Siemens-Affäre - Wien war "Drehscheibe" für illegale Aktionen

27. Juli 2007, 16:43
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Aufsichtsrat fordert vom neuen Siemens-Chef rasches Durchgreifen - Siemens Österreich weist Vorwürfe zurück - Zeitung: Konzern plant Hotline für anonyme Hinweise

In der Affäre um Schmiergeldzahlungen bei Siemens kommt auch die österreichische Landesgesellschaft immer mehr in den Fokus. Führungskräfte in Österreich und Griechenland sollen eine "Drehscheibe" für die illegalen Aktionen gewesen sein, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) am Freitag auf ihrer Internetseite.

Gespräche

Weiters seien diese beiden Landesgesellschaften ebenso wie die in Belgien und in zahlreichen afrikanischen und asiatische Staaten nur bedingt zu Gesprächen mit der US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton bereit. Diese Kanzlei wurde von Siemens mit der Aufklärung des Skandals rund um "Schwarze Kassen" beim Elektronikkonzern betraut.

Widerstand

Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums sagten der "Süddeutschen Zeitung" nach einer Aufsichtsratssitzung diese Woche in München, auch der neue Konzernchef Peter Löscher sei nun gefordert. Er müsse die Widerstände gegen die Untersuchungen brechen und dafür sorgen, dass der Skandal so rasch und so umfassend wie möglich aufgeklärt werde. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte nach Angaben von Aufsichtsratsmitgliedern sinngemäß, er werde dieses Verhalten nicht hinnehmen, sondern durchgreifen.

Im Aufsichtsrat wächst inzwischen die Angst, die US-Justiz könnte die Sache in die Hand nehmen. "Wenn Debevoise nicht vorankommt, dann schicken uns die SEC und das US-Justizministerium amerikanische Staatsanwälte ins Haus", hieß es dem Bericht zu Folge aus dem Aufsichtsrat. In etlichen Landesgesellschaften von Siemens habe man offenbar den Ernst der Lage noch nicht erkannt.

Siemens Österreich hat heute auf APA-Anfrage die Vorwürfe bestritten. Eingeräumt wurde jedoch, dass es am Anfang Probleme mit dem Datenschutz gegeben habe.

Kassen

Trotz der angeblichen Blockade ist Debevoise offenbar nun auch in der Kraftwerkssparte auf schwarze Kassen gestoßen. Nach Angaben aus dem Aufsichtsrat berichteten die US-Juristen von Konten in Liechtenstein, über die deutlich mehr als 100 Mio Euro geschleust worden sein sollen, schreibt die "SZ". Bisher waren Schwarzgeldkonten in einer solchen Größenordnung nur in den früheren Sparte Telekommunikation bekannt geworden.

Der Konzern plant dem Bericht zufolge die Einrichtung einer "Hotline" für anonyme Hinweise auf Gesetzesverstöße. (APA)

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