Kunstwerke aus Benin

25. Juli 2007, 19:00
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Ausstellung im Wiener Völkerkundemuseum und Auktionsrekorde

Das Wiener Museum für Völkerkunde setzt mit seiner aktuellen Ausstellung Benin - Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria einen Meilenstein bezüglich der Geschichte des (immer noch existierenden) Königreichs Benin. Die auf dem afrikanischen Kontinent wegen ihrer ästhetischen und technischen Perfektion einmaligen Kunstwerke aus Benin sind von Museen und Sammlern, auch wegen ihrer rituellen und archivarischen Qualität, besonders begehrt. Insbesondere die ab dem 16. Jahrhundert im Auftrag des Königs gegossenen Bronze-Reliefplatten und Gelbguss-Königsköpfe, die wichtige Ereignisse festhielten.

Auch die beschnitzten Elfenbeinobjekte bestechen durch ihre handwerkliche und künstlerische Meisterschaft. Die meisten der auf 3000 bis 4000 Stück geschätzten Kult- und Kunstobjekte Benins wurden 1897 von den Engländern geraubt, nach London gebracht und nach Europa und in die USA verkauft. Im Handel zirkulieren seit den 1930er-Jahren nur wenige spektakuläre Stücke. Die meisten Meisterwerke befinden sich in Museen. Von dort gelangen aber einige auf Auktionen.

Benin bestand seit dem 12. Jahrhundert als autonomes, hierarchisch strukturiertes Königreich. Die Portugiesen landeten 1472 an der Küste von Benin. Später kamen die Engländer, Niederländer und Franzosen, für die Benin ein wichtiger Handelspartner wurde. Benin lieferte Pfeffer, Elfenbein, Textilien und Sklaven im Tausch gegen Kupfer, Messing und Waffen.

Bis 1897 gelang es den Königen von Benin, ihr kleines Land unabhängig zu verwalten. Die Briten zerstörten 1897 die Stadt und den Königspalast und raubten die Kunstschätze, deren Restitution der amtierende König Oma N'Oba Erediauwa im Mai in Wien reklamierte. "Es war sehr mutig, diese wissenschaftlich und pädagogisch phänomenale Ausstellung zusammenzustellen. Und zwar auch wegen der heiklen Restitutionssituation", meint Tim Teuten, Leiter des Tribal Art Departments von Christie's. Denn Barbara Plankensteiner, der verantwortlichen Kuratorin, ist es erstmals seit 110 Jahren gelungen, dreihundert Benin-Objekte aus diversen Museen zu vereinen.

Auf dem Auktionsmarkt konstatiert man seit den 1990er-Jahren ein stetes Ansteigen der Preise für Benin-Objekte. Sotheby's New York erzielte am 17. Mai d. J. mit 4,74 Millionen Dollar den Benin-Objekt- Weltrekord für einen 1932 vom Pariser Galeristen Louis Carré erworbenen Bronze-Königskopf, der sich jahrzehntelang in der Albright-Knox-Gallery, Buffalo, befand. "Sich erinnern" heißt auf "Edo", der Sprache Benins, "ein Motiv in Bronze gießen". Der Titel des Königs lautet "Ebo" - daher die Bezeichnung "Ebo-Gedenkkopf". Bei Christie's New York brachte ein Ebo-Gedenkkopf 1997 schon 662.500 Dollar. Auf den stupenden Bronze-Reliefplatten bewundert man Gestalten von Königen, Würdenträgern, Gilden-Mitgliedern oder von Portugiesen. Sotheby's Paris verbuchte am 23. Juni 2006 mit 964.000 Euro einen Weltrekord für eine Reliefplatte aus dem 16. Jahrhundert. Aus der Sammlung Schnell hatte Sotheby's (am 3. Dezember 2004 in Paris) eine Bronzeplatte, die einen militärischen Würdenträger verewigte, für 691.200 Euro zugeschlagen. (Olga Grimm-Weissert aus Paris / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.7.2007)

Museum für Völkerkunde: "Benin - Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria" bis 3.9.2007, anschließend im Musée du Quai Branly, Paris (2.10. 2007 - 6.1.2008)
  • Weltrekord: 964.000 Euro für Edo-Bronze bei Sotheby's
    foto: sotheby's

    Weltrekord: 964.000 Euro für Edo-Bronze bei Sotheby's

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