Lieber Meer statt Pool

5. Oktober 2007, 16:42
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Die Badesaison ist kein reines Vergnügen - Genitale Pilzinfektionen haben Hochsaison: es ist kein Problem Pilze wieder loszuwerden - schwieriger ist es, diese nicht zu bekommen

Juckreiz, Brennen und Ausfluss – die typischen Beschwerden der Vaginalmykose machen dem Mediziner die Diagnose meist leicht. Einmal im Leben hat fast jede Frau einen Scheidenpilz. Verursacht wird die genitale Pilzinfektion vorwiegend durch die Candida albicans, ein Hefepilz, der auch bei gesunden Frauen ein Teil der Haut- und Schleimhautflora ist. Im Normalfall ist das Milieu der Vagina sauer, das verbietet den Pilzen sich ungehemmt zu vermehren. Gerät das Zusammenleben mit den Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien, Lactobacillus acidophilus) aus dem Gleichgewicht, wird aus dem harmlosen Pilz plötzlich ein Infektionserreger.

Symptome beim Partner

Zeigen sich beim Partner ebenfalls Symptome einer Pilzinfektion – bei ihm sind meist der Harnröhreneingang und der Bereich unter der Vorhaut von der Candida besiedelt - so muss er sich auf jeden Fall mitbehandeln, um den Ping Pong Effekt zu verhindern. Denn auch wenn der Scheidenpilz nicht zu den Geschlechtskrankheiten zählt, so ist eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr durchaus möglich.

Scheidenpilzfalle Pool

Besonders leichtes Spiel hat die Candida in der Urlaubszeit, denn wie jeder Pilz liebt es die Candida albicans warm und feucht. Im warmen Poolwasser tummeln sich neben Pilzsporen auch verschiedene Bakterien, vor allem dann, wenn nicht ausreichend chemische Substanzen zugesetzt wurden. Um die Vermehrung der krankmachenden Keime zu verhindern, ist das Wasser in öffentlichen Bädern häufig chloriert.

Chlor verändert das Scheidenmilieu

Chlor vernichtet jedoch nicht nur Mikroorganismen, sondern verändert das Milieu in der Scheide, sodass sich das Risiko an einer Pilzinfektion zu erkranken, erhöht. Wer also lange in gechlortem Wasser schwimmt und im Anschluss seinen Bikini nicht wechselt, macht es den Pilzen besonders leicht sich zu vermehren. Die lang anhaltende Feuchtigkeit quillt die oberste Hautschicht zusätzlich auf und ermöglicht den Pilzen ein leichteres Eindringen. Will Frau also eher vom Scheidenpilz verschont bleiben, so wird sie sich bei der Frage Pool oder Meer wahrscheinlich für zweiteres entscheiden.

Clotrimazol für die Reiseapotheke

Wer sich mit Salzwasser aber nicht so richtig anfreunden kann, sollte daran denken eine clotrimazolhältige Vaginalcreme und –zäpfchen mit auf die Reise zu nehmen. Bei frühzeitiger Anwendung bessern sich die unangenehmen Beschwerden jeder Vaginalmykose rasch.

Hormone verändern das Milieu

Entscheidend beeinflusst wird der ph-Wert in der Scheide durch Östrogen. Das Geschlechtshormon begünstigt vaginale Pilzinfektionen. Frauen, die die Pille einnehmen, schwanger sind oder sich in den Wechseljahren befinden, kämpfen daher besonders mit Vaginalmykosen.

Disponiert sind auch Frauen, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise infolge einer Chemotherapie, einer HIV-Infektion oder einfach nur stressbedingt. Diabetes mellitus und Antibiotikabehandlungen können ebenfalls die Entstehung des Scheidenpilzes begünstigen.

Hartnäckige "Dauerinfektion"

Bleibt es beim einmaligen Ereignis, so sind Vaginalmykosen keine große Sache. Kehrt der Pilz hartnäckig wieder, sind antimykotische Medikamente in Form von Tabletten (Azole) eine Option. Leider ist der Grund für diese sogenannten rezidivierenden Pilzinfektinen oft nicht eruierbar und für die betroffenen Frauen ist das Thema Scheidenpilz daher alles andere als harmlos.

Vorbeugen und vermeiden

Was bleibt, ist die Empfehlung einer Vielzahl von vorbeugenden Maßnahmen, die aber leider häufig nicht von Erfolg gekrönt sind. Ein Grund dafür liegt in der Vermutung, dass Stress und psychische Belastungen zur Veränderung des Scheidenmlilieus führen, da dadurch die Abwehrkräfte geschwächt werden. Dann sollte die Lebenssitualtion überdacht werden.

Viele Gynäkologen empfehlen bei rezidivierenden Pilzinfektionen Döderlein-Kaspeln, die das Gleichgewicht durch Milchsäurebakterien wieder herstellen. Alle weiteren Möglichkeiten wie weite Kleidung statt enger Hosen, Naturfaser statt Kunstfasern und der Verzicht auf parfumierte Waschmittel im Intimbereich schaden wohl kaum und sind einen Versuch wert. (phr)

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