Ein Supermann mit Superfrau

27. Juli 2007, 20:04
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Sarkozy will sie alle retten: Die Unterdrückten in Frankreich und auf der ganzen Welt - vor allem aber die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs

Sarkozy im Befreiungsrausch: Kaum waren die bulgarischen Geiseln in Sofia gelandet, schon verkündete seine Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, als nächstes wolle man sich Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Burma zuwenden.

Auch noch auf der Liste: Die vernachlässigten Menschen im eigenen Lande, die von der FARC-Guerilla festgehaltene kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Bétancourt, unterdrückte Frauen und jene, die die Burka tragen müssen. Das zumindest hatte der frisch gewählte Präsident am Wahlabend am Place de la Concorde verkündet.

Ein wahrer Supermann, jetzt auch noch mit einer Superfrau an seiner Seite. Und weil sich Supermann um alle kümmert, klopften auch Bauern aus den Pyrenäen bei Sarkozy an, damit er sie vor Bärin Franska rettet, die dort ihr Unwesen treibt.

So weit, so skurril. Mit diesem zur Schau getragenen Retteraktivismus kann Sarkozy fein verschleiern, welche Motive sich hinter dem Engagement verstecken. Symbolisch dafür steht der Handschlag von Staatssekretärin für Menschenrechte (!) Yade mit dem libyschen Präsidenten Muhammar al-Gaddafi: Wenn es um die Rettung wirtschaftlicher Interessen geht, ist es mit den moralischen Grundsätzen nicht weit her.

Was bis vor kurzem nur gemunkelt wurde, wird nun offensichtlich: Es waren wirtschaftlichen Interessen, die Sarkozy dazu motivierten, seine Frau als Vorhut zum Revolutionsführer zu schicken. Der Präsident dementiert zwar, dass der Abschluss eines Atomdeals etwas mit der Geiselaffäre zu tun hat. Dennoch ist klar, dass es diesen Deal ohne die Freilassung der Geiseln nicht gegeben hätte.

Man kann nur Staunen, mit wie viel Erfolg es dem Tausendsassa von der Seine gelungen ist, sich nun auch auf der internationalen Bühne selbst zu inszenieren. "Super-Cécilia" ätzte zwar "Le Monde" über den Einsatz der Präsidentengattin. Aber selbst die liberale Zeitung ließ es sich nicht nehmen, nach der Freilassung stolz "Das Elysée und Brüssel erreichten die Befreiung der Geiseln" zu titeln.

Aber schließlich stand ja auch der angekratzte französische Nationalstolz auf der Rettungsliste von Sarkozy. Wie lässt sich dies in einem Land, das so stolz auf sein revolutionäres Erbe ist, besser erreichen als mit dem Vorhaben, den Menschenrechten auf der ganzen Welt zum Durchbruch verhelfen zu wollen? Dass dies allzu oft nur Propaganda-Gequatsche ist, steht auf einem anderen Blatt. (Sonja Fercher)

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    "Frankreich wird den Unterdrückten der Welt zur Seite stehen. Das ist die Botschaft Frankreichs, das ist die Identität und die Geschichte Frankreichs", verkündete Nicolas Sarkozy am Wahlabend am Place de la Concorde.

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    Symbolisch für eine ambivalente Politik in Sachen Menschenrechte: Staatssekretärin Rama Yade beim Hanschlag mit Revolutionsführer Gaddafi.

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    Offensichtlich seine neue Lieblingspose: Sarkozy am Nationalfeiertag.

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    Auch bei der Tour de France könnte es wen zu retten geben, man weiß ja nie...

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