Nachtkritik: "Molière. Eine Passion": Ein "Liebe ist..."-Abend

31. Juli 2007, 18:16
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Luk Perceval beehrt Salzburger Festspiele - Mäßiger Applaus, für Thomas Thieme wurde getrampelt

Hallein - Nach seiner legendären Shakespeare-Marathonfassung "Schlachten" (1999) beehrt der flämische Regisseur Luk Perceval die Salzburger Festspiele heuer wieder mit einem All-in-one-Abend. In Zusammenarbeit mit den Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel entstand nach Molières Charakterkomödien "Der Menschenfeind", "Don Juan", "Tartuffe" und "Der Geizige" eine viereinhalbstündige, weniger integrale als komplette Neufassung - "Molière. Eine Passion" -, die die jeweiligen Protagonistenrollen zu einer einzigen (Molière selbst) überblendete. Thomas Thieme ist dieser Molière, der sich immer dicht am Mikrofon schnaubend über die Inhumanität der Liebe den Kopf zermartert: ein über Klischees und vulgäre Witze nicht weit hinausreichender Diskurs.

Die gestrige Premiere auf der Halleiner Perner Insel begann (wie im französischen Barocktheater üblich) bei Tageslicht (17 Uhr). Perceval ließ es den ganzen Abend über heftig schneien. Er begräbt den anstelle von Alexandrinern in frei gereimten und gerappten Versen gehaltenen Abgesang auf das eigene Leidwesen falscher und unerfüllter Liebe knöcheltief mit Schneeschnipsel. Die Komik der Molièreschen Typen erstickt in der Kälte der Trugbilder. Die Inszenierung transportiert den oft halsbrecherisch klamaukhaften Tonfall dieser Neufassung nicht. Sie bleibt zurückgenommen statisch und von durchschlagender Langeweile. Mäßiger Applaus, für Thieme wurde aber getrampelt. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2007)

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