Wenige Verdienstquellen für Heimatwasser

28. Juli 2007, 15:00
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Der Export von österreichischem Trinkwasser ist ein Fall für Einzelkämpfer – fast alle Versuche verlaufen im Sand

Ein echtes Stephanswasser vor dem Wiener Stephansdom, das wäre schön gewesen und nicht einmal teuer. Karl Martschitsch, Chef des Wasser-Abfüllers Wildalp, seufzt, er hat mit der Kirche kein Glück. Auch die Basilika Maria Zell wollte sein Quellwasser für durstige Pilger nicht, ein Konkurrent bot es billiger an.

Martschitsch verkauft seit fünf Jahren Wasser aus der steirischen Gemeinde Wildalpen. 220 Millionen Liter fließen von dort täglich in die Wiener Wassernetze. Rund 40.000 Liter landen in PET-Flaschen, auf den Etiketten steht Wildalp und klingende Namen wie Mozart Water und Schönbrunner Schlosswasser.

Dass er verkauft, was kostenlos aus Leitungen kommt, lässt Martschitsch nicht gelten und vergleicht sein Geschäft mit dem Ab-Hof-Vertrieb. "Äpfel können auch direkt beim Bauern gekauft werden – oder zwei Tage später im Supermarkt." Bis das Wasser vom Hochschwab die Wiener Wasserhähne erreiche, vergingen 36 Stunden. Anfangs sei er belächelt worden, sagt Martschitsch. Doch seit der Babykost-Hersteller Hipp mit seinen Lastwägen vor der kleinen Abfüllanlage vorfahre, werde er in der 600-Seelen-Gemeinde ernst genommen. Hipp lässt sich dort seit Mai mit "Babywasser" versorgen.

Harter Wettbewerb

85 Prozent gehen in den Export. Wildalp findet sich neben Reis und Mehl in japanischen Notversorgungspaketen, in asiatischen Hotels, Schulen und Spitälern. Gewinne gibt es dennoch nicht. Nach Investitionen von sieben Millionen Euro will Martschitsch in diesem Jahr erstmals ausgeglichen bilanzieren, der Umsatz liege unter einer Million. Die Vermarktungskosten sind enorm, potente Investoren rar und der internationale Mitbewerb hart. Bis auf Wildalp sind alle Versuche, Österreichs Quellwasser zu exportieren, im Sand verlaufen.

Die Gemeinde Öblarn etwa verhandelte einst mit arabischen Investoren über eine Tafelwasser-Pipeline. Heute ist das Projekt Geschichte, Öblarn wird selbst das Wasser knapp – der Ort kämpft mit verrosteten Leitungen. Evian bemühte sich vergeblich um eine Kooperation mit Bad Aussee. Andere kleine Investoren gingen pleite. Und eine Handvoll vermeintlicher Wunderquellen in Kärnten rinnt statt in die Emirate immer noch die Bäche hinunter. "Es gibt in dem Geschäft viele Glücksritter und Dampfplauderer, die bei uns anklopfen", sagt Bernhard Schragl, Sprecher der Bundesforste, viele wollten Wasserscheichs werden. Doch dafür müsse man Geld in die Hand nehmen, der Wasserverkauf sei zudem politisch hoch sensibel.

Die Bundesforste verwalten knapp ein Fünftel des österreichischen Quellwassers. Selbst zur Flasche zu greifen schließen sie aus. "Lose Gespräche" gibt es laut Schragl dennoch. Etwa darüber, an Lebensmittelhändler zu liefern, die damit eine neue Handelsmarke in die Regale stellen – als Konkurrenz zu Vöslauer und Co. Nachgedacht wird über Pipelines in die Anlagen von Safterzeugern. Auch Abfüllrechte für Mineralwasser-Hersteller stehen im Raum.

"Ich weiß nicht, woran es scheitert"

Reinhold Falbesoner, der Bürgermeister von Nassereith, hofft noch immer auf einen Einstieg in den Wasserexport, auch wenn keiner in seiner Gemeinde mehr daran glauben will. Seit 1999 wälzt der Ort im Gurgltal Pläne für eine Trinkwasser-Abfüllanlage. 70 Arbeitsplätze soll das Projekt bringen. Alle Genehmigungen sind auf dem Tisch, gebaut wird dennoch nicht. "Es steht nichts im Weg, ich weiß nicht, woran es scheitert", sagt Falbesoner. Dem Quellbesitzer Gottfried Wolf ist ein ägyptischer Investor abhanden kommen. Es soll einen neuen geben, Wolf hüllt sich darüber in Schweigen.

Ernst August, Prinz von Hannover, bemüht sich in Grünau um eine Abfüllanlage, heißt es in der Region. Er besitzt in der Steiermark ein Jagdschloss, Quelle inklusive. Seine Forstverwalter äußern sich dazu nicht, die Gemeinde zeigt sich über die Exportpläne "an die Saudis" erfreut. Wassernetze und Kanalisation seien ja ohnehin teuer genug. Dass sich Quellwasser in Gold umwandeln lässt, hält Falbesoner aber für eine Illusion. "Es geht vielmehr um sichere Arbeitsplätze. Eine Quelle kann man nicht einfach über die Grenze ins Ausland verlagern."

Wildalp-Chef Martschitsch sprüht jedenfalls vor Geschäftsideen. Hochschwab-Wasser könne in der Medizintechnik oder in der Kosmetik eingesetzt werden, sagt er. Wenn Stars wie Kate Moss damit ihr Gesicht erfrischten, könne ein Vierterl gute zehn Dollar wert werden. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Album, 28./29.7.2007)

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