Ein organloser Körper streckt seine Fühler aus

31. Juli 2007, 18:50
posten

Akemi Takeya zeigt "Feeler"

Seit eineinhalb Jahrzehnten lebt und arbeitet die 45-jährige Japanerin Akemi Takeya in Wien und überrascht regelmäßig mit einer seltenen künstlerischen Treffsicherheit. Dabei hat sie immer wieder das Thema der multiplen Existenz verhandelt.

In Feeler gelingt der Künstlerin eine Ausdifferenzierung dessen, was sie bereits mit ihrer spektakulären vorletzten Arbeit Weathering vorgezeichnet hat: die Formulierung des geteilten Selbst in einer Symbiose, wie sie Gilles Deleuze und Félix Guattari mit ihrem "organlosen Körper" beschrieben haben.

Die Tänzerin wird zugleich zum Köder und der Geköderten. In einem braunen Kleidchen, dazupassenden Stiefeln und einem kurzen weißen Felljackett steht Takeya vor drei Mikrofonen, als Tänzerin, Sängerin und Privatperson. Eine auf dem Kopf balancierte Plexiglasstange dient ihr als Fühler. Der elektronische Sound greift auf sie zu, geht durch sie hindurch, scheint aus ihrem Mund als Gesang zu kommen und verdreht dem Publikum die Ohren.

All das wäre noch nichts Besonderes, würde Takeya nicht mit einem ausgeklügelten System aus Körperstills und -bewegungen, Stimmvariationen, Interventionen der Mimik in ihrem Klang- und Lichtraum operieren, als wäre sie in einem unsichtbaren Spiegelkabinett. Keine Bewegung wird verschwendet, jeder der Bauteile dieser Arbeit sitzt, die unangestrengte Spannung lässt keine Sekunde nach. (ploe, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07.2007)

>> "Feeler" im Semperdepot am 5.+6. 8., 21.00
  • Mit einem raffinierten System aus Körperstills, Stimme und Mimik operiert Takeya, als wäre sie in einem unsichtbaren Spiegelkabinett.
    foto: pocheron

    Mit einem raffinierten System aus Körperstills, Stimme und Mimik operiert Takeya, als wäre sie in einem unsichtbaren Spiegelkabinett.

Share if you care.