Der Papst in den Händen einer Frau

10. September 2007, 09:28
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Bühnenarbeiten, Liturgie, Pilgerbetreuung und Sicherheitsdienste: Alle Fäden des Papstbesuchs laufen bei Andrea Geiger zusammen

"Richtig peinlich" findet es Andrea Geiger, wenn man sie als "Miss Papstbesuch" bezeichnet. Doch man kann es den Mitmenschen nicht verübeln, liegt doch die Assoziation so nahe. Andrea Geiger ist die Leiterin des Vorbereitungsbüros für den Papstbesuch. Bei ihr laufen alle Fäden rund um die päpstliche Österreich-Mission zusammen. Die gebürtige Vorarlbergerin ("Bitte schreiben sie das, da freut sich mein Papa!") hat damit derzeit eine der Schlüsselpositionen in der österreichischen Kirche inne - als Frau.

17-Stunden-Tag

Kilometermäßig wird die 36-Jährige den Papst-Fans, die am 8. September nach Mariazell strömen werden, einiges voraushaben. Derzeit pilgert Andrea Geiger alle zehn Tage in den steirischen Wallfahrtsort. "Auch wenn der Großteil natürlich schon erledigt ist, gibt es noch so manches zu organisieren", erzählt Geiger. "So manches" beschert der Wienerin mit Hauptwohnsitz in der Obersteiermark derzeit einen 17-Stunden-Arbeitstag.

Betreut wird von Geiger alles, was rund um den Herrn in Weiß so anfällt. Von der pastoralen Vorbereitung über die konkreten Arbeiten an allen Stationen des Papstbesuchs (Liturgie, Bühnenauf- und -abbauarbeiten, Technik, Anmeldungen, Pilgerbetreuung, Ordnerdienste, Sicherheitsfragen) bis zu den Finanzen - Andrea Geiger entgeht nichts. 1994 zog die Liebhaberin burgenländischen Rotweines - "fast schon eine Leidenschaft" - und österreichischen Rindfleisches in die Bundeshauptstadt, um Pädagogik und Theologie "fast fertig" zu studieren. "Weil leider immer ein Projekterl dazwischenkam", schmunzelt Geiger. Und große "Projekterln" gab es viele: 2002: die ersten "72 Stunden ohne Kompromiss", 2003: Stadtmission Wien, 2004: "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell.

"Die Worte" bleiben

Natürlich gebe es auch Momente, in denen sie kurz davor sei, "die Nerven zu verlieren", und ihr schon einmal ein "Mein Gott, warum muss ich das alles machen?" entfährt. Die Frage nach dem Warum lässt sich aber rasch beantworten: Weil der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn sie persönlich darum bat. Bis auf wenige Aufnahmen sei es aber "einfach wunderbar", so ein großes Ereignis zu organisieren. Von der Nachhaltigkeit des Papstbesuchs ist Andrea Geiger absolut überzeugt. "Sonst würde ich diesen Job nicht machen. Was bleiben wird, sind die Worte von Benedikt XVI.", glaubt der Fan barocker und alter Musik.

Dass die drei Papsttage der Belastungshöhepunkt für das Geiger'sche Nervenkostüm werden, glaubt die Papst-Managerin nicht. "Da ist schon alles vorbei, und man kann nur mehr sehr bedingt in das Geschehen eingreifen", glaubt Geiger. Und was passiert am Tag danach? "Usschloafa wär fein. Das wird's aber nicht spielen, am 10. September stehen die Abbauarbeiten an." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 4./5.8.2007)

  • Die Frau, die Benedikt XVI. österreichischen Boden ebnet: Andrea Geiger (36)
    foto: standard/fischer

    Die Frau, die Benedikt XVI. österreichischen Boden ebnet: Andrea Geiger (36)

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