Glosse: Krabbelstuben-Quiz

30. Juli 2007, 15:48
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Teletubbie-Fragebögen, Handyklingelton-Tests und Windelentzug als Prüfstein für Kleinkinder

Das Leben ist hart. Vor allem für Fritz Neugebauer. Es geht um Kampf, harte Verhandlungen, um Verrat und Verzicht. Nie bekommt man das, was man haben will. Die einzigen schönen Dinge auf der Welt (Lehrer-Dienstrechts-Privilegien, üppige Beamtenpensionen, Pragmatisierungen, schwarze Alleinregierungen) existieren nur noch als Erinnerungen an bessere Zeiten. Ständig versuchen linkslinke Liberale und andere Weltverbesserer an den Wurzeln des christlich-sozialen Rechtsstaates zu rütteln. Sogar in der eigenen Partei ist man vor ihnen nicht sicher: Selbst ÖVP-Mitglieder finden öffentlich Gefallen an der Gesamtschule, an Homosexuellen-Ehen und an all diesen Grauslichkeiten.

Um bei der Bildung zu bleiben: Das gut alte gegliederte Schulsystem mit seiner gottgewollten Ordnung ist in Gefahr. Und Fritz Neugebauer hat die Lösung des Problems gefunden. Was wäre besser, als unseren Kindern so früh wie möglich beizubringen: Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Wer schlecht ist, hat keine Chance. Schon bei Dreijährigen sollen die Eltern testen, ob ihre Kinder „entwicklungsverzögert“ oder auf Linie sind, so Neugebauers Idee. Eine Art Krabbelstuben-Quiz, sozusagen. Ein großartiger Einfall, der endlich einmal den wahren Problemen ins Auge sieht: Unwissenden und lernunwilligen Kleinkindern, die sich lieber mit Spiel und Spaß befassen als mit Tests. Renitente Bildungsverweigerer, wie sie im Buche stehen – Das darf man ihnen nicht durchgehen lassen.

Knallharte Teletubbie-Fragebögen, Handyklingelton-Tests und Windelentzug werden die Spreu vom Weizen trennen. Wer nicht mindestens drei Kinderlieder fehlerfrei mitsingen kann, hat keine Chance. Besonders gefürchtet: Die Eissorten-Blind-Verkostung. Auch die besten scheitern an Creme Mango und Stracciatella. Wer durchfliegt, fliegt aus dem Kindergarten. Dann wären endlich auch die Schulklassen nicht mehr so jämmerlich groß.

Wer überbleibt, hat es aber wirklich geschafft: Mindestens zwei Jahre lang muss er keinen einzigen (jawohl, gar keinen!) Test absolvieren, bis es mit Sprachtests, PISA und AHS-Aufnahmeprüfungen weitergeht. Und um die durchgefallenen Bildungsboykotteure muss man sich auch keine Sorgen machen: Mit Gottes Hilfe kann man ja auch als ungelernter Hilfsarbeiter oder Arbeitsloser glücklich werden. (Anita Zielina, derStandard.at, 30.7.2007)

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