Sportive Begleiterin von Jedermanns Tod

29. Juli 2007, 20:43
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Marie Bäumer debütiert am Samstag als Buhlschaft im "Jedermann"

Der überschießende Zauber der Salzburger Jedermann-Buhlschaft – nur wenige Knittelverse aus Hofmannsthals Feder, aber viel handfester Frohsinn auf der Weihestätte des kochend heißen Domplatzes – ist das Adelsprädikat für alle Schauspielerinnen des deutschsprachigen Raums: Jedermanns Sterbebegleiterin verkörpert das weibliche Prinzip an sich.

Buhlschaften wie Salzburg-Debütantin Marie Bäumer (38) sind darum auch Vertreterinnen des jeweils gültigen Schönheitsideals: An Fülle wie Güte des jeweiligen Dekolletés entzünden sich tiefsinnige Betrachtungen über "Eigenständigkeit" und Aufgewecktheit einer – bei Lichte betrachtet – doch eher marginalen Bühnenfigur.

Ihre Oberweite wolle sie nicht mittels Korsettage "bis an den Ohren kleben" haben, ließ die neue Buhlschaft – eine gebürtige Düsseldorferin – bereits sehr selbstbewusst verlauten. Einführen möchte sich die Tochter eines Architekten und einer Therapeutin heute in der von Christian Stückl überarbeiteten Fassung mit einem Radschlag.

Dass sie die Buhlschaft an der Seite Peter Simonischeks werden würde, war Bäumer gewiss nicht an der Wiege gesungen: In Hamburg ausgebildet, feierte die für ihre Ähnlichkeit mit der jungen Romy Schneider vielfach Gepriesene 1995 ihren Durchbruch in dem Detlev-Buck-Film Männerpension, als sie Til Schweiger in erotische Wallung versetzte.

Endgültig ein Star wurde sie als Barfrau Uschi in Bully Herbigs Westernparodie Der Schuh des Manitu. Die Mutter eines neunjährigen Buben (Ehemann ist der Schauspielkollege Nicki von Tempelhoff) betonte stets ihre Unabhängigkeit von einem Metier voller Wechselfälle, das vom Verschleiß der Gesichter zehrt.

Sie sei eben "kein Vollweib wie Veronica Ferres", gab die Bäumer kürzlich zu Protokoll. Überhaupt zeigt sie sich bevorzugt burschikos und bodenständig, fährt gerne Rollerblades und drückt mit Vorliebe das Akkordeon. Bereits im zarten Kindesalter schwärmte sie von Winnetou und dessen rothäutigen Brüdern.

Bei Rollen liebe sie "das Extreme" – für ihr heutiges, samstägiges Jedermann-Debüt hatte Marie Bäumer ursprünglich angekündigt, barfuß spielen zu wollen, was ihr aufgrund der Hitzeentwicklung von der Festspielleitung zunächst untersagt wurde. Den katholischen Prunk Salzburgs habe sie lieben gelernt.

Ihr durchaus sportives Image beweisen Wundpflaster, die Marie Bäumers Knie zieren. Zuletzt hätten sie und ihre Kollegen bei 50 Grad im Domschatten mit Sonnenbrille und Hut geprobt.

Doch als Buhlschaft bleibt man immer taxierenden Blicken ausgesetzt: Krone-Kolumnist Michael Jeannée bescheinigte ihr "Karl-Schranz-Oberschenkel". Salzburg erhitzt eben die Gemüter. (Ronald Pohl/ DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.07.2007)

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    Marie Bäumer schlägt am Samstag ein Rad.

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