Finnische Gardinen

28. Juli 2007, 17:00
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In Graz entfalten die berühmten Blüten des finnischen Textilunternehmens Marimekko ihre Pracht in einem eigenen Shop samt Café

In Finnland gibt es Marimekko in jedem Kaff, sagt Susanna Ahvonen, doch nach Österreich hat es das erste Geschäft, das Stoffe, Möbel und Mode ausschließlich von Marimekko führt, erst diesen Sommer geschafft. Die finnische Architektin Ahvonen hat in der Grazer Mandellstraße 1, gleich gegenüber dem Kaiser-Josef-Markt, ein Concept Store eröffnet.

Die Marke, die von Viljo und Armi Ratia 1951 gegründet wurde, "schlug im Nachkriegsfinnland wie eine Bombe ein", erzählt die Finnin, die seit Ende der 1980er-Jahre in Österreich lebt. Das Ehepaar Ratia hatte damals begonnen, Baumwollstoffe mit "wilden, großen, bunten Mustern" zu bedrucken. Armi Ratia, die an der Kunsthochschule studiert hatte, engagierte seinerzeit einige Studienkolleginnen, die begannen, erste Designs zu entwerfen. "Die Stimmung damals war düster, und die irren Muster haben sofort funktioniert", berichtet Ahvonen. Viele der Dessins, die damals entstanden, haben die Zeit überdauert und sind auch heute noch in Druck. Stoffe von Marimekko sind signiert, tragen einen Namen und haben auch das Entstehungsjahr aufgedruckt. "Vieles, was jetzt als in und retro empfunden wird, sind Originalentwürfe", so Ahvonen, die vor drei Jahren, als sie ein Planungsbüro für Inneneinrichtung eröffnete, mit Marimekko-Designs zu arbeiten begann.

Der Concept Store selbst hat das Design, in dem sich Marimekko-Geschäfte auf der ganzen Welt zeigen. Er ist schlicht möbliert und weiß. Auf 120 Quadratmetern kommen die bunten Stoffe und die Mode auf den Kleiderbügeln in dem hellen Raum gut zur Geltung. Nur das Café am Eingang des Ladens, das von der Bäckerei Sorger betrieben wird, sticht mit seiner Edelstahl-Vitrine samt Gebäck und Kuchen ein wenig heraus. Ansonsten sind die Möbel, Geschirrtücher, Schürzen usw. allesamt von Marimekko. "In Finnland kommt es oft vor, dass Design-Geschäfte, Museen oder Foren mit einem Café kombiniert sind", sagt Susanna Ahvonen, die dieses Konzept somit weiterführt.

Berühmt durch Jacky Kennedy

Außer in Skandinavien verkauft Marimekko vor allem in den Vereinigten Staaten und in Japan. In den USA verhalf ausgerechnet Präsidentengattin Jacky Kennedy der Marke zur Berühmtheit. Im Wahlkampf ihres Mannes John F. wurde ihr vorgeworfen, verschwenderisch zu sein, worauf sie sich einige Kleider von Marimekko zulegte und den Medien beschied, dass sie auch Baumwollkleider trüge. "Dann setzte der Boom ein", erzählt Ahvonen aus der Geschichte. Doch bevor Jacqueline Kleider von Marimekko tragen konnte, engagierte Armi Ratia 1959 wieder eine Kollegin aus der Kunsthochschule, die aus den begehrten Stoffen mehr als nur Vorhänge machte. "Jedes Stück, sei es Möbel oder Bekleidung, basiert ursprünglich immer auf dem Stoffdesign", sagt Ahvonen. Die Designer haben die Möglichkeit, sich aus einem großen Entwurfsfundus zu bedienen.

Für Marimekko, das seit Ende der 1980er-Jahre von Kirsti Paakkanen geführt wird, arbeiten fast ausschließlich Frauen - 90 Prozent der 380 Mitarbeitern sind weiblich. Der Grund: "Frauen sind Realisten", sagte Paakkanen einmal in einem Interview. "Der natürliche Umgang mit Stoffen, Mode und Kreativität spielt bei Marimekko eine große Rolle." Anders als ihre Freundin Kirsti Paakkannen hatte die 1979 verstorbene Gründerin Armi Ratia etwas von einer Utopistin. Wie sonst kann man es sich erklären, dass sie ein ganzes Dorf für ihre Mitarbeiter, die - vom Drucker bis zum Designer - "Marimekkoaner" waren, erbauen lassen wollte. Am Geld sei diese Idee gescheitert, erzählt die Wahlgrazerin Ahvonen.

"Das, was Marimekko einzigartig macht, ist, dass alle Stoffe im Siebdruckverfahren hergestellt werden, sie sind richtige Kunstwerke, wie Gemälde", schwärmt Ahvonen. Dass andere Firmen Marimekko-Muster kopieren, bedeute nur, dass Marimekko begehrt ist. "Die, die jetzt die Fakes kaufen, werden später zu Marimekko wechseln", ist die Finnin überzeugt. (Marijana Miljkoviæ/Der Standard/rondo/27/07/2007)

  • Ein ganzes Geschäft voller Marimekko in Graz - Hotspot für alle Fans der unzähligen Stoffdesigns aus mehr als fünf Jahrzehnten.
    foto: marimekko

    Ein ganzes Geschäft voller Marimekko in Graz - Hotspot für alle Fans der unzähligen Stoffdesigns aus mehr als fünf Jahrzehnten.

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