Platzprobleme für Roma in Vöcklabruck

31. Juli 2007, 23:45
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Statt Applaus erntete man herbe Kritik, und der Konflikt gewann neuerlich an Schärfe

Was als Sieg der Toleranz gedacht war, entzweit jetzt einen ganzen Bezirk. Das Regionalmanagement sicherte durchziehenden Roma- und Sintigruppen einen Lagerplatz zu, die politischen Köpfe von Vöcklabruck wollen aber keinen Minderheiten-Stopp vor den Stadttoren

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Linz - Das Problem ist altbekannt, Lösungen blieben bis dato aber aus: Mit sommerlicher Regelmäßigkeit stoppen Roma und Sinti für mehrere Tage ihre Wohnwagen-Gespanne auf einem Parkplatz in Vöcklabruck. Was am ausgewählten Haltepunkt aber fehlt, sind sanitäre Einrichtungen sowie eine Abfallentsorgung. Die Proteste der Anrainer über Lärm, Verschmutzung und zurückgelassenen Müll ließen daher nie lange auf sich warten.

Kritik statt Applaus

Jüngst nahm sich das Regionalmanagement Vöcklabruck der Problematik an und präsentierte zu Wochenbeginn stolz eine Lösung. Doch statt Applaus erntete man herbe Kritik, und der Konflikt gewann neuerlich an Schärfe. Eine Liechtensteiner Stiftung rund um die Eternit-Eigentümerfamilie Hatschek stellt den durchziehenden Roma und Sinti bis September die so genannte Ager-Insel - ein privater Landstrich an der Stadtgrenze zu Vöcklabruck - zur Verfügung. "Es soll dort eine ausreichende Sanitär-Infrastruktur geschaffen werden. Die Kosten dafür übernehmen wir, die Gruppen müssen nur eine geringe Miete zwischen zwölf und 17 Euro entrichten", so Regionalmanagement-Obmann Anton Hüttmayr im Gespräch mit dem Standard.

Integrations-Ängste

Doch Hüttmayr hat die Rechnung ohne die Vöcklabrucker Stadtväter gemacht. Die fühlen sich übergangen und sehen durch die sommerlichen Roma-Zwischenstopps städtische Integrationsprojekte gefährdet. "Man darf uns bitte nicht falsch verstehen, wir haben nichts gegen Roma und Sinti. Aber der Standort Ager-Insel ist mehr als ungünstig, und man hat uns nicht einmal gefragt", ärgert sich Vizebürgermeister Karl Leitner (ÖVP) auf Standard-Anfrage.

Migrationsprobleme

Problematisch sei vor allem, dass das Insel-Camp der Roma und Sinti unmittelbar an zwei Vöcklabrucker Stadtteile grenze, in denen es "erhebliche Migrationsprobleme" gebe. "Das Lager wird die Situation verschärfen und unser Integrationsprogramm kontakarieren", glaubt Leitner.

Beim Regionalmanagement hält man aber am Projekt fest. "Der Standort passt. Leider kennt eben die Mehrheit die Minderheit nicht. Wir planen daher eine gezielte Aufklärungsarbeit in der Umgebung, um unbegründete Ängste zu nehmen und Vorurteile abzubauen", kündigt Hüttmayr an. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 26.7.2007)

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