Moscheen nur auf eigenem Boden

30. Juli 2007, 20:19
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Österreichweit existieren rund 200 muslimische Gebetshäuser

Zwei Moscheen in Wien, eine in Telfs, eine, die erst gebaut werden soll, im niederösterreichischen Bad Vöslau (siehe Artikel "Kompromiss mit dem 'Halbmond'"): Die religiöse Verfestigung der Muslime in Österreich steht erst an ihrem Anfang - immerhin stellen Angehörige dieser Religion inzwischen fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

 

"Eine Moschee muss auf Grund und Boden stehen, der der Glaubensgemeinde gehört", erläutert Tarafa Baghjati von der Initiative muslimischer Österreicher und Österreicherinnen. In Gebäuden, wo sich die Gläubigen lediglich eingemietet haben, könne daher keine Moschee, sondern nur ein Gebetsraum betrieben werden. Deren gibt es derzeit bundesweit laut Baghajati "rund 200, wenn man nur jene Örtlichkeiten zählt, die mehr als 100 Menschen fassen können, sind es rund die Hälfte".

Zum Gebet offen stehen

Darüber hinaus müsse eine Moschee, um diese Bezeichnung zu verdienen, "jedem und jeder fünfmal täglich für Gebete offen stehen" - ebenso wie für das Freitagsgebet. Ob sie hingegen einen Kuppelbau und ein Minarett - in Österreich und anderen westeuropäischen Staaten die häufigsten Friktionspunkte mit der nicht muslimischen Umgebung - aufzuweisen habe, sei keine theologische Frage, sondern eine der Traditionen und Gebräuche.

"Das Minarett steht für die Sichtbarkeit der Muslime", sagt Baghajati. In diesem Sinne seien Aufforderungen der nicht muslimischen Umgebung, auf den Bau eines Minaretts zu verzichten, "für uns schon ein Problem". Zu breiten Kompromissen sei man jedoch bereit: "Das Recht des Nachbarn wird im Koran sehr hochgehalten".

Um Moscheepläne für das Umfeld möglichst transparent abzuwickeln, spricht sich Baghajati dafür aus, dass "keine Vereine, sondern nur die offizielle Glaubensgemeinschaft Bauträger sein soll". (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 31.7.2007)

  • Inzwischen vertrauter Bestandteil der Skyline Transdanubiens: die im November 1979 eröffnete Moschee des Islamischen Zentrums in Wien-Floridsdorf.
    foto: matthias cremer

    Inzwischen vertrauter Bestandteil der Skyline Transdanubiens: die im November 1979 eröffnete Moschee des Islamischen Zentrums in Wien-Floridsdorf.

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