
Von Murau nach London: Hemma Kocher berät Unternehmen, die ihr Wissensmanagement auf die Beine von Wikis, Blogs und anderen Kommunikationsformen von Web 2.0 stellen wollen.
DER STANDARD: Was haben die Kommunikationsstrukturen im Netz mit Firmenkommunikation zu tun?
Kocher: Sehr viel. Nehmen wir Weblogs. Im Grunde sind Blogs Medien, die es ermöglichen, etwas innerhalb einer Organisation oder auch nach außen sehr einfach zu publizieren. Von der Struktur her sind sie "one to many" und haben eine Rückmeldeschleife eingebaut, sie sind also wiederum für Unternehmen interessant.
DER STANDARD: Wieso?
Kocher: Man muss sehen, dass Unternehmenskommunikation zwei Seiten hat: die offizielle, in der Information nach innen und außen vermittelt wird. Und die informelle. Die passiert sowieso, in Kaffeepausen, im Flur, wo immer. Sie reden über alles Mögliche und eben auch über Ihre laufenden Projekte. Blogs und Wikis ermöglichen es, diese Kommunikation einzufangen und zugänglich zu machen. Es kann vieles eingefangen und nutzbar gemacht werden, das sonst im Raum steht und nicht niedergeschrieben wird.
DER STANDARD: Warum sollen Mitarbeiter es plötzlich niederschreiben?
Kocher: Wir entwickeln zum Beispiel so genannte Projekt-Blogs und -Wikis. Teilnehmer tauschen sich über den Verlauf aus, über Probleme, darüber, was noch offen ist, welche weiteren Kontakte es gibt - alles Mögliche eben. Wir ermöglichen eine zusätzliche Kommunikationsebene, und zwar nicht "one to one", sondern "einer erreicht viele", ohne dabei E-Mail-Eingänge zu verstopfen.
Bisher waren wir sehr auf E-Mails angewiesen, aber die sind kompliziert, man muss sehr genau auf den Kommunikationsfluss achten, bekommt entweder nichts mehr mit oder zu viel von allen möglichen Dingen, die man gar nicht braucht. In Blogs und Wikis kann man Schlagwörter vergeben, nach denen man einfach suchen und seine Anliegen wiederfinden kann.
DER STANDARD: Was machen Sie, wenn Sie einen Kunden aufsuchen?
Kocher: Wir schauen uns dessen Workflow an. Darauf basierend entwickeln wir interne und externe Einsatzmöglichkeiten für Blogs, Wikis, also eine Software, die es erleichtert, dass man gemeinsam an Dokumenten arbeitet, ohne einen Text downzuloaden, Social Tagging, RSS (Really Simple Syndication) oder Social Bookmarking. Mit Letzterem kann man "Favoriten" zentral abspeichern, sodass alle Mitarbeiter sie sehen können. So generiert und teilt man Ressourcen.
Sehen Sie sich zum Beispiel die Web-Adresse del.icio.us an, das ist ein sehr interessantes Beispiel. Mithilfe von RSS erhält man ein regelmäßiges Update von Favoriten, die andere zu einem bestimmten Themengebiet abgespeichert haben.
DER STANDARD: Das klingt sehr interessant und sehr fachenglisch. Aber auch wenn man als Mitarbeiter die technischen Handgriffe schnell beherrschen mag: Kann dieses Teilen in einer kompetitiv organisierten Arbeitsumgebung überhaupt funktionieren?
Kocher: Uns suchen Unternehmen auf, die mit traditionellem Wissensmanagement und traditioneller Kommunikation nicht mehr weiterkommen. Wir knöpfen uns dann nicht die gesamte Firma vor, sondern eine Pilotgruppe, eine Abteilung, die spezielle Probleme hat. Dort führen wir die Werkzeuge der sozialen Software ein, und wenn die Leute begeistert sind, dann wird weiter aufgebaut, wächst das Ganze durch Mundpropaganda.
DER STANDARD: Also bottom-up. Aber die Leitung muss trotzdem dahinterstehen.
Kocher: Natürlich. Wenn die sich engagiert, dann merken die anderen, dass es wichtig ist. Es geht ja eher um Verhaltensänderungen als um neue Technologien, und die funktionieren nur, wenn Interesse an Neuem besteht.
DER STANDARD: Sie waren Gast der Innsbrucker Microlearning-Konferenz der Researchstudios Austria: Welche Form des Lernens ist Microlearning aus Ihrer Sicht?
Kocher: Das ist ein noch unausgegorener Begriff. Er bezieht sich auf kleinste Inhalte, etwa in Blogs, und auf die Art und Weise, wie dadurch unser Lernen beeinflusst wird. Wir kooperieren mit verschiedenen Forschungseinrichtungen, um das Thema Corporate Learning bzw. Microlearning zu untersuchen. Doch wir sind ein Unternehmen, also in erster Linie interessiert uns die Arbeit mit Praktikern.
DER STANDARD: Das heißt, Sie kooperieren auch mit Partnern aus der Praxis.
Kocher: Ja. In Wien zum Beispiel mit der Firma Knallgrau. Sie hat die Blogging-Plattform Twoday, bisher die größte im deutschen Sprachraum, entwickelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 1. August 2007)
Sie machte zunächst PR- und Medienarbeit bei der Katholischen Jugend Steiermark und bei der Styria Medien AG. Zwischen 2003 bis 2006 war sie Lektorin an den Unis East Anglia und Reading. Zurzeit ist Kocher Beraterin und Projektmanagerin bei dem Londoner Unternehmen Headshift. Ihre Arbeitsbereiche: Kommunikation, Corporate Learning und Social Software. (mf)
Das innovative Herz der amerikanischen Universitätsstadt Cambridge ist das MIT Media Lab - Hier wird an verrückten und bisweilen haarsträubenden Projekten geforscht
Die ratlose Zeit in der Forschung währte nur kurz: Wissenschaftsministerin Beatrix Karl hat ihre vier Ratsmitglieder präsentiert - Somit ist das Gremium wieder komplett
Künstliche Nasen und andere Sensoren: Die Verschmelzung von Bio- und Nanotechnologie verspricht bedeutende Impulse für Medizin, Umwelt und Technik
Visionen gibt es viele für eine Zukunft, in der Elektrofahrzeuge Massenware sind - Woran es hapert und was sich Forschung, Industrie und Konsumenten wünschen, wurde kürzlich beim Forum Alpbach erörtert
Energieeffiziente Häuser werden am besten mit einfachen baulichen Maßnahmen realisiert - Gebäudetechnik kaschiert nur Planungsfehler, besagt der Lowtech-Ansatz
Die Pläne, in der Forschungsförderung moderat zu sparen, sehen die Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, kritisch - Peter Illetschko fragte nach
Wolfgang Streicher lehrt energieeffizientes Bauen an der Uni Innsbruck und spricht über Hightech versus Holzfensterläden
Weltraumarchitekten zeigen am Forschungsfest Rückzugsorte für Büro und Weltall
Was Patenschaften für Flüchtlinge bewirken können, untersuchte ein Innsbrucker Psychologe
Monika Oberer entschlüsselt Strukturen und Funktion von Proteinen
Der Laser feiert heuer seinen 50. Geburtstag - Seine Anwendungsgebiete sind zahlreich, ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht
Es muss ja schoen sein, von der Arbeit anderer zu profitieren. "Wikis", ""Blogs" - alles cool, alles "neu", mit allem laesst sich Geld verdienen!
Wenn man dann auch noch MS Sharepoint ins Unternehmen bringen kann, um zusaetzlich Provision von MS einzusacken - um so besser! Alles unterm Deckmantel "fuers Wohl der Allgemeinheit" zu arbeiten.
Die Leute vergessen, dass es Kollaborationstools schon LANGE vor den "Wikis" und "Blogs" gegeben hat. USENET? Oder gar Maillisten? Igittigitt, altmodisches Zeug! Ausserdem viel zu billig! Dass damit eines der groessten kollaborativen Projekte der Welt (Linux) gemanaged wird ist egal - muss eine Anomalie sein.
Eckelerregend.
So ein Blödsinn. Eigentlich sollten doch alle nur dienen und gratis arbeiten; Beamte-selbstverständlich; Ärtze- sowiso; Künstler und Schriftsteller - klar doch.
Was ist so hässlich daran Kunden eine Dienstleistung anzubieten, z.B. indem man ihnen erklärt wie eine Shareware funktioniert? Auch wenn alle Infos und programme im Netz zugänglich sind haben einige Leute nicht die Zeit oder nicht das Grundwissen, um die relevanten zu finden und sich ihnen effizient zu bedienen.
Tatsache ist, Wissen ist was Wert, auch wenn es in der Bibliotek zu finden ist! Was ist daran falsch für eine Beratung bezahlt zu nehmen? Diese Verachtung von Kompetenz kann nur von Neidern stammen die nicht mehr als Ahnung haben.
... dass Du auf meinen zentralen Vorwurf gar nich eingegangen bist.
Wissensmanagement wird heutzutage ausschliesslich durch das Anpreisen der aktuellen Tools ''vorangetrieben", statt gut funktionierende vorhandene Tools mal effizienter einzusetzen.
So eine Art der Beratung wuerde ich begruessen! Ich bezweifle sehr, dass 90% der heutigen "Kommunikationsexperten" je einen Fuss in eine USENET Gruppe gesetzt haben.
Der Hauptschatz des Wissens am Internet ist immer noch ueber deja (== Google Groups) auffindbar - pures ASCII ohne schnick-schnack. Nur dass es sich nicht so schoen bunt verpacken und darstellen laesst, um neue Kaeufer damit anzulocken
... solange es nicht auf dem Verkauf von Rauch und Nebel basiert.
Du sprichst von "Kompetenz". Welcher Kompetenz denn?? Selbsternannte Experten habe ich zur Genuege gesehen und gehoert in den inzwischen fast schon 20 Jahren in der High-Tech Branche. Deren "'Kompetenz" mit dem aktuellen Hype hausieren zu gehen kann mir gerne gestohlen bleiben.
Ich erkenne erst Kompetenz an, wenn die Aktionen zu messbaren verbesserungen fuehren. Bisher leider weitgehend tote Hose.
... um *einige* Trends kommen und gehen zu sehen, die die hochgesteckte Erwartungen nicht mal ansatzweise erfuellt haben. Durch geschicktes Marketing alle hoch profitabel, natuerlich.
Im Augenblick heisst der Hype "Web 2.0" und schon stuerzen sich die selbsternannten Experten darauf und loben es in die Sterne. Warte 1-2 Jahren ab, bis das naechste grosse Hype kommt, da wirst Du sehen wie alle gluecklich auf den neuen Zug aufspringen.
Und am eigentlichen Thema "wie verbreite ich das Wissen optimal" wird man weiterhin keinen Deut naeher gekommen sein.
MECHANISMEN fuer die Wissensverteilung gibt es schon seit vielen Jahren mehr als genug. Es ist die Einstellung der Menschen, die geaendert werden soll.
Fortsetzung:
Als Wissensmanager erlebe ich sehr oft die folgende Konsumentenhaltung: Meine Firma stellt mir das notwendige Wissen nicht zur Verfügung – wie soll ich dann meinen Job machen? Dieser Ansatz – die Schulung der Mitarbeiter in den Bereichen Recherchieren – Validieren – Umsetzen von Informationen wird leider in all den romantischen Blog- und Wiki-Diskussionen sehr oft vergessen. Wolfgang Sturz / Reutlingen / Deutschland
Vom Grundsatz her ist das mit den Wikis und den Blogs ein sehr interessanter Ansatz, der in vielen der sogenannten Communities auch durchaus funktioniert. Als Wissensmanager sollten wir uns aber von der Bringschuld (wie schaffe ich es, die Mitarbeiter zu motivieren, ihr Wissen zu publizieren?) hin zu dem Konzept der Holschuld bewegen. Dabei geht es darum, den Mitarbeitern zu lehren, wie und wo sie sich die notwendigen Informationen mit der erforderlichen Qualität holen können, z.B. durch eine intelligente Vernetzung (an der Kaffeemaschine oder über Web-2.0-Social-Networking), durch intelligentes Recherchieren (die meisten nutzen von den dutzenden Google Suchmöglichkeiten gerade mal eine einzige), durch bessere Selbstorganisation u.v.m. ff
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.