Der vergessene Alfred

4. Juli 2007, 18:00
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Die Panorama-Diaschau vom Fernmeldeturm im Arsenal rief Erinnerungen wach. An Geschichten von verirrten japanischen Touristen und schön Ausblicke auf die Stadt

Es war gestern. Da bin ich über die Wien von oben"-Serie im derStandard-Panorama gestoßen. Ich habe mich gefreut. Erstens über die wunderschönen Bilder. Zweitens über die Erinnerung. Weil ich nämlich ein nostalgischer Depp bin – und mich immer gern erinnern lasse. Werde: Die Kletterei im und auf dem RiFu-Turm war nämlich nett. Sehr nett sogar. Schließlich hatte ich den Turm jahrelang fast jeden Tag gesehen – und mein Beruf war dann eine gute Ausrede, die eigene Neugierde ausleben zu können. Und überall dort raufzuklettern, wo man gemeinhin nicht hinkommt: Zur Bank-Austria-Welle am Donauturm, auf die Antennespitze des Millenniumtowers – oder eben zu den Antennen von Alfred.

Aber dass Alfred "Alfred" heißt, weiß ich auch erst, seit ich mir dann – gestern eben – die RiFu-Geschichte von 2001 aus dem Standard-Archiv geholt habe: Eigentlich wollte ich wissen, ob mir der Mann vom Turm damals nun gesagt hatte, er lasse die Japaner gnadenhalber manchmal hinauf – oder ob Besucher am Turm wirklich ein absolutes "Nono" waren. und sind.

Archivstöberei

Dazu fand ich nichts. Aber dafür ist mir "Alfred" jetzt wieder ein Begriff ­ so wie damals, im Mai 2001. Und ohne die "Wien von oben"-Macher da kritisieren zu wollen, erlaube ich mir, die Geschichte von damals hier zu wiederholen. In der Hoffnung, dass Alfred nicht wieder vergessen wird.

Vom Alfred ins Land einischaun
Mancher Tourist sucht den Donauturm im Arsenal

Japaner sind hartnäckig. Die finden sogar durchs Arsenal. Und wer durch die halbe Welt gefahren ist, um Wien von oben zu sehen, den schreckt nicht einmal die Kombination aus Sichtbeton und Barbapapa-Architektur am Boden. Bloß: Besucher stehen dann halt trotzdem leider nicht beim Donauturm. Der ist woanders. Am anderen Ende der Stadt nämlich. Aber wer Alfred findet, schafft es dann auch zum Donauturm.

Alfred steht im Arsenal. Jeder, der in Wien schon über ein Dach geschaut hat, kennt ihn. Aber dass Alfred Alfred heißt, wissen nicht einmal die, die in und um den 155 Meter hohen Turm arbeiten.

Bis auf Wolfgang Rieger. Der weiß nämlich praktisch alles über den Betonriegel im ehemaligen k.u.k. Kasernenviertel. Unter anderem eben, dass der Fernmeldeturm nach dem Postdirektor seiner Eröffnung ("am 8. September 1978"), Alfred Schlegel, benannt ist. Seit 25 Jahren ist Rieger im ehemaligen Post-Datenzentrum, das heute schick "Telekom Network Operations" heißt, tätig. Wie viele Touristen schon plötzlich beim Portier gestanden sind, weiß er denn doch nicht: "Etliche."

Denn obwohl der Ausblick über die Stadt sensationell ist, kommt gerade eine Hand voll Menschen in seinen Genuss: Jene Techniker, die auf dem 35 Meter großen Teller in 120 Meter Höhe darauf aufpassen, dass die Signale aus den 57 Parabolantennen ein paar Meter höher wohlbehalten in die und aus den Schüsseln kommen und so den Richtfunkverkehr von halb Österreich sicherstellen.

Der luftige, bei starkem Wind spürbar schwankende Arbeitsplatz unmittelbar unter den Antennen sei notwendig, um Leitungsverluste zwischen Schüsseln und verarbeitenden Rechnern zu minimieren, erklärt Josef Weber, Leiter des Telekom-Network Departements. Und auf Besucher seien weder Architektur noch Sicherheitskonzept des Turmes ausgelegt. Dennoch, bietet Weber Trost, soll das Panorama vom Wiener Südturm bald allen zur Verfügung stehen: Die Telekom plant, auf der Turmspitze eine Webcam zu installieren. Dann "können die Wiener sehen, wo ihr Auto auf der Tangente steht" (Weber). Und die Japaner sparen sich einen weiten Weg. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 2.8.2007)

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