ÖVP schwächt ab: "Nur einige von vielen möglichen Perspektiven"

31. Oktober 2007, 15:12
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Hahn will keine Studienplatzbewirtschaftung, Brinek rudert zurück - Cortolezis-Schlager wollte Unis ihre StudentInnen selbst aussuchen lassen

Die ÖVP hat ihre erst gestern Abend vorgebrachten Vorschläge zu den Universitäten wieder etwas abgeschwächt. War zunächst noch davon die Rede, dass die Unis selbst entscheiden sollen, wen sie aufnehmen, sah Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek "derzeit keine Notwendigkeit, über allgemeine Zugangsbeschränkungen einzugreifen". "Die jüngsten Anregungen über die Zukunft der Universitäten, die in den Medien kursieren, zeigen nur einige von vielen möglichen Perspektiven", so Brinek in einer Aussendung.

Auf Distanz zu den Vorschlägen der ÖVP-Perspektivengruppe Bildung zum Uni-Bereich geht auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Dabei handle es sich um eine von vielen möglichen Perspektiven, die er "nicht verfolgt", hieß es am Mittwoch auf Anfrage der APA im Büro Hahns. Eine Beschränkung des freien Hochschulzugangs oder eine Studienplatzbewirtschaftung wolle der Minister nicht, hieß es knapp zu den Vorschlägen.

Ideen der Perspektivengruppe

Die Wiener Stadträtin Katharina Cortolezis-Schlager, die die ÖVP-Perspektivgruppe Bildung leitet, hatte unter anderem vorgeschlagen, dass sich Unis ihre Studenten aussuchen dürfen. Nach welchen Kriterien, soll ihnen überlassen werden. Das können ein Aufnahmegespräch, eine Prüfung oder eine Forschungsarbeit sein. Außerdem sollen die Studienplätze limitiert werden. Die Unis bestimmen, wie viele sie anbieten, so die Bildungsideen der Perspektivgruppe.

Die Finanzierung hätte sich die Perspektivengruppe folgendermaßen vorgestellt: Studierende zahlen weiter Studiengebühren, außerdem wird den Unis für jeden Studierenden eine bestimmte Summe zur Verfüngung gestellt. Cortolezis denkt an etwa 6500 bis 8000 Euro jährlich pro Student.

Schecks und Konten

Dabei könnte es sich um ein fiktives Bildungskonto und einen fiktiven Bildungsscheck handeln. "Der Scheck kann an einer österreichischen oder europäischen Uni eingelöst werden".

Cortolezis-Schlager würde außerdem den Uni-Zugang für AusländerInnen ändern: "Derzeit zahlt man ein Studium im Ausland, abgesehen von einem Stipendium, selbst. Künftig würde der österreichische Staat analog jenen Beitrag zahlen, als würde man hier studieren." Gelten solle das nur für Österreicher, die Familienbeihilfe bekommen. Deutsche Studierende etwa würden voll zahlen.

Brinek bremst

Brinek sah heute "keine Notwendigkeit, über allgemeine Zugangsbeschränkungen einzugreifen" und sprach von "möglichen Perspektiven". Sie will im Herbst "eine ruhige, besonnene Debatte über eine Novelle des Universitätsgesetzes führen".

Der SPÖ warf sie angesichts deren Kritik an den ÖVP-Bildungsplänen "Wahlkampf-Stil" vor. Brinek beschuldigte gleichzeitig die SPÖ, "Sommerloch-Scheindebatten" zu führen, Ähnliches hatte schon die SPÖ der ÖVP angelastet.

Scharfe Kritik von der SPÖ

Bildungsministerin Schmied lehnt die Vorstöße der Perspektivengruppe ab. "Ich nähere mich dem Thema von der anderen Seite her an. Bessere Information für die Schüler, dafür setze ich mich ein. Ich halte nichts davon, dass sich Unis die Studenten künftig herauspicken."

Auch SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal hält nicht viel von den Vorschlägen. "Österreich gibt weniger jungen Leuten die Chance auf ein Studium als andere Länder in Europa. Daher ist Ausbau angesagt, nicht Rausprüfen", meint er in einer Aussendung. "Die SPÖ lehnt diese Vorschläge ab. Sie sind unausgegoren und jugendfeindlich. (APA/red)

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