NATO: Deutsche Truppen geraten ins "Kreuzfeuer"

30. Juli 2007, 13:11
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Effektive Strategie der Terroristen: Durch Anschläge steigt der "öffentliche Druck"

NATO-Kreise: Deutsche in Afghanistan im "Kreuzfeuer" Kritik an Medienarbeit der deutschen Bundesregierung: Sicherheitsrisiken "verzerrt" dargestellt

Brüssel (APA/AFP) - Vertreter der NATO sehen eine erhöhte Gefahr, dass Deutsche in Afghanistan zum Ziel von Entführungen und Anschlägen werden. Mit der verschärften Sicherheitslage in vielen Provinzen seien auch Deutsche "stärker ins Kreuzfeuer geraten", sagte ein hochrangiger NATO-Mitarbeiter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel. Es gebe aber vorerst keine Hinweise, dass die Taliban oder andere Aufständische gezielt nur Deutsche ins Visier nähmen. Auch Italiener, Franzosen, Kanadier und Spanier seien betroffen. Im vergangenen Monat wurden vier Deutsche in Afghanistan entführt.

Verzerrte Darstellung der Sicherheitsrisiken

Im Brüsseler NATO-Hauptquartier wird der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, Sicherheitsrisiken in Afghanistan verzerrt dargestellt zu haben. Bisher sei die Botschaft gewesen: "Wir sind die Good Guys im Norden und von Gefahren nicht berührt." Der deutsche Einsatz ist auf den vergleichsweise ruhigen Norden Afghanistans beschränkt. Auch hier muss jedoch mit Sicherheitsrisiken gerechnet werden: Mitte Mai wurden bei einem Selbstmordanschlag in Kunduz drei Bundeswehr-Soldaten und fünf Afghanen getötet. Die Verluste anderer Truppensteller würden in Deutschland tendenziell heruntergespielt, hieß es weiter. Dahinter stehe die Angst der deutschen Regierung, im Parlament kein neues Mandat für den Einsatz mehr zu bekommen.

"Öffentlicher Druck" steigt durch Anschläge

Insgesamt geht aus Sicht von NATO-Mitarbeitern die Strategie afghanischer Terrorgruppen auf, die Angst vor Anschlägen und Entführungen zu schüren. Die Strategie der Taliban sei "einfach aber effektiv", sagte ein NATO-Vertreter. So steige in westlichen Ländern, die sich an der ISAF-Schutztruppe beteiligten, der öffentliche Druck. Dies gelte vor allem auch in Kanada und Italien, wo zuletzt Forderungen nach einem Truppenabzug aus Afghanistan aufkamen. "Die Frage nach einer Exit-Strategie wird lauter", hieß es in NATO-Kreisen. (APA)

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