Essen wird langfristig teurer

14. September 2007, 12:00
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Noch vor Jahren war von Butterbergen und Milchseen die Rede. Heute lassen knappe Rohstoffe und hohe Nachfrage - vor allem aus China und Indien - die Preise explodieren

Wien - Die Nahrungsmittelkosten in Österreich steigen und eine Änderung ist nicht in Sicht. ""Die Tendenz wird so weitergehen", so die Einschätzung der Agrarmarkt Austria (AMA). Preistreiber sind laut AMA-Marketingchef Stephan Mikinovic die Wetterkapriolen, die "Verwestlichung" der Essensgewohnheiten in China und Indien sowie der Boom bei Biotreibstoffen.

Arme Haushalte besonders betroffen

Besonders betroffen von den Verteuerungen sind einkommensschwache Haushalte. Laut Arbeiterkammer geben die Ärmsten in Österreich 17,2 Prozent ihres Verdienstes für Ernährung aus, während die obersten Einkommensschichten nur 9,3 Prozent dafür aufwenden. Der Österreich-Durchschnitt liegt derzeit bei 14,2 Prozent, der Anteil hat sich in den vergangenen Jahren aber deutlich reduziert.

Die Bauern haben jedenfalls den "Schwarzen Peter" zurückgewiesen. Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski rechnete vor: Die Rohstoffkosten einer Semmel liegen bei zwei Prozent, bei Brot zwischen vier und fünf Prozent." Verantwortlich für steigende Preise seien vielmehr die sich erhöhenden Lohn- und Energiekosten der Mühlen, der Bäcker und des Einzelhandels. Beim Milchpreis würde der Rohstoffkostenanteil lediglich bei 33 Prozent liegen, bei einer Extrawurst noch etwas weniger. Und selbst in Weizenmehl mache der Weizenkostenanteil nur 18 Prozent aus.

Außerdem betonte die Landwirtschaftskammer einmal mehr, dass die steigende Biospritproduktion die Lebensmittelkosten steigere. Dem widersprechen jedoch die AMA bis hin zum weltgrößten Lebensmittelproduzenten Nestle genauso wie die OECD. Selbst der deutsche Bauernverband meinte kürzlich: "Wenn der Preis (für Milch, Anm.) nicht hoch genug ist, muss der Bauer umsteigen".

Wirtschaftsboom mit Folgen

Unbestritten ist, dass die Boomstaaten China und Indien die Preise treiben. So führte der Wirtschaftsaufschwung in China zu einer Preisexplosion bei Milchpulver - dem Grundstoff für die Süßwarenindustrie. Dadurch steigt für die Molkereien der Anreiz, Milchpulver zu exportieren als Milch im eigenen Land zu verkaufen.

Weiters steigt der Fleischkonsum - und um ein Kilo Fleisch zu produzieren, müssen die Masttiere rund sieben Kilo Getreide zu sich nehmen. Wobei China schon jetzt der weltweit größte Schweineproduzent und zweitgrößte Hühnermäster ist.

Die Lebensmittelindustrie wies heute auf APA-Anfrage darauf hin, dass es auch für die Obstveredelungsindustrie zuletzt "dramatische Preissteigerungen" gegeben habe. Die Folge: Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen und Fruchtsäfte werden deutlich teurer.

Diskussion in Deutschland

Wie teuer Essen bereits im Juni wurde, zeigt ein Blick in die Verbraucherpreisstatistik. "Einen wesentlichen Beitrag zur Inflation (etwa ein Fünftel) lieferten die Ausgaben für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, die sich um durchschnittlich 3,5 Prozent verteuerten. Dieser Anstieg wurde hauptsächlich durch Verteuerungen bei Fleischprodukten, bei Molkereiprodukten und Eiern sowie bei Brot und Getreideerzeugnissen verursacht", so die Statistik Austria.

In Deutschland ist inzwischen eine Diskussion über eine Strukturreform in der Landwirtschaft ausgebrochen. "Alle sind sich darüber einig, dass eine Konsolidierung kommen muss", sagte Klaus-Peter Gushurst, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. (APA)

  • Naschen wird teurer.
    foto: standard/matthias cremer

    Naschen wird teurer.

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