Murdoch bekommt US-Infokonzern Dow Jones

26. September 2007, 15:20
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Für 3,6 Milliarden Euro - Übernahmeabkommen unterzeichnet - Sorge um Unabhängigkeit des "Wall Street Journal" - Mit Grafik

Der Medienmogul Rupert Murdoch krönt sein Lebenswerk mit der Übernahmen des US-Verlages Dow Jones: Für fünf Milliarden Dollar (3,65 Mrd. Euro) erwirbt der 76-Jährige nach monatelangen Verhandlungen den Medienverlag, zu dem das renommierte "The Wall Street Journal" (WSJ) gehört. Die beiden Unternehmen teilten am Mittwoch mit, sie hätten ein Übernahmeabkommen unterzeichnet. Zuvor hatte eine ausreichende Zahl von Mitgliedern der Bancroft-Familie, die über den Verkauf zerstritten war, dem Deal zugestimmt.

Damit beendet die Familie, die 64 Prozent der Stimmrechte des Unternehmens kontrolliert, ihre seit rund 100 Jahren bestehende Vorherrschaft bei dem Unternehmen. Innerhalb des Clans hatte das Murdoch-Angebot in den vergangenen drei Monaten wie berichtetet heftige Diskussionen ausgelöst. Ein Teil der Mitglieder hatte erhebliche Bedenken, dass der Führungsstil Murdochs und seine konservative Grundhaltung die journalistische Unabhängigkeit des renommierten "The Wall Street Journal" beeinträchtigen könnte. Murdoch hat diese Sorgen als unbegründet bezeichnet.

"Wall Street Journal" über Milliardendeal

Auch das "Wall Street Journal" berichtete Dienstagabend von einem weiteren Familienteil, der sich doch zum Verkauf entschieden habe - den Bericht sowie den Videokommentar eines WSJ-Redakteurs zum Thema finden Sie unter diesem Link.

Minutiös berichteten mehrere Reporter und Redakteure des "Wall Street Journal" seit Wochen vom Milliardendeal. Nicht um eine der zahllosen Übernahmen ging es da im "Journal", sondern noch detailreicher als sonst um jene ihres eigenen Mutterkonzerns Dow Jones. Selbst Konkurrent "Financial Times" zitierte in Berichten über Rupert Murdochs Kaufpläne stets das Wall Street Journal.

60 Prozent Aufgeld zum Börsenkurs

Wie detailliert die wichtigste Wirtschaftszeitung der USA, wohl der Welt, über die eigene Causa berichtet, verweist auch auf das Dilemma des Verkaufs: Murdoch hat umgerechnet 3,66 Milliarden Euro für Dow Jones geboten. Gut 60 Prozent Aufgeld zum Börsenkurs, als er das Angebot legte. Aber der weltweit operierende Medienmulti ist bekannt, dass er sehr direkt in die Redaktionen eingreift. Ihm gehört "The Times" ebenso wie die britische "Sun", die "New York Post", "BSkyB"...

Das "Journal" fürchtet um seine Unabhängigkeit, wenn seine Berichterstattung Murdochs Interessen berührt. Der Multi bot einen Beirat, dem unter anderem der renommierte US-Medienwissenschafter Nicholas Negroponte angehören soll, und andere Kontrollmechanismen. Dutzende Redakteure appellierten dennoch in Briefen an die Haupteigentümer, vom Verkauf abzusehen, so lukrativ Murdochs Angebot sein mag.

Montagnacht und Dienstag ging es in den Debatten innerhalb der Eigentümerfamilie Bancroft laut "Journal" aber insbesondere um Geld: Murdochs News Corporation wollte noch 30 Millionen Dollar an Beratungshonoraren drauflegen, wenn weitere Familienfonds verkaufen.

TV-Wirtschaftskanal

Der Infokonzern käme Murdoch gelegen bei seinen Plänen für einen TV-Wirtschaftssender. Allerdings hat Dow noch längerfristige Verträge mit CNBC in dieser Sparte. Der 76-Jährige dachte in "Time" laut darüber nach, das "Journal" nur noch online zu publizieren und mit den gesparten Druck- und Vertriebskosten Journalisten zu engagieren. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 1.8.2007/APA/AP)

Link
Murdoch Wins His Bid for Dow Jones - Bericht mit Videokommentar eines WSJ-Redakteurs

Nachlese
Family Business
Sie heißen Sulzberger, Graham oder Bancroft, und ihre Zeitungen sind bis heute die Juwelen der US-Printmedienlandschaft - Doch Konzerninteressen gefährden die Familienbetriebe

Einige Familien werden durchhalten"
Der US-Wirtschaftskolumnist Justin Fox im Interview über US-Medien, Murdoch und Monopolstellungen

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    Medienmogul Rupert Murdoch übernimmt Dow Jones.

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  • Grafik: Murdochs Medienimperium

    Grafik: Murdochs Medienimperium

  • Grafik:  Die größten US-Zeitungen / Dow Jones / Murdochs News Corp
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    Grafik: Die größten US-Zeitungen / Dow Jones / Murdochs News Corp

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