Reaktionen: "Ein Erbe, das bleibt"

31. Juli 2007, 13:08
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Woody Allen: "wirklich der beste Regisseur, den ich je gesehen habe" - Alexander Horwath: Prägte "einen existenziellen Zugang zum Medium - Henning Mankell: "Bergman starb friedlich"

Wien/ Stockholm - Der US-Filmemacher Woody Allen hat mit Trauer auf den Tod seines Kollegen und "Freundes" Ingmar Bergman reagiert. Der Schwede "war wirklich der beste Regisseur, den ich je gesehen habe", sagte Allen am Montag der schwedischen Zeitung "Aftonbladet". Zum 70. Geburtstag Bergmans 1988 hatte der US-Regisseur ihn bereits zum "wahrscheinlich besten Filmkünstler seit der Erfindung der Kamera" erklärt. Allens erstes Filmdrama "Innenleben" von 1978 war von den Themen und dem Stil Bergmans stark beeinflusst.

Alexander Horwath: Prägte "einen existenziellen Zugang zum Medium

Betroffen haben die filmhistorischen Institutionen in Österreich und die Politik auf den Tod des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman reagiert. "Angesichts seines Todes wird einem bewusst, dass seine künstlerische Position bis in die Gegenwart gereicht hat", sagte Filmmuseums-Direktor Alexander Horwath. "Bergman hat das Medium in einer Konsequenz betrieben, die keinen Zweifel daran ließ, dass der Film und dessen Ausdruckskraft den alten Künsten - der Musik, der Malerei - zumindest ebenbürtig ist." Für Horwath hinterlässt er "ein Erbe, das bleibt".

"Neben Antonioni, Godard oder Rossellini war Bergman einer der aussagekräftigsten Künstler der europäischen Nachkriegszeit", meinte Horwath. Er prägte "einen existenziellen Zugang zum Medium und zum Leben der bürgerlichen Menschen", der "immer noch irritieren kann". Man begegne heute nur mehr selten so einem Ernst im filmischen Schaffen - "vielleicht noch bei Haneke, aber auch der wird oft mit dem Vorwurf des Kulturpessimismus konfrontiert". 2003/04 zeigte das Filmmuseum die erste Gesamt-Retrospektive von Bergmans Werk in Österreich - und heute, so Horwath, könne die Botschaft eigentlich nur lauten: "Bergman-Filme schauen und zeigen, so viel man kann."

Während Horwath auf eine persönliche Begegnung mit Bergman in Stockholm 2003 zurückblicken kann, war für den Leiter des Filmarchivs Austria, Ernst Kieninger, vor allem die erste filmische Begegnung mit dem Meister prägend. "Ich sah 'Schweigen' als Halbwüchsiger - das hat bleibenden Eindruck hinterlassen." Kieninger sieht Bergman "in Österreich sehr gut verankert und präsent", schon in den 60er Jahren habe das Filmarchiv bei Filmklubabenden Filme des Schweden gezeigt. Bergman sei "über Jahrzehnte sehr produktiv" gewesen, sein Tod bedeute "einen großen Verlust" für die Filmwelt.

Henning Mankell: "Eine komplizierte Person, die dank ihrer Kreativität überlebt hat"

Der schwedische Krimiautor Henning Mankell hat den Tod seines Landsmannes und Schwiegervaters Ingmar Bergman am Montag als "froh und friedlich" bezeichnet. Der mit der Bergman-Tochter Eva Bergman verheiratete Schriftsteller sagte der Stockholmer Internetzeitung "aftonbladet.se" am Montag: "Ich habe ihn letzte Woche gesehen, und da war er schon auf dem Wege fort. Ich bin froh, dass er friedlich in seinem eigenen Bett auf Farö gestorben ist."

"Bergman war eine komplizierte Person, die dank ihrer Kreativität überlebt hat", sagte Mankell. Seit einigen Jahren sei seinem Schwiegervater auch das Schreiben zunehmend schwerer gefallen. "Sicher hat er da schon gewusst, dass er nicht mehr lange leben würde", meinte der Bestseller-Autor.

Über seine gemeinsamen Erlebnisse mit dem seit 1995 verwitweten Schwiegervater berichtete Mankell: "Ich hab mir mit ihm zusammen bestimmt über hundert Filme angeschaut." Bergman hatte sich in seinem Haus auf der kleinen Ostseeinsel Fårö eigens einen Filmsaal einrichten lassen und bekam vom Schwedischen Filminstitut über mehrere Jahrzehnte laufend Filme zugeschickt. Das tägliche Anschauen mindestens eines Streifens, oft in Gesellschaft von Besuchern, gehörte dabei zu seinen festen Gewohnheiten.

Schmied: "Grandioser Erzähler ungeschminkter Wahrheiten"

Auch die Politik hat betroffen auf den Tod von Bergman reagiert. Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied bezeichnete Bergman als "grandiosen Erzähler ungeschminkter Wahrheiten." Schmied weiter: "Nie bequem, jedoch auch nicht streitsam in propagandistischer Weise, prägte seine Ästhetik das europäische und internationale Kino über Jahrzehnte hindurch." Der europäische Film und die globale Filmwelt verliere durch seinen Tod einen ihrer größten Vertreter der Nachkriegszeit, so die Ministerin.

Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt würdigte Bergman als "einen der großen Dramatiker der Welt". Laut der Nachrichtenagentur TT sagte Reinfeldt: "Sein Werk ist unsterblich. Ich hoffe, dass sein Erbe auf ganz lange Sicht bewahrt und weiter ausgebaut werden wird." Die enorme Bedeutung von Bergmans Beiträgen zu Film und Theater in Schweden und anderen Ländern lasse sich nur schwer begreifen. (APA/dpa)

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