Heilung mit Licht

5. Oktober 2007, 16:34
7 Postings

Weißer Hautkrebs wird nach wie vor weitgehend unterschätzt - Schade, denn frühzeitig erkannt, sind die Erkrankungs­formen ausgerechnet mit Licht heilbar

Helle Haut und viel Sonne. "Eine Kombination, die früher oder später garantiert zur Entstehung von Hautkrebsvorstufen führt", weiß Sonja Radakovic, Leiterin der Photodynamischen Ambulanz der Abteilung für Spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Dass der Mensch die Sonne ungeschützt nicht gut verträgt, ist dabei schon lange kein Geheimnis mehr. Trotzdem kennen die meisten nur den schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). Der weiße oder helle Hautkrebs, zu dem Basaliome und Plattenepithelkarzinome zählen, präsentiert sich nicht pigmentiert und ist damit wesentlich unauffälliger.

Vorstufe oder doch schon Krebs

Unter Hautkrebsvorstufen versteht Radakovic unter anderem aktinische Keratosen. Kleine, raue, leicht gerötete Flecken, die sich an besonders sonnenexponierten Körperregionen, wie Nase, Glatze oder Dekolleté ausbilden und denen lange Zeit wenig Beachtung geschenkt wurde. Zu Unrecht, denn sechs bis zehn Prozent dieser Lichtkrusten oder Lichtschwielen entwickeln sich zu bösartigen Plattenepithelkarzinomen.

Ob aktinische Keratosen eine Krebsvorstufe (Präkanzerosen) oder aber bereits ein Frühstadium eines bösartigen Hauttumors (Carcinoma in situ) darstellen, darüber sind sich Mediziner nicht ganz einig. Letztendlich spielt es aber keine wesentliche Rolle, denn so oder so werden die harmlos imponierenden Hautveränderungen mittlerweile therapiert.

Behandlung

Zahlreiche Behandlungsmethoden stehen dabei zur Verfügung. Letztendlich hängt es aber von der Lokalisation und der Größe des geschädigten Areals ab, ob sich der behandelnde Hautarzt für eine Operation, flüssigen Stickstoff, Laser oder ein chemisches Peeling entscheidet. All diesen Methoden ist die hohe Erfolgsrate gemeinsam. Oberflächliche Narben oder ein Pigmentverlust an den behandelten Hautstellen werden hier zugunsten der Gesundheit in Kauf genommen.

Heilen mit Licht

Seit Mitte der 90er Jahre therapiert man an der Wiener Universitätsklinik oberflächliche Formen von weißem Hautkrebs auch mit der photodynamischen Therapie, und das mit ebenso großem Erfolg wie mit anderen konventionellen Methoden. Das Prinzip der photodynamischen Therapie (PDT) ist einfach: Eine Salbe mit dem Wirkstoff Aminolävulinsäure (ALA) wird auf die Hautveränderung aufgetragen. Nachdem sich ALA in den kranken Zellen angereichert hat, wird sie zu photoaktiven Porphyrinen (Farbstoffe) umgewandelt. Drei bis sechs Stunden wirkt die Salbe unter einem Verband auf das erkrankte Hautareal ein und sensiblisiert es für die anschließende Bestrahlung.

Rotlicht

"An unserer Klinik bestrahlen wir mit Rotlicht, denn mit einer Wellenlänge zwischen 570 und 700 Nanometer kann man bis zu zwei Millimeter tief in die Haut eindringen", berichtet Sonja Radakovic. Vernichtet werden die kranken Hautzellen durch reaktiven Sauerstoff, der sich während der Bestrahlung bildet.

Jünger ohne Narben

Ausschlaggebend für den Erfolg der Therapie ist der richtige Zeitpunkt. "Ist der Tumor bereits über zwei Millimeter in die Lederhaut vorgedrungen, ist eine photodynamische Therapie nicht mehr ausreichend", erklärt die Dermatologin, die sich bereits seit 1992 mit der klinischen Anwendung der PDT beschäftigt. Erfolgt die Diagnose frühzeitig und ist der Tumor noch auf die Oberhaut, beziehungsweise oberflächliche Schichten der darunter liegenden Lederhaut beschränkt, bietet die photodynamische Therapie außer der Chance auf Heilung noch einen weiteren erfreulichen Vorteil.

"Das kosmetische Ergebnis ist phantastisch und praktisch narbenfrei", erzählt Radakovic und erwähnt ganz nebenbei, dass die Haut im Anschluss an die photodynamische Behandlung außerdem jünger und straffer erscheint. Die Hoffnung, dass man mit der PDT hinkünftig vielleicht erste Fältchen verschwinden lassen kann, wird sich, so die Expertin, vielleicht auch erfüllen: "Es gibt erste vielversprechende Studien, die zeigen, dass die photodynamische Therapie auch in der Behandlung der lichtgealterten Haut wirksam eingesetzt werden kann."

Nicht ohne Schmerzen

Sorge bereitet der Expertin die Tatsache, dass die Prozedur nicht ganz schmerzfrei ist. Viele Patienten spüren während der Behandlung brennende oder stechende Schmerzen. Sind die aktinische Keratosen zahlreich und vorwiegend am Kopf lokalisiert, dann kann die PDT sehr unangenehm sein. "Deshalb verwenden wir Bestrahlungsgeräte mit eingebautem Ventilator zur Kühlung der Hautoberfläche", ergänzt Radakovic. Wenn erforderlich, erhalten die Patienten auch schmerzlindernde Medikamente oder eine lokale Betäubung.

Bei oberflächlichen Basaliomen kann eine einmalige Behandlung ausreichen. "Patienten mit vielen aktinischen Keratosen, werden über Jahre behandelt, denn der chronische Sonnenschaden führt laufend dazu, dass sich neue Präkanzerosen (Vorkrebsstadien) bilden", weiß die Expertin. Das bedeutet, konsequenter Sonnenschutz ist wichtig, denn Schäden, die das Sonnenlicht in der Erbinformation (DNS) bereits verursacht hat, lassen sich auch mit der photodynamischen Therapie nicht mehr gut machen. (Regina Philipp, derStandard.at, 1.8.2007)

Siehe
Ansichtssache Photodynamische Therapie: Hautkrebsvorstufen und weißer Hautkrebs
  • Oberflächliches Basaliom vor der Therapie....zur Ansichtssache
    foto: photodynamische ambulanz akh wien/radakovic

    Oberflächliches Basaliom vor der Therapie....zur Ansichtssache

  • Oberflächliches Basaliom während der Photodynamischen Therapie.
...zur Ansichtssache
    foto: photodynamische ambulanz akh wien/radakovic

    Oberflächliches Basaliom während der Photodynamischen Therapie.
    ...zur Ansichtssache

Share if you care.