Limonade gar nicht fade

28. Juli 2007, 16:00
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Gerade im Land der unbegrenzten Softdrinks wird selbst gemachte Limonade zum Trend - Was den Amis recht ist, kann uns nur billig sein

Die offizielle Definition von "Limonade" liest sich einigermaßen unsympathisch: Demnach darf sie neben Wasser und Kohlensäure auch Komponenten wie Aromaextrakte, natürliche Aromastoffe oder Zuckercouleur enthalten - bei einem Zuckeranteil von mindestens sieben Gewichtsprozenten, der in der kalorienarmen Variante durch Süßstoffe ersetzt wird. Das mag Geschmackssache sein - ob aber die Limonade Kohlensäure beinhaltet oder nicht, fördert philosophische Auffassungsunterschiede über die Kontinente hinweg zutage. Während man bei "Lemonade" in den USA und Kanada generell an "uncarbonated" und "home made" denkt, bedeutet Limonade bei uns fast immer ein industriell hergestelltes Getränk mit Kohlensäure und zweifelhaften Inhaltsstoffen.

Zitrone oder Zitrone

Grund genug, sich die Rezepte transatlantischer "Lemonade Lovers" näher anzusehen. Als entscheidend wird stets (was Wunder) die Qualität und Sorte der Zitronen hervorgehoben - womit wir gleich beim größten Problem sind. Während etwa Kalifornier (aber auch Sizilianer) da aus dem Vollen schöpfen können, bleibt dem leidgeprüften Mitteleuropäer meist nur die Wahl zwischen Zitrone und Zitrone aus Bioanbau. Das ist zwar doppelt so gut wie gar keine Wahl zu haben, aber halt doch nicht viel. Im Westen der USA findet man etwa eine Zitronenart, die sich ganz besonders für Fort-geschrittenen-Limonade eignet: Die "Meyer Lemon" ist ursprünglich aus China gebürtig, wo sie als reine Schmuckpflanze gezüchtet wurde. Der professionelle Pflanzenentdecker Frank Meyer brachte sie 1908 nach Kalifornien, wo sie inzwischen viele private Gärten mit dem feinen Aroma ihrer Blüten erfüllt. Die Früchte faszinieren durch fruchtig-intensiven und vergleichsweise süßen Geschmack, weshalb man beim Limonade-Machen nicht zuletzt auch weniger Zucker braucht. Ihre Haut ist besonders glatt, kaum bitter, in vollreifem Zustand bekommt sie einen Anflug von Orange. Im Geschmack gemahnt sie etwas an Mandarine - kein Zufall, schließlich soll sie aus einer Kreuzung zwischen Zitrone und Mandarine entstanden sein.

Basis: Zuckersirup

In Ermangelung solcher hochspezialisierter Saftbomben empfiehlt es sich in unseren Breiten, bei italienischen Feinkosthändlern nachzufragen, die auch sonst durch individuelles Angebot aus Eigenimport auffallen. Nino Crupi, der ganz am Beginn der Margaretenstraße (wo diese von der Wiedner Hauptstraße abzweigt) ein kleines Geschäft betreibt, etwa bietet zurzeit kleine, hocharomatische Zitronen aus dem Obstgarten seiner Familie in Catania auf Sizilien an. Giancarlo Ferraresein seinem Alimentari auf der Billrothstraße hat dagegen große, wenig saure, fruchtige Positano-Limonen im Angebot - allerdings ist er schon so gut wie im Urlaub und erst in drei Wochen wieder da. Aber auch auf den Märkten lassen sich mit Glück überdurchschnittliche Zitronen auftreiben.

Reife Zitronen erkennt man an ihrem intensiven Duft und einer gleichmäßig gelben, leicht glänzenden Schale (nur bei unbehandelten Früchten). Die Basis für Limonade ist Zuckersirup, für den Zucker und Wasser zu gleichen Teilen unter Rühren erhitzt (nicht gekocht) werden, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Will man es weniger süß, nimmt man weniger Zucker: Den Sirup abkühlen lassen, den Saft von vier bis sechs Zitronen hinein und mit eiskaltem Wasser bis zur erwünschten Intensität aufgießen. Nach Geschmack (und Qualität der Zitronen) können noch Orangenscheiben, Granatapfelsaft, Minze oder Zitronenmelisse dazugegeben werden. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/27/07/2007)

  • Ob die Limonade Kohlensäure beinhaltet oder nicht, fördert philosophische Auffassungsunterschiede über die Kontinente hinweg zutage.
    epa/shabbir hussain imam

    Ob die Limonade Kohlensäure beinhaltet oder nicht, fördert philosophische Auffassungsunterschiede über die Kontinente hinweg zutage.

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