SPÖ und ÖVP im Dauerstreit um Bildung

7. Jänner 2008, 08:58
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ÖVP-Bildungssprecher Neugebauer: Keine Tests, sondern "Standards" – SPÖ-Bundesgeschäftsführer Kalina: ÖVP nicht ernst zu nehmen - Mit Grafik

Wien - In der Bildungsdebatte um Österreichs Dreijährige ruderte ÖVP- Bildungssprecher Fritz Neugebauer am Dienstag zurück: Er wolle Bildungs- standards definieren, von Tests sei nie die Rede gewesen. ÖVP- Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek forderte langfristig einen Gratiskindergarten für alle Vier- bis Sechsjährigen, den sie sich auch verpflichtend vorstellen kann. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina hält davon wenig: Brineks Vorschlag sei "wirklich kurios", die "bildungspolitischen Salti" der ÖVP seien "nicht mehr ernst zu nehmen

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Fritz Neugebauer sei, hielt er am Dienstag fest, ganz und gar missverstanden worden. Der ÖVP-Bildungssprecher wolle keine "punktuellen Tests" für Kleinkinder durchführen, sondern trete für "verdichtete Information und damit Hilfe für die Eltern" ein. Sie sollen darüber informiert werden, "was ein Kind im Alter von drei Jahren für Fertigkeiten und Fähigkeiten haben sollte", definierte Neugebauer die von ihm geforderten "Bildungsstandards" für Dreijährige. Auch von einem Lehrplan für Kindergärten sei nie die Rede gewesen.

ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek assistierte Neugebauer: Man müsse für die Kinderbetreuung von unter Dreijährigen Qualitätsnormen festlegen, um die Krippen von ihrem schlechten Image wegzubringen, forderte sie am Dienstag. Als "Fernziel" wünscht sich Brinek, dass Kindergartenplätze für Vier- bis Sechsjährige gebührenfrei werden. Ein oder zwei Kindergartenjahre könnten dann auch verpflichtend sein. All das werde aber "sicher nicht" in dieser Legislaturperiode umgesetzt.

ÖVP-"Salti"

Neugebauer und Brinek stoßen mit ihren Ideen beim Koalitionspartner allerdings auf keine Gegenliebe: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina findet, die "jüngsten bildungspolitischen Salti" in der ÖVP seien "nicht mehr ernst zu nehmen". Brineks Vorschlag werde "schon morgen wieder im Sommerloch verschwinden", prophezeite Kalina. Die ÖVP solle sich "bitte erst dann wieder melden, wenn sie weiß, was sie will".

"Momentan sollte man lieber keine Kinder bekommen", kommentierte die Vize- Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, die derzeitige Diskussion. Vorschläge für Bildungsstandards für Dreijährige seien "genau das Gegenteil von dem, was ein Kind braucht". Sie fordert stattdessen Gratis-Frühförderung für alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr. Diese soll dreimal wöchentlich als Vormittagsunterricht gestaltet werden. Eltern sollen, wünscht sich Glawischnig, Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr bekommen.

Eine aktuelle Statistik zeigt, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder seit 1972 um 80 Prozent angestiegen ist (siehe Grafik links). Seit 1997 die "Kindergartenmilliarde" ausgezahlt wurde, stiegen allerdings nicht die Betreuungsplätze in den Kindergärten, sondern die Krippenplätze für Kleinkinder. (hei, lmf/DER STANDARD-Printausgabe, 1. August 2007)

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    grafik: der standard
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