Zweifel an betrunkenen Astronauten

29. Juli 2007, 15:38
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Ehemalige Raumfahrer kritisieren Untersuchungsbericht - Auch russische Raumfahrtagentur schließt Alkoholmissbrauch aus

Washington/Moskau - Frühere Astronauten zweifeln einen internen Bericht der US-Weltraumbehörde NASA an, nachdem Kollegen angetrunken ins All geflogen sind. Die früheren Raumfahrer sagten der Zeitung "Los Angeles Times" am Wochenende, sie würde dafür viel zu stark überwacht.

"Ich weiß nichts davon, dass Alkohol die Sicherheit gefährdet hätte", betonte Tom Jones, der vier Mal an Missionen der US-Raumfähren teilnahm. Nach den Worten der ehemaligen Astronautin Susan Kilrain habe es nicht einmal Gerüchte gegeben, dass jemand betrunken in den Weltraum geflogen sei.

"Erhebliche Mengen Alkohol"

Dem NASA-Bericht zufolge sind in mindestens zwei Fällen trotz der Warnungen von Ärzten und NASA-Mitarbeitern angetrunkene Astronauten ins All gestartet. Die Astronauten hätten demnach trotz eines ausdrücklichen Verbots sogar noch zwölf Stunden vor dem Start "erhebliche Mengen Alkohol" konsumiert.

Nach Angaben des Vorsitzenden eines unabhängigen Ausschusses, der den Report verfasst hatte, war in einem Fall ein Flug des Space Shuttle betroffen gewesen, der andere habe mit einer Sojus-Mission zu tun. Nähere Einzelheiten nannte der Vorsitzende, Richard Bachmann, aber nicht. Die NASA leitete als Konsequenz aus dem Bericht eine Untersuchung ein.

Ständige ärztliche Beobachtung

Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos schloss in einer Reaktion aus, dass Astronauten betrunken an Bord einer Sojus-Kapsel gehen. "In den vergangenen zwei Wochen vor dem Start befinden sich die russischen Kosmonauten und die US-Astronauten unter ständiger ärztlicher Beobachtung", sagte der Roskosmos-Sprecher Igor Panarin in Moskau. Jeglicher Alkoholkonsum vor dem Start würde unmittelbar auffallen.

Zurück auf der Erde dürften russische Kosmonauten sich durchaus einmal Alkohol gönnen. "Aber jeder Hinweis auf Missbrauch führt automatisch zum Ausschluss aus dem Raumfahrer-Team", betonte Panarin. Die russischen Raumschiffe vom Typ Sojus können bis zu drei Personen transportieren. In den vergangenen fünf Jahren startete ein halbes Dutzend US-Astronauten mit Hilfe russischer Technik vom Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation ISS.

Gegenstand des internen Berichts war eine generelle Untersuchung der Gesundheitsversorgung der NASA-Astronauten. Auslöser war das schlagzeilenträchtige Eifersuchtsdrama um die ehemalige US-Astronautin Lisa Nowak vom Februar. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die 44-Jährige der versuchten Entführung ihrer Nebenbuhlerin, der Luftwaffen-Offizierin Colleen Shipman. (APA/dpa)

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