Indirekte und direkte Rede

29. Juli 2007, 20:54
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Brendel und Welser-Möst mit den Wiener Philharmonikern

Salzburg - Der internationale Musikbetrieb bringt es mit sich, dass besonders unter großfestivalen Bedingungen die gegensätzlichsten Musikertemperamente aufeinandertreffen. So war es am Freitagabend zum konzertanten Festspielbeginn: Alfred Brendel und der künftige Musikchef der Wiener Staatsoper, Franz Welser-Möst, waren von der neuen Konzertdramaturgie zusammen mit den Wiener Philharmonikern auf das Podium gebeten worden - auf dem Programm: Beethovens c-Moll Klavierkonzert op. 37!

Die ausführliche Orchestereinleitung - von immerhin zwei Damen im Orchester miterlebt und mitgestaltet - und dann die ersten markanten, im Folgenden melodisch-werbenden Solotakte zeigten dann, wie eine solche Begegnung klangliche Wirklichkeit wird: Brendel gestattete den drei Skalen treu aufsteigenden c-Moll-Schlenkern noch eine unwirsche, im knappen Verlauf der "leeren" Dreiklangszerlegung heftige Zeichnung, um im Seitenthema all jene mehrfarbigen, zwischen Seidigkeit und linearer Silberstiftvernunft vermittelnden Alterscharme zu sichern, der für seine jüngeren Darbietungen charakteristisch geworden ist. Nachdenklich glühend gelang unter diesen Umständen - von den Wiener Philharmonikern kostbar ab- und ausschattiert - das Largo. Dem Finale gibt Brendel eine Wendung hin ins Gleitende, Schwebende.

Eine Wiederbegegnung mit einigem Überraschungseffekt bedeutete die Aufführung von György Ligetis Lontano aus dem Jahr 1967. Claudio Abbado hat das Stück im Festspielsommer 1974 mit den Wienern gewagt. Nun in der überlegten akustischen Staffelung Welser-Mösts erklang das Stück wie wertgesicherte, gehobenste Unterhaltung, frei von allen Widerborstigkeiten und Rätselhaftigkeiten.

Als schöne Vorgabe für das Beethoven-Geschehen und dieses abschließend in aller Klarheit schließlich die "Erste" von Mahler, deren ländliche, militärische, karikative Elemente einen Mann des straffen Vorwärts', wie es Franz Welser-Möst verkörpert, nicht nur verträgt, sondern erfordert. (Peter Cossé / DER STANDARD, Printausgabe, 30.07.2007)

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