier Seiten lange Karte. Die liest sich über weite Strecken wirklich erfreulich - zwischen knusprigen Sardellen, Flusskrebsen am Spieß, Lammleber, Spanferkel und Beef Tatare mit Pinienkernen gerät man schnell in Entscheidungsnotstand - die hohen Erwartungen können einstweilen aber nicht erfüllt werden. So entpuppt sich "Bouillabaisse mit Vongole und Garnelen" als Gemüsesuppe mit Miesmuscheln und Shrimps - kein Drama, aber unpräzise und anmaßend formuliert. Das Tatare mag mit dem Messer geschnitten sein, als Entschuldigung für Flachsen, die sich nicht derbeißen lassen (sich aber umso effektiver in die Zahn-Zwischenräume schieben), taugt das aber kaum. Lammleber schwimmt in dicker Tunke, Goldbrasse steht als Zahnbrasse auf der Karte, wird wie Karpfen geschröpft und gerät entsprechend trocken. Da hilft auch der modisch weiße und weit gehend geschmacksfreie Schaum nicht, der obendrauf gespritzt wurde und - noch die freundlichste Assoziation - irgendwie an Froschlaich erinnert.

Zu hässlichen weißen Schäumchen pflegt auch Daniel Hofmeister (früher im "Gaumenspiel") ein Naheverhältnis - ansonsten ist dem großen Talent, das jetzt im "Hollmann Salon" aufkocht, aber kaum ein Vorwurf zu machen. So geschmacksicher, wie das Restaurant im Heiligenkreuzer Hof gestaltet ist (bis hin zu den Kniestrümpfen der besonders zuvorkommenden Kellnerinnen!), so geradlinig und durchdacht liest sich die Speisekarte. Stangensellerie-Suppe mit zwei Kaspressknödeln aus wirklich würzigem Bergkäse hält die Balance zwischen leicht und deftig, das "Salonbrettl" breitet kühle Delikatessen wie Paprika-Rindfleisch-Salat (herausragend), Rauchforelle mit mildem Gemüsezwiebel und Krenrahm oder Roastbeef mit Tomatengelee vor einem aus. Die Bachforelle mit feinen Wildpilzen und noch besseren Linsen (aber mit Schäumchen verziert ...) ist filetiert - dass sie auch auf Nachfrage nicht an der Gräte zu haben ist, verwundert freilich. Amüsant: Die "Schweinerei im Gemüse-Kräuterbeet" mit hinreißend knusprigem und saftigem Bauch, zwei Scheiben vom Filet und gebratenen Feigen - aber, leider, ganz ohne Innereien, Wurst oder andere echte Sauerei. (Severin Corti/Der Standard/rondo/1ß/08/2007)

Ella's
Judenplatz 9-10, 1010 Wien
Tel.: 01/535 15 77
täglich 11 - 24 Uhr
VS € 7,50 - 14,50
HS € 16,50 - 22
www.ellas.at

Hollmann Salon
Grashofg. 3, im Heiligenkreuzer Hof, 1010 Wien
Tel.: 01/961 19 69-40
Mo- Sa 11 - 21 Uhr
VS € 5 - 12
HS € 12 - 23
www.hollmann-salon.at
Fotos:
Gerhard Wasserbauer
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