Gustavo Moncayo marschiert für Frieden und für seinen Sohn

von Redaktion  |  27. Februar 2008, 14:45
  • Artikelbild - Foto: Reuters/Duran

Dorfschullehrer setzt sich für Gefangenenaustausch ein

Drei weiße Zelte sind auf der Plaza Bolívar in Bogotá aufgebaut, dem geografischen und politischen Zentrum Kolumbiens. Sie signalisieren: Das Drama von über 3000 verschleppten Menschen steht ganz oben auf der politischen Agenda im kriegsgeschüttelten Andenstaat.

Zu verdanken ist dies Gustavo Moncayo, dem prominentesten Zeltbewohner. Der 55-jährige Dorfschullehrer setzt sich für ein "humanitäres Abkommen" zwischen der Regierung und den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (FARC) ein, jener Gruppe also, die die meisten Geiseln in ihrer Gewalt hat.

Keiner ist länger seiner Freiheit beraubt als Moncayos Sohn, der inzwischen 29-jährige Soldat Pablo: Nach einem Angriff der Guerilleros auf eine Militärbasis am 21. Dezember 1997 fiel er in ihre Hände. Heute zählt er zu den 45 Uniformierten und Politikern, die die FARC gegen 500 ihrer inhaftierten Kämpfer austauschen wollen.

Moncayo hat alles in Bewegung gesetzt, um die Freilassung seines Sohnes zu erreichen: Er redete mit FARC-Comandantes ebenso wie mit den drei seither amtierenden Staatschefs Kolumbiens. Er zahlte Geld an angebliche Mittelsmänner. Er startete Medienkampagnen. Nachdem er die Idee verworfen hatte, sich in seinem Heimatdorf kreuzigen zu lassen, begab er sich am 17. Juli auf die Wanderschaft. Er nahm eine Hose, drei Hemden und eine in den Anden beheimatete Quenaflöte mit, zwischen seinen Handgelenken und seinem Hals baumelte eine Kette.

Allmählich wurde der Friedensmarsch zum Medienereignis. In 46 Tagen sammelte Moncayo zwei Millionen Unterschriften für sein Anliegen. Ein Gefangenenaustausch könne nur der erste Schritt sein, sagte er: "Wenn es dabei bleibt, wird die Gewalt weitergehen. Wir müssen die ganze soziale Problematik angehen."

Als er vergangene Woche, nach gut tausend Kilometern, in der Hauptstadt Bogotá eintraf, war der Lehrer ein Volksheld. Zehntausende bejubelten ihn, seine Frau und seine vier Töchter. Präsident Álvaro Uribe sagte ihm telefonisch ein Treffen zu. Bürgermeister Lucho Garzón stellte die Zelte zur Verfügung.

Bischöfe und Botschafter hörten ihn an. Doch dann kam die kalte Dusche. Nach seinem Gespräch mit Moncayo wies Uribe erneut die zentrale Bedingung der Rebellen für einen Gefangenenaustausch zurück - sie fordern, dass für Verhandlungen 760 Quadratkilometer militärisch geräumt werden. Moncayo, der zuvor die lautstarken Gegner Uribes im Publikum besänftigt hatte, zog sich enttäuscht zurück. Mittlerweile hat der Friedensmarschierer die Zelte auf der Plaza Bolívar zu seiner neuen Wohnung erklärt. Er werde so lange bleiben wie nötig, sagt er immer wieder, "bis Uribe und die FARC aufhören, sich taub zu stellen". (Gerhard Dilger/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2007)

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11 Postings
kolumbien blog.com
09.08.2007 20:13
Moncayo im Interview

Liebe Standard Leser,

Nicole von unserem Blog hatte die Möglichkeit Mocayo persönlich zu interviewen, wer Interesse hat kann hier also nachlesen:
<a href="http://www.kolumbien-blog.com/2007/mens... gt;Gustavo Moncayo im Interview</a>

evo gomez
14.08.2007 19:37

es ist schön das du wieder geschrieben hast,aber es ist für mich interessant zu erfahren,was nun uns ausmacht,den der gegangen ist oder den der weiterhin in unsererm land lebt.verstehen kann ich das nicht.bist du gegangen wegen uribe oder wegen der eln oder farc,oder wegen der armut?

kolumbien blog.com
15.08.2007 00:48

Die Frage, die sich mich stellt: Warum hat Uribe im Land 60 - 70% Zustimmung und im Ausland kommt gar keine Diskussion auf, da er als Paramilitaer oder Faschist dargestellt wird. Da faellt es schwer politische Argumente zu auszutauschen.

Ich vermute, dass die Infoquellen einfach andere sind, mich wuerde interessieren, welche ihr habt?

Zur Frage nach Kolumbianern im Ausland. Meine Erfahrung ist einfach, dass Kolumbianer, die im Ausland leben eine ganz andere Sicht haben, als diejenigen, mit denen ich taeglich hier in Kolumbien zu tun habe. Wenn man sich Oesterreicher/Deutsche anschaut, die ausgewandert sind bekommt man sicherlich auch nicht ein Abbild der Oesterreicher/Deutsche sondern nur ein Abbild deutschsprachiger Auswanderer.

hagen berger
15.08.2007 20:02

Was sind denn für ein Mensch in Kolumbien,was arbeiten Sie?Es würde mich sehr freuen mich mit Ihnen auszutauschen.Hbe über neun Jhre dort gelebt.

kolumbien blog.com
16.08.2007 02:57

Hallo Hagen, meine E-Mail moechte ich nicht offen posten. Du kannst mich aber kontaktieren ueber das Kontakktfomular des Kolumbien-Blogs.

Neun Jahre sind eine lange Zeit, bis welches Jahr warst du denn in Kolumbien?

evo gomez
12.08.2007 14:56

nun,wenn man die neuesten nachrichten liest,kann man uribe wirklich keinen glauben schenken.

Adam Markus
08.08.2007 13:39

interessanter weise ist kolumbien ein staat welcher es noch nie in seiner geschichte geschafft hat das gesamte land zu kontrollieren. Und das Uribe mit hilfe faschistischer Paramilitärs und US Unterstützung anstatt frieden auszuhandeln, den Konflikt nur weiter schürt macht die Sache auch nicht besser. das kann noch ewig so weitergehen.

peter wernitz
08.08.2007 17:00
Bei....

Herrn Uribe ist leider nichts zu erwarten,seine PARAS haben ein kräftiges Wort mitzureden,die Pfründe müssen in Einer Hand bleiben,ob mit oder FARC,so ist es leider in diesem Land.

peter lauer
14.08.2007 15:46

Nun was erwarten oder können Sie von Herrn Uribe erwarten?NICHTS !

kolumbien blog.com
14.08.2007 16:01

Wirklich schade, dass die Diskussion so polarisiert ist hier. Ich weiss gar nicht wo ihr eure ganzen Weisheiten her bekommt? Wart ihr schon mal in Kolumbien, habt ihr mit Kolumbianern in Kolumbien gesprochen (die, die ihrer Heimat den Ruecken zugekehrt haben, haben meiner Erfahrung nach eine ganz andere Sichtweise als Kolumbianer in Kolumbien).

yodaslightsaber
08.08.2007 07:09

Respekt, Respekt. Das nenn ich Zivilcourage.

Ich wuensche ihm alles Gute, und hoffe, dasz sich die Situation in Kolumbien verbessert.

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