Sexsüchtig in Bangkok

31. Juli 2007, 18:50
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Grenzen der Vorstellungskraft, wechselnde Perspektiven, determinierte Blickpunkte, Macht und Gegensätze sind die Themen im August

Auch die August-Agenden von ImPulsTanz halten mit der von Christa Spatt kuratierten Nachwuchsplattform [8:tension] speziellen Platz für jungen Tanz bereit:

Katharina Weinhuber

Die Gefahren der Polarisierung von etwa "Eigen" und "Fremd", Lebendigem und Totem, Liebe und Belanglosigkeit thematisiert die österreichische Tänzerin Katharina Weinhuber mit Artemis, eine. Die griechische Göttin Artemis war die Hüterin der Frauen und Kinder. Ausgangspunkt dieser Uraufführung ist der Status der Frau in der Gesellschaft. Die Choreografin baut auf persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen auf, untersucht Sichtweisen, stellt Vergleiche an und Gegenbehauptungen auf, beschreibt Idealbilder und Bestandsaufnahmen: So entwickelt sie das Bild einer neuen Artemis.

Ivana Müller

Was Ivana Müller fasziniert, erzählt die in Amsterdam und Paris lebende Künstlerin, sei die Art, in der Bilder von der Vorstellungskraft manipuliert werden können, und - damit verbunden - wie man "von Wirklichkeit und Realität sprechen kann". Beides einzuschätzen bleibt in While We Were Holding It Together dem Auge des Zusehers überlassen: Fünf Tänzer drapiert Müller in künstlichen Posen auf der Bühne.

Mit kleinen Gesten verändern die Figuren ständig ihre Körperhaltungen und spinnen so in höchst minimalistischer Erzählweise sich permanent wandelnde Bilder - immer eines an das vorige anschließend. So erzählen sich Geschichten über einen sexsüchtigen Mann in Bangkok, einen spanischen Musical-Fan und eine Frau mit Schwäche für Entdeckungsreisende.

María Jerez

Auch die knapp 30-jährige Spanierin María Jerez, die Theater- und Tanzstudien vorrangig in Madrid, aber auch in Paris (bei Yves Marc und Claire Heggen) und Trielle betrieb, hinterfragt den Blickwinkel des Betrachters.

The Case of the Spectator aus dem Jahr 2004 war ihre erste Soloarbeit. Darin geht es Jerez darum, mit dem Gebrauch einer Apparatur die gesehene Wirklichkeit aufzusplittern. Auf der Bühne ist eine Frau zu sehen, die liest, raucht und, auf ihrem Sessel sitzend, fernsieht, wobei sie unermüdlich aus Alltagsgegenständen eine TV-Landschaft baut.

Per Video werden Schreckensszenen projiziert, als paralleler Erzählstrang, der Fiktion und tatsächlich eingreifende Gestaltungskraft verwischt.

Claire Croizé

Eine Abgängerin von Anne Teresa De Keersmaekers Tanzschule P.A.R.T.S. ist die Belgierin Claire Croizé, sie tanzte für Andy Deneys in Brüssel, versuchte sich an einer Filmchoreografie und erregte mit ihrem Solo-Debüt Blowing up einiges Aufsehen.

Bei ImPuls stellt Croizé ihre jüngste Arbeit, Affected, vor. Drei Frauen treten darin auf. Jede für sich mit ihrem Solo beschäftigt, kreieren sie zu Musik von Gustav Mahler mit Schnüren flüchtige Landschaften ihres divahaften Auftretens - und sterben dann vor einer weißen Fläche viele kleine Operntode. (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07.2007)

>> Ivana Müller, "While We Were Holding It Together" am 1. 8., 21.00+4. 8., 22.00
>> Katharina Weinhuber, "Artemis, eine", 1.+11. 8., 22.15
>> María Jerez, "The Case of the Spectator", 4.+8. 8., 21.00
>> Claire Croizé, "Affected" am 8. 8., 22.00+11. 8., 21.00
  • Katharina Weinhuber hält Artemis bei der Stange, María Jerez raucht in Fernsehlandschaften, und Ivana Müller sucht den Zusammenhalt.
    fotos: bruckner, jerez, bernaerts

    Katharina Weinhuber hält Artemis bei der Stange, María Jerez raucht in Fernsehlandschaften, und Ivana Müller sucht den Zusammenhalt.

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