Fade freie Liebe

26. September 2007, 15:00
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Der Sommer und das dazugehörige mediale Loch bildet sich natürlich auch im Fernsehen ab

Der Sommer und das dazugehörige mediale Loch bildet sich natürlich auch im Fernsehen ab. Ausnahme: ORF 2. Dort herrscht das ganze Jahr sommerlochig-unaufgeregt Seniorenclub. Auf dem Kultursender Arte widmet man sich hingegen schon länger dem "Summer of Love". Das Jahr 1967 in San Francisco und seine kulturellen Auswirkungen, Verirrungen samt Zeitzeugen, taugt dort schon für einige Themenabende.

Wobei: Auch dieses Thema dünnt sich langsam, aber sicher aus. Immerhin schafft es der Sender, eine die Seher halbwegs bei der Stange haltende Mixtur zu bieten. Dientagabend etwa mit Peter Sellers ("Lass mich küssen deinen Schmetterling") als spießigem Anwalt, der nach einem "Erweckungserlebnis" mit Haschkeksen sein Leben ändert und seine vermeintliche Geliebte zweimal vorm Altar abblitzen lässt. Im Anschluss war eine Doku über freie Liebe zu sehen.

Klang gut, bestand allerdings im Wesentlichen aus verklärten Erinnerungen von B- und C-prominenten Zeitzeugen von damals. Lediglich Uschi Obermaier, die von Arte als Moderatorin in die Pflicht genommen wurde, verströmte kurz so etwas wie Lebensnähe – aber auch nur, wenn man das brutalbayrische Idiom für sich ausblenden konnte.

Verdient: Die im Rahmen des Schwerpunktes ausgestrahlte Doku "Otis Redding live at Monterey": Mitten im ärgsten Hippie-Happening steigt ein schwarzer Sir im Anzug auf die Bühne und kocht den Topf bis zum Übergehen hoch – Feuer auch ohne abgefackelte Gitarren. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 9.8.2007)

  • Ausschnitt aus "Lass mich küssen deinen Schmetterling"
    foto: arte

    Ausschnitt aus "Lass mich küssen deinen Schmetterling"

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