Reaktionen: "Erfreuliche Entwicklung"

31. Juli 2007, 08:40
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Brinek bewertet Sozialerhebung positiv, ÖH ortet Verschlechterungen - Grünewald sieht Ursache im selektiven Schulsystem

Als "erfreuliche Entwicklung" bezeichnet ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek die Ergebnisse der Studierendensozialerhebung 2006. Sie sieht die aktuelle politische Strategie bestätigt. "Es gibt immer mehr Menschen, die das Studium berufsbegleitend betreiben. Und das ist ein positiver Schritt im Sinne eines lebenslangen Lernens", so Brinek.

ÖH sieht Verschlechterung

Die Ansichten der ÖVP kann die Österreichische HochschülerInnenschaft nicht bestätigen. In einer ersten Analyse der Studie ortet die Studierendenvertretung eine verschlechterte Situation für Studierende: "Die Belastung durch Studium und Erwerbstätigkeit ist von 43 auf 45 Stunden gestiegen. Außerdem ist es zu einem Rückgang der niedrigen sozialen Schichten gekommen." Kritisiert wird auch, dass die Studiengebühr 44 Prozent der monatlichen Studienkosten in Höhe von 134 Euro ausmacht. Die Studierendenzahl habe sich seit der Einführung der Studiengebühren nicht mehr erholt. Als Lösung fordert der ÖH-Vorsitzende Hartwig Brandl eine Reform des Stipendiensystems.

Ursache in der Schule

Den "Trend endlich brechen" will der Grüne-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald. "Die soziale Herkunft und der Bildungsstand der Eltern entscheiden darüber ob jemand studiert oder nicht", so seine Reaktion auf den Bericht zur sozialen Lage der Studierenden. Die eigentliche soziale Selektion beginne bereits in der Schule: "Die frühe Trennung in Hauptschule und AHS nimmt einer großen Gruppe potentieller StudentInnen die Chance zu studieren."

Angesichts der "ohnehin geringen AkademikerInnenquote" schlägt Grünewald vor, die Studierenden in den Studieneingangsphasen besser vorzubereiten, um Drop-Outs zu vermeiden. Auf keinen Fall solle die Studierendenzahl aufgrund von Ressourcenmängeln weiter reduziert werden.

Vereinbarkeit verbessern

Nachholbedarf sieht Herbert Tumpel, Präsident der AK Wien, vor allem in der Vereinbarkeit von Studium und Beruf. Die AK fordere daher "ein eigenes für berufstätige konzipiertes Studienangebot, mehr berufstätigenbezogene Hilfen bei der Studienwahl, bedarfsgerechte Öffnungszeiten von Instituten und Bibliotheken, ein besseres Angebot von Kinderbetreuungsplätzen aber auch mehr finanzielle Unterstützung für Studierende." (red)

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