McLaren nach Spionage im Vorteil?

26. Juli 2007, 20:40
posten

Ferrari fühlt sich durch Weitergabe von geheimen Dokumenten arg benachteiligt - Schaden in Millionenhöhe befürchtet - Weitere gerichtliche Schritte geplant

London - Laut der britischen Tageszeitung "The Guardian" führen die Anwälte vom Formel-1-Rennstall Ferrari den Vorsprung von McLaren-Mercedes in der WM-Wertung "wahrscheinlich" auf die Spionage-Affäre zurück. "Der Unterschied der beiden Teams ist so gering, dass es wahrscheinlich ist, dass der deutliche Vorsprung von McLaren eine Folge der Ferrari-Dokumente im Besitz des Chefdesigners ist", wurde ein Anwalt der Scuderia am Donnerstag in dem Blatt zitiert.

Die Aussagen sollen aus Dokumenten von Ferrari gegenüber dem englischen High Court in London stammen. Angeblich soll der Rennstall nun doch weitere gerichtliche Schritte gegen den ehemaligen Chefdesigner von McLaren-Mercedes, Mike Coughlan, sowie dessen offenbar in die Affäre verwickelte Frau Trudy unternommen haben.

Coughlan soll vom Ex-Chefmechaniker der Italiener, Nigel Stepney, umfangreiches geheimes Material u.a. mit Daten und Zeichnungen von den Ferrari-Rennwagen bekommen haben. Coughlan-Gattin Trudy soll die Unterlagen (insgesamt 780 Seiten) zu einem Kopier-Laden nahe der McLaren-Zentrale in Woking gebracht, ein Mitarbeiter des Geschäfts wiederum Ferrari informiert haben.

Der Fall wurde am Donnerstag vor dem 26-köpfigen Weltrat des Internationalen Automobilverbandes (FIA) in Paris verhandelt. Sollte dem Rennstall McLaren-Mercedes, der in beiden WM-Wertungen vor der Scuderia führt, eine Mitschuld nachgewiesen werden können, drohen neben einer Geldstrafe auch Punkteabzüge in der Fahrer- und Konstrukteurswertung.

Die Verantwortlichen der Silberpfeile wiesen bisher den Vorwurf, dass neben Coughlan auch weitere Mitglieder des Rennstalls von den Unterlagen im Besitz des Designers gewusst hätten, mit Nachdruck zurück. Doch soll in den Dokumenten, die der Zeitung angeblich vorliegen, auch stehen, dass sowohl Geschäftsführer Martin Whitmarsh als auch Ingenieur Patrick Lowe von den Ferrari-Unterlagen wussten.

Die Anwälte von Ferrari sollen einen möglichen finanziellen Schaden mit Blick auf die Konstrukteurswertung - Ferrari ist Zweiter mit 111 Punkten hinter McLaren-Mercedes (138 Zähler) - auf mindestens 5,5 Millionen Euro beziffert haben. Die Ferrari-Juristen behaupten zudem, dass McLaren-Mercedes einen "unfairen Vorteil" in dieser Saison durch den Besitz der Unterlagen des ärgsten Rivalen gehabt habe. Die Scuderia befürchtet sogar, dass der Ruf der Marke Ferrari Schaden nehmen könne. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.