Immo-Aktien unter Druck, Meinl stürzt ab

4. September 2007, 12:57
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Während die Immofinanz erstmals eine Dividende ausschüttet, steigt der Druck auf österreichische Immo-Aktien

Wien - Am Montag erreichte die US-Hypothekenkrise nicht nur zwei deutsche Institute, sondern erfasste auch die Immo-Aktien an der Wiener Börse. Die Verliererliste führten Meinl European Land (MEL) an, und zwar unangefochten: Die Titel stürzten um 17,45 Prozent auf 15,75 Euro ab. Große Abschläge verbuchten auch die stark im Wohnbereich engagierte Conwert, sie gaben 6,10 Prozent (auf 12,0) ab, gefolgt von CA Immobilien mit minus 5,95 Prozent (auf 11,40).

Bei Meinl führen Händler ins Treffen, dass versuchte Stützungen durch die Meinl Bank offenbar nicht mehr stattfinden. Andere stellen einen Zusammenhang mit Zertifikaten her, die Druck auf das "underlying", die Aktie, auslösten. Immofinanz rutschten um 4,11 Prozent ab.

Petrikovics: "Befürchtungen extrem übertrieben"

"Der Markt liegt falsch", hatte Karl Petrikovics, Chef der börsennotierten Immobiliengruppe Immofinanz, am Vormittag bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse 2006/07 (per 30. April) noch selbstbewusst verkündet und Befürchtungen über die US-amerikanische Immobilien- und damit -Kreditkrise für "extrem übertrieben" und außerdem für seine Branche als nicht relevant bezeichnet. "Da geht es um Privatimmobilien; wir sind vor allem im Gewerbe- und Bürobereich engagiert." Auch steigende Euro-Zinsen brächten keine negativen Auswirkungen, betonte er, die Mietverträge seien an den Preisindex gebunden.

Die Rückgänge auf den Finanzmärkten wertet Petrikovics als kurzfristigen Trend, der sich sehr bald wieder ausgleichen werde. Und was sein Unternehmen betrifft, sieht er die Zukunft auch rosig: "Würde man das Unternehmen zerschlagen, würde die Bewertung der einzelnen Immobilien zusammen mehr als 20 Prozent der Börsenkapitalisierung ausmachen." Das vergangene Geschäftsjahr sei das "bisher beste der Unternehmensgeschichte", erstmals wird eine Dividende von 33 Cent pro Aktie ausgeschüttet. Das Ergebnis aus der Geschäftstätigkeit (Ebit) stieg um 63,3 Prozent auf 887,7 Mio. Euro, jenes vor Steuern (EBT) verdoppelte sich fast auf 913,6 Mio. Euro.

Meinl: Korrektur im Einklang mit andern Immo-Titeln

Die Aktie der Meinl European Land hat sich Dientstagfrüh wieder etwas erholt. Das Unternehmen betonte, die jüngste Kurskorrektur liege im Einklang mit allen anderen großen an der Wiener Börse notierten Immo-Gesellschaften. Sämtliche Unternehmen würden derzeit annähernd 30 Prozent unter ihren Höchstständen notieren. "Wenn sich der Markt wieder beruhigt, werden vor allem wachstumsorientierte Unternehmen wie Meinl European Land vom Anlegerinteresse profitieren", erklärte Sprecher Francis Lustig. (red, ruz, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7.2007)

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