Schneewittchen-Party im Eva-Kostüm

31. Juli 2007, 18:50
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Frei nach Grimm: Die US-amerikanische Choreografin und Designerin Ann Liv Young arbeitet sich an der Märchenfigur eines verstoßenen Mädchens ab

An "Snow White" (Schneewittchen) interessiert sie besonders die körperliche Initiation.

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Ann Liv Young kam vor vier Jahren aus der Provinz North Dakota wie ein Bulldozer in die erschlaffte New Yorker Choreografenszene gefahren.

Kraftstrotzend, wild und schrill sind ihre (Musik-)Performances, die sich wie Fortsetzungen von Arbeiten Annie Sprinkles lesen: radikale post-post-postfeministische Statements in punkig-trashiger Optik.

Die Choreografin probt prinzipiell in ihrem Appartement in Brooklyn, wo die unmittelbare Alltagsumgebung (wie Haustiere oder das Telefonläuten) direkten Einfluss auf das Bühnengeschehen ausübt. Auf die Mitarbeit von Tieren wird diesmal aber verzichtet: Young, die im Vorjahr mit dem Kurzstück Solo bei ImPulsTanz zu Gast war, tritt diesmal mit einer "Relektüre" des Schneewittchen-Märchens der Gebrüder Grimm an.

Sie erzählt das Dilemma vom geschassten Prinzesschen im Wald als körperliche Initiation: Der Angelpunkt liegt bei Snow White, so der Titel, im bizarren Bild des Glassarges, in dem die scheintote exilierte junge Frau liegt.

Dass bei der Choreografin und studierten Designerin dafür kein Rüschenkleid infrage kommt, sondern sehr gerne und häufig das Eva-Kostüm im Einsatz steht, ist Teil des anarchischen Programms, ohne je unwitzig oder billig kalkuliert zu sein. Für die Prinzen-Rolle genügt den Darstellerinnen etwa ein Umschnalldildo. Die sieben Zwerge? Gestrichen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07.2007)

>> "Snow White" im Kasino am 3.+4. 8., 21.00
  • Schneewittchen, wie es noch keiner sah: u. a. neben einem Märchenprinzen mit Brüsten und Umschnalldildo.
    foto: strini

    Schneewittchen, wie es noch keiner sah: u. a. neben einem Märchenprinzen mit Brüsten und Umschnalldildo.

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