Geiseln gegen FARC-Häftlinge: "Nicht im Urwald verrotten"

von Redaktion  |  17. September 2007, 19:26
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    Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe empfing am Donnerstag Gustavo Moncayo, dessen Sohn von den linken Paramilitärs Farc entführt worden ist. Moncayo verlangte ein humanitäres Abkommen.

Präsident Uribe schlug den linken Paramilitärs vor, ihre Geiseln freizulassen - Im Gegenzug sollen die inhaftierten Rebellen freikommen

Bogotá/Porto Alegre – All jenen, die auf baldige Gespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens“ (Farc) gehofft hatten, erteilte Álvaro Uribe am Donnerstag eine klare Absage: „Ich werde dem Verbrechen nicht einen einzigen Quadratmillimeter zugestehen“, rief der Präsident auf der Plaza Bolívar in Bogotá. „Es wird keine Entmilitarisierung geben.“

Humanitäre Lösung

Ein paar Meter weiter fiel Gustavo Montoya seiner Frau weinend in die Arme. Der 55-jährige Geschichtslehrer aus einem kleinen Andendorf war 46 Tage durch das halbe Land marschiert. Mit einer Kette zwischen Hals und Handgelenken wies er immer wieder auf das Drama der Entführungsopfer hin, die sich seit Jahren in der Gewalt der Farc befinden. Seine Botschaft an den rechten Staatschef lautete: „Das ganze Volk verlangt ein humanitäres Abkommen. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Angehörigen im Urwald verrotten.“ Für sein Anliegen sammelte Moncayo auf seinem Marsch zwei Millionen Unterschriften, bei seinem Einzug in Bogotá feierten ihn Zehntausende. Uribes Rede wurde von Pfiffen begleitet, Moncayo zog sich demonstrativ vom Rednerpult zurück.

Moncayo weiß nur zu gut, wovon er spricht: Im Dezember 1997 überfielen die Farc den Militärstützpunkt Patascoy, töteten zehn und verschleppten 18 Soldaten, darunter seinen damals 19-jährigen Sohn Pablo. Auf einem Ende Juni ausgestrahlten Video richtete der abgemagerte Soldat zwei Fragen an Uribe: „Warum eröffnen Sie nicht eine dritte Front des Dialogs? Warum geht es nur mit Gewalt?“ Das fragen sich immer mehr Kolumbianer, zumal Uribe nach dem über 40-jährigen Krieg in dem Andenland sowohl den rechtsextremen Paramilitärs als auch der Eln-Guerilla entgegengekommen ist.

500 Kämpfer frei

Der Staatschef weigert sich beharrlich, ein 760 Quadratkilometer großes Gebiet militärisch räumen zu lassen, was die Rebellen als Bedingung fordern. Er weiß, dass die Farc nichts sehnlicher wünschen, als 500 ihrer Kämpfer freizubekommen – im Austausch gegen 45 Soldaten, Polizisten und prominente Politiker, darunter die im Februar 2002 verschleppte Ex-Senatorin Ingrid Betancourt.

Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt steht Uribe allerdings mehr denn je unter Druck: Der Kokainhandel boomt wie eh und je, die Verflechtungen zwischen der herrschenden Politikerkaste und den mafiösen paramilitärischen Milizen werden immer offensichtlicher. Den Farc schlug er jetzt vor, sie sollten ihre Geiseln freilassen. Im Gegenzug werde er sämtliche in Kolumbien inhaftierten Rebellen auf freien Fuß setzen, nicht jedoch die beiden bereits an die USA ausgelieferten Farc-Mitglieder: „Dann würde die Regierung eine Begegnungszone akzeptieren, um in 90 Tagen den Frieden auszuhandeln.“

„Hier wird nichts passieren“, meinte Ingrid Betancourts Ehemann Juan Carlos Lecompte enttäuscht. Gustavo Moncayo will jetzt so lange auf der Plaza Bolívar ausharren, „bis ich den letzten Entführten umarmen kann“. (Gerhard Dilger, DER STANDARD, Printausgabe 4./5.8.2007)

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4 Postings
OnkelLauli
03.08.2007 18:25
Laut wie immer gut...

...unterrichteter Insiderinformationen war der Ausspruch "Nicht im Urwald verrotten" wieder einmal gefälscht, hat geheissen "Nicht im Urwald vertrotteln"

Marulanda FARC 
03.08.2007 17:29
linken Paramilitärs

die muessen neu sein,ich habe noch nix von denen
gehoert bis jetzt.

yomellamo
04.08.2007 09:56
.. ist doch nur ein unwichtiges Detail..

für die Bevölkerung ist es ziemlich unerheblich ob sie von Guerilla oder Paras drangsaliert wird...

http://kupopoku.at.tt
16.08.2007 13:34

Blöd nur, dass Paramilitär und Staat wie sich heimlich liebende Geschwister sind, sie dürfen nicht miteinander, tun es aber trotzdem, und was dabei längerfristig rauskommt, weiß man ja.

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