Watschentanz um ominöses Praterkonzept

22. Oktober 2007, 13:50
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Ein PR-Konzept zur "Unterminierung" von Grete Laska liefert Zündstoff - doch niemand will es in Auftrag gegeben haben

Wien – Der Watschenmann als Unikat des Wurstelpraters, Objekt der Selbstbehauptung und Ventil für aufgestautes Aggressionspotenzial müsste derzeit stark frequentiert werden. – Würden die notorischen Streithanseln – der Verband der Praterunternehmer auf der einen und die zuständige Vizebürgermeisterin Grete Laska (SP) auf der anderen Seite – nicht lieber die Watschen untereinander austeilen. Ein Kräftemessen ist es allemal.

Pratercard, ermäßigt

Die letzte Watsche, ein PR-Konzept, das die Agentur Pleon Publico für den Praterverband erstellt haben soll, will aber niemand ausgeteilt haben: In besagtem Papier wird die "Schwächung des Außenbildes und sukzessive Unterminierung des parteiinternen Standings der Vizebürgermeisterin" als Ziel formuliert, als Strategien werden "Attacken" auf Laska sowie der Aufbau von Kontakten zu anderen SPÖ-Politikern, um "für die Zeit nach Laska" vorzusorgen, angegeben. Besonderes Schmankerl: Um den "Goodwill gegenüber der SPÖ" zu zeigen, sollen ihre Mitglieder eine ermäßigte Pratercard bekommen.

Als "ungeheuerlich" empfindet man das Papier im Büro von Laska. Einzelne Praterunternehmer würden mittels Lobbying versuchen, den Prater und die Konzepte für die Neugestaltung des 1799 eröffneten Vergnügungsparks schlecht zu machen. "Hier wurde eindeutig die Grenze des guten Geschmacks überschritten", beschied SPÖ-Landesparteisekretär Harry Kopietz am Freitag. Der Public Relations Verband Austria (PRVA) wies darauf hin, dass gezielte Angriffe auf eine Person dem Ehrenkodex der Branche widersprechen und forderte eine Klarstellung.

Ehrenkodex

Der Ehrenkodex sei "zu keinem Zeitpunkt" verletzt worden, wehrte sich Markus Schindler, Geschäftsführer der Pleon Publico. Das den Medien vorliegende Konzept sei von der Agentur weder erarbeitet noch vom Praterverband beauftragt worden.

Deren Geschäftsführer Alexander Meyer-Hiestand spricht von einem "Ablenkungsmanöver", da nun über ein vermeintliches Konzept zur "Demontage" von Laska anstatt über die vom Praterverband abgelehnte Neugestaltung des Riesenradplatzes diskutiert werde. Es seien lediglich Konzepte in Auftrag gegeben worden, wie der Standpunkt der Praterunternehmer besser in der Öffentlichkeit vertreten werden könnte.

Der Clinch um die neo_barocken Fassaden, die – wie berichtet – den Riesenradplatz zieren sollen, ist nur ein Höhepunkt im jahrelangen Streit zwischen Praterverband und Stadt: Das Futter dazu lieferten vor allem die millionenschweren Planungen des Themenparkexperten Emmanuel Mongon. Seine Vision von einem Vergnügungspark im Gewand von "Alt-Wien" harrt noch immer der Umsetzung. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 28./29.7.2007)

  • Der Watschenmann hinter Glas bleibt verschont
    foto: standard/fischer

    Der Watschenmann hinter Glas bleibt verschont

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