
Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe empfing am Donnerstag Gustavo Moncayo, dessen Sohn von den linken Paramilitärs Farc entführt worden ist. Moncayo verlangte ein humanitäres Abkommen.
Humanitäre Lösung
Ein paar Meter weiter fiel Gustavo Montoya seiner Frau weinend in die Arme. Der 55-jährige Geschichtslehrer aus einem kleinen Andendorf war 46 Tage durch das halbe Land marschiert. Mit einer Kette zwischen Hals und Handgelenken wies er immer wieder auf das Drama der Entführungsopfer hin, die sich seit Jahren in der Gewalt der Farc befinden. Seine Botschaft an den rechten Staatschef lautete: „Das ganze Volk verlangt ein humanitäres Abkommen. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Angehörigen im Urwald verrotten.“ Für sein Anliegen sammelte Moncayo auf seinem Marsch zwei Millionen Unterschriften, bei seinem Einzug in Bogotá feierten ihn Zehntausende. Uribes Rede wurde von Pfiffen begleitet, Moncayo zog sich demonstrativ vom Rednerpult zurück.
Moncayo weiß nur zu gut, wovon er spricht: Im Dezember 1997 überfielen die Farc den Militärstützpunkt Patascoy, töteten zehn und verschleppten 18 Soldaten, darunter seinen damals 19-jährigen Sohn Pablo. Auf einem Ende Juni ausgestrahlten Video richtete der abgemagerte Soldat zwei Fragen an Uribe: „Warum eröffnen Sie nicht eine dritte Front des Dialogs? Warum geht es nur mit Gewalt?“ Das fragen sich immer mehr Kolumbianer, zumal Uribe nach dem über 40-jährigen Krieg in dem Andenland sowohl den rechtsextremen Paramilitärs als auch der Eln-Guerilla entgegengekommen ist.
500 Kämpfer frei
Der Staatschef weigert sich beharrlich, ein 760 Quadratkilometer großes Gebiet militärisch räumen zu lassen, was die Rebellen als Bedingung fordern. Er weiß, dass die Farc nichts sehnlicher wünschen, als 500 ihrer Kämpfer freizubekommen – im Austausch gegen 45 Soldaten, Polizisten und prominente Politiker, darunter die im Februar 2002 verschleppte Ex-Senatorin Ingrid Betancourt.
Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt steht Uribe allerdings mehr denn je unter Druck: Der Kokainhandel boomt wie eh und je, die Verflechtungen zwischen der herrschenden Politikerkaste und den mafiösen paramilitärischen Milizen werden immer offensichtlicher. Den Farc schlug er jetzt vor, sie sollten ihre Geiseln freilassen. Im Gegenzug werde er sämtliche in Kolumbien inhaftierten Rebellen auf freien Fuß setzen, nicht jedoch die beiden bereits an die USA ausgelieferten Farc-Mitglieder: „Dann würde die Regierung eine Begegnungszone akzeptieren, um in 90 Tagen den Frieden auszuhandeln.“
„Hier wird nichts passieren“, meinte Ingrid Betancourts Ehemann Juan Carlos Lecompte enttäuscht. Gustavo Moncayo will jetzt so lange auf der Plaza Bolívar ausharren, „bis ich den letzten Entführten umarmen kann“. (Gerhard Dilger, DER STANDARD, Printausgabe 4./5.8.2007)
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