Carlos Slim ist reichster Mann der Welt

21. September 2007, 14:35
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Der Computer machte Microsoft-Gründer Bill Gates einst zum reichsten Mann der Welt. Das Handy sorgte dafür, dass er nun vom Thron gestoßen wurde

Mexiko-Stadt - Der Mexikaner Carlos Slim, dessen Telekom-Firmen weit mehr als 100 Millionen Kunden in Lateinamerika haben, hat laut US-Magazin "Forbes" den ersten Platz auf der Rangliste der Superreichen erobert und Microsoft Gründer Bill Gates verdrängt. Sein Vermögen wird mit 59 Mrd. Dollar (knapp 43 Mrd. Euro) angegeben. Das ist etwas mehr als die 58 Mrd. Dollar, die Gates laut "Forbes" hat - aber weniger als die 67,8 Mrd. Dollar, die bereits im Juli das mexikanische Finanzmagazin "Sentido Comun" für Slim errechnete. In Mexiko, wo viele Menschen unter der Armutgrenze leben, ist der Mann mit dem märchenhaften Vermögen umstritten.

Handy-Boom

Der 67-Jährige mit dem grauen Bart und der Stirnglatze legte den Grundstein zu seinem Vermögen Ende der 80er, als er die mexikanische Telefongesellschaft Telmex kaufte, die vom damaligen Präsidenten Carlos Salinas privatisiert wurde. Vor allem der Handy-Boom katapultierte ihn aber in den 90er Jahren in die höchsten Sphären der Weltwirtschaft: Die Pfeiler seines Imperiums sind der mexikanische Mobilfunker Telcel und vor allem der Mobilfunkriese America Movil, der über die Jahre zu einem der größten Konzerne der Welt wurde.

Slim ist mittlerweile aber in allen Branchen der mexikanischen Wirtschaft vertreten: Industrie, Versicherungen, Immobilien, Bau, Bergbau, Zigaretten, Hotels. Inzwischen macht sein Imperium fünf Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts aus, seine Firmen stehen für ein Drittel der mexikanischen Börse. Die meisten Unternehmen kaufte Slim in den 80er und 90er Jahren auf, als Mexikos Wirtschaft am Boden lag.

Sein Geschäftsgebaren gilt vielen in Mexiko als aggressiv, sein Vermögen als unanständig. So sagen Kritiker, Slim habe sich Telmex durch Intrigen zu einem Preis weit unter Marktwert gesichert. Mittlerweile nutze er sein Beinahe-Monopol in der Branche schamlos aus. Slim selbst versichert dagegen, dass er mit althergebrachten Managementmethoden seine Firma wie ein guter Familienvater führe. "Einfache Strukturen, eine flache Hierarchie, Sparsamkeit auch in guten Zeiten" - das sind die Grundregeln im Handbuch seiner Holding Carso.

Neuer Glanz für altes Stadtviertel

Der Anstieg der Carso-Aktien hat das Vermögen des Mexikaners in den vergangenen Monaten noch einmal um mehrere Milliarden Dollar nach oben schnellen lassen. Nun ist genug Geld für neue Projekte da: America Movil war an Italiens Branchenriesen Telecom Italia interessiert. In Mexiko-Stadt hat Slim ganze Wohnblocks im Stadtzentrum gekauft. Slim will ein ehemaliges Prachtviertel, das inzwischen arg heruntergekommen ist, in altem Glanz erstrahlen lassen - und dann gewinnbringend verkaufen.

Slim ist der typische Geschäftsmann, der sich nach ganz oben gearbeitet hat. Sein Vater kam als Einwanderer 1902 aus dem Libanon nach Mexiko und hatte anfangs einen Laden in der Hauptstadt. Slim nahm in den 60er Jahren ein Studium zum Ingenieur auf, bevor er an der Börse zu arbeiten begann. Bis heute führt er sein Imperium eher wie ein Familienunternehmen. Überzogene Eitelkeit oder gar Luxuswahn werden ihm nicht vorgeworden.

In punkto Wohltätigkeit will Slim seinem Vorgänger als reichster Mann der Welt aber nicht unbedingt nacheifern. Gates macht durch die Milliarden-Programme seiner Stiftung immer wieder von sich reden. Slim zeigt sich davon nicht beeindruckt. "Die Armut wird nicht durch Gaben beseitigt", sagte er laut "Forbes" einmal. Firmen aufzubauen bringe der Gesellschaft mehr als "herumzulaufen wie der Weihnachtsmann." (APA/AFP)

  • Der mexikanische Telekommunikations-Magnat erobert den ersten Platz der Reichsten-Liste des US-Magazins "Forbes" und verdrängt Bill Gates.
    andrew winning

    Der mexikanische Telekommunikations-Magnat erobert den ersten Platz der Reichsten-Liste des US-Magazins "Forbes" und verdrängt Bill Gates.

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