Britische TV-Serie zeigt Magersucht-Wettstreit

30. Juli 2007, 19:43
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Bekannte Soap "Hollyoaks" macht Essstörungen zum Thema - Therapeutischer Nutzen zweifelhaft

London - Der britische Fernsehsender Channel 4 thematisiert in einer TV-Soap zum ersten Mal die Gefahr von Magersucht. Die seit 1995 sehr erfolgreich laufende Daily-Soap "Hollyoaks" will sich der Anorexie auf ganz unverblümte und realistische Weise nähern und die tödliche Gefahr hinter der Essstörung herausstreichen, betonen die Sendungsverantwortlichen. Gezeigt wird das Leben zweier Teenager-Mädchen, die im Abnehmwahn miteinander wetteifern. Am Ende stirbt eines der beiden. Aufgrund der Brisanz und Popularität des Themas erwartet Channel 4 ein großes Interesse an den Folgen. Mit der Einführung des Themas bezweckt der Sender Aufklärung, wie er betont.

Mehrfache Wirkung

"Ich glaube, dass eine solche Serie beides bewirken kann: Sowohl aufklären als auch abschrecken. Vor allem muss man auch die Gefahr in Betracht ziehen, dass so sensationell aufgemachte Informationen zu Nachahmung verführen können", meint Barbara Reiterer, Psychotherapeutin und Schulärztin, im Gespräch mit pressetext. In erster Linie sei es wichtig, sich dem Thema nicht nur emotionell und sensationsgesteuert zu nähren, sondern neutral aufzuklären und zu informieren. Laut britischen Studien stirbt eine von fünf Personen, die an Anorexie leidet - entweder aufgrund der Krankheit selbst oder aber durch Selbstmord. Häufig konkurrieren, wie es in Hollyoaks dargestellt wird, betroffene Freundinnen miteinander, wer schneller noch dünner werden kann. Dieser Wettbewerb treibt die Magersüchtigen nicht selten bis in den Tod. "Für direkt Betroffene halte ich diese Soap, gerade wenn es dann um Tod und den damit verbundenen Schmerz geht, für sehr nachteilig", so Reiterer.

Im Regelfall beginnt Magersucht im Teenageralter und betrifft vor allem Mädchen. Grundsätzlich kann die Essstörung aber in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern auftreten. Zahlreiche Betroffene neigen dazu, ihre Krankheit zu kultivieren. Es gibt mittlerweile zum Beispiel Internet-Communities bzw. Bewegungen wie "ProAna", die an einer Definition von "Pro-Anorexia" arbeiten.

Trend zur Magersucht

"Grundsätzlich kann ich aus der Praxis sagen, dass der Trend zur Anorexie noch immer weiter zunimmt. Was die Anzahl der Klienten sowie die Gesprächsthemen der jungen Mädchen betrifft, greift Magersucht weiter um sich", bestätigt Reiterer. Was die TV-Serie Hollyoaks betrifft, zeigen sich die Darstellerinnen zumindest davon überzeugt, dass die Produktion etwas im Kampf gegen die Essstörung bewirken kann. "Die Modemagazine zeigen nur die glamouröse Seite von Magermodels. Unsere Show aber zeigt das Gegenteil, sie zeigt die Realität und wohin Anorexie letztlich führen kann", sagt Emma Rigby, die eine der beiden Freundinnen in Hollyoaks spielt. (pte/red)

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Hollyoaks

  • Hollyoaks: Hannah und Melissa leiden beide an Magersucht.
    Hollyoaks: Hannah und Melissa leiden beide an Magersucht.
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