Geldsummen im Aids-Fall sollen genannt werden

28. Juli 2007, 14:00
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Pressekonferenz für Samstag angekündigt - Tripolis will Einzelheiten der Einigung offen legen - Berichte der Frei­gelassenen über Folter

Tripolis/Rabat - Libyen will heute Details zu den Geheimverhandlungen im Fall der bulgarischen Krankenschwestern und des Arztes bekannt geben. Dabei soll auch offen gelegt werden, woher die 460 Millionen Dollar Entschädigung für die betroffenen Familien stammten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Jana am Freitag meldete.

31 Quellen

Die Gelder flossen aus dem Fonds Benghazi International. Nach dessen Angaben wurde die Zahlung wiederum durch ein Darlehen von einem libyschen Fonds finanziert. Das Darlehen solle zurückgezahlt werden, sobald Geldgeber auf freiwilliger Basis ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt hätten. Insgesamt gibt es den Angaben nach Zusagen über 477 Millionen Dollar. Die Mittel würden aus 31 verschiedenen Quellen stammen, darunter Libyen.

Kein Geld von EU

Die bulgarischen Krankenschwestern und ein Arzt palästinensischer Herkunft waren in Libyen zum Tode verurteilt worden, weil sie Kinder vorsätzlich mit dem Aids-Virus infiziert haben sollen. Die inzwischen nach Bulgarien zurückgekehrten und dort begnadigten Mediziner bestreiten dies, und auch internationale Experten halten die libysche Darstellung für unglaubwürdig. Die EU hat erklärt, Zahlungen ihrer Mitgliedsländer an den Fonds für die libyschen Kinder seien rein freiwillige Spenden. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zufolge hat die EU keinerlei Geld für die Freilassung der Krankenhausmitarbeiter gezahlt.

Folter

Eine der Krankenschwestern, Sneshana Iwanowa Dimitrowa, sagte der Berliner Zeitung (Samstagausgabe), sie und ihre Mithäftlinge seien in libyscher Haft gedemütigt und gefoltert worden. "Am schwersten waren die ersten drei Monate. Wir sind gefoltert worden", zitierte die "Berliner Zeitung" Dimitrowa. "Wenn du an Füßen und Händen an einem Seil hängst, sie dir den Körper auseinander reißen, dann manchmal dachte ich, dass es besser wäre, zu sterben. Damit das ein Ende hat." Mehrmals hätten ihre Peiniger versucht, Hunde der Polizeischule auf sie zu hetzen.

"Zähne zusammenbeißen"

Erst nach drei Monaten seien alle aus der Isolationshaft in Tripolis in ein Gefängnis in Benghazi überstellt worden, sagte Dimitrowa. Dort erst habe sie die anderen wiedergetroffen. Sprechen durften sie das erste Jahr allerdings nicht miteinander, auch nicht mit den Diplomaten, die kamen. "Immer die Zähne zusammenbeißen, schweigen, alles hinnehmen", sagte die Krankenschwester während des Gespräches in ihrem Heimatdorf Litakowo. Anders als ihre Mitgefangenen legte Dimitrowa unter der Folter kein Geständnis ab: "Lieber sterbe ich mit reinem Gewissen und Ehre vor meinen Kindern als etwas zu gestehen, was ich nicht getan habe. Das bricht einem doch das Rückgrat", sagte sie, äußerte aber zugleich Verständnis für die anderen.

Der Arzt, der mittlerweile die bulgarische Staatsbürgerschaft hat, sagte im niederländischen Fernsehen, er sei unter Drogen gesetzt und mit Elektroschocks an Füßen und den Genitalien gefoltert worden. Er sei gezwungen worden, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach er in der Gefangenschaft gut behandelt worden sei, sagte der 39-Jährige. (APA/AP/Reuters)

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