Meinl startet ohne Power

21. September 2007, 14:00
121 Postings

Von satten Kursabschlägen war das Börsendebüt von Meinl International Power geprägt. Julius Meinl dürfte auf einem größeren Aktienpaket sitzen geblieben sein

Wien – Das heftige Rühren der Werbetrommeln hat nichts gebracht. Meinl International Power (MIP) hatte den Börsengang zwar ohne konkrete Geschäftsabschlüsse eingeleitet, dafür eine umso prominentere Management-Besetzung mit Karl-Heinz Grasser und Hans Haider an der Spitze präsentiert. Doch am Mittwoch sollte MIP kein guter Einstand an der Wiener Börse beschieden sein. Die Aktie notierte um zehn Prozent unter dem Ausgabekurs bei neun Euro. Am Markt wurde die Vermutung geäußert, dass wohl ein gehöriger Anteil der Papiere von Meinl Fonds geschluckt worden sei. Trotz dieser Interventionen sei „der Kurs nicht zu stabilisieren“ gewesen, meinte ein Banker. „Jetzt hat Meinl ein echtes Problem“, so der Kommentar eines anderen Akteurs an der Wiener Börse. Von Meinl gab es dazu keine Stellungnahme.

Nicht gerade begünstigt wurde die Einführung von der nervösen Stimmung an den internationalen Börsen. In Europa gaben die Kurse infolge der platzenden Immobilienblase in den USA am Mittwoch deutlich nach. Investoren setzten wieder verstärkt auf solide Werte, hieß es von Analystenseite in Wien.

Vereinbarungen

Meinl Power ist nicht eben von einem ausführlichen Track-Record gesegnet. Die Investmentgesellschaft wurde eigens für den Gang an die Börse gegründet. Erst im Laufe der Zeichnungsfrist wurden konkretere Projekte bekannt gegeben, über deren Verbindlichkeit allerdings gerätselt wird. Mit der Simonsfeld Gruppe wurde eine "Exklusivvereinbarung" über die Errichtung von Windparks mit einem Volumen von 650 Mio. Euro unterzeichnet, betont Meinl. Eine weitere Windkraftvereinbarung, über die keine Details preisgegeben werden, sehe Investitionen von weiteren 700 Mio. Euro vor. Für die Errichtung eines Gaskraftwerks in Ungarn bestehe ein "Memorandum of Understanding", heißt es, darüber hinaus seien Projekte über zwei Mrd. Euro in "Evaluierung". Generell sollen die vom Kapitalmarkt geholten 800 Mio. Euro in Kraftwerks-Projekte und Beteiligungen in Ost- und Südosteuropa gesteckt werden. Allerdings verweisen Experten auf die hohen Preise in diesem Business, die von nach Veranlagungsmöglichkeiten Umschau haltenden Investment- und Energieriesen wie Goldman Sachs oder Eon gepuscht werden.

Nicht gerade hilfreich beim Börsengang dürfte die bisherige Performance anderer Meinl-Markteinführungen gewesen sein. Meinl Airports (Artikel rechts) wartet seit dem Börsengang immer noch auf den ersten Geschäftsabschluss, die Aktie hat deutlich an Wert verloren. Meinl European Land musste infolge der aus den USA überschwappenden Immobilienkrise massive Kursverluste hinnehmen, was vor allem die vielen Kleinanleger nicht gerade erheiterte. Allerdings hatte es zuvor dank der ertragreichen Investments am osteuropäischen Immobilienmarkt deutliche Gewinne gegeben.

Nicht gerade vertrauensfördernd sind die geschmalzenen Gebühren bei den Börsengängen für Meinl und Management. Die von Grasser und Meinl gehaltene MIP-Managementfirma erhält jährlich fix 9,48 Mio. Euro und weitere 15 Mio. Euro an Projektabwicklungskosten. Die Meinl Bank wiederum erhält hohe zweistellige Millionenbeträge für Marke und Logo sowie für die Abwicklung der Emission. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.08.2007)

  • Das MIP-Managementteam Hans Dieter Harig, Karl-Heinz Grasser und Hans Haider (v. li.) bei der Vorstellung der Börsenpläne Anfang Juli.
    foto: standard/christian fischer

    Das MIP-Managementteam Hans Dieter Harig, Karl-Heinz Grasser und Hans Haider (v. li.) bei der Vorstellung der Börsenpläne Anfang Juli.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kein glücklicher Börseneinstand war Julius Meinl V. mit seiner Meinl International Power beschieden.

Share if you care.