"Es geht um Öl, Gas und Waffen"

28. Juli 2007, 17:47
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Figaro: Für Frankreich und Europa geht es ganz offenbar um den Zugang zu den Ressourcen dieses reichen Öl-Eldorados

Paris - Die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern aus jahrelanger libyscher Haft stehen im Vordergrund von europäischen Pressekommentaren:

"Le Figaro" (Paris):

"Für Frankreich und Europa geht es bei der Normalisierung der Beziehungen zu Tripolis ganz offenbar um den Zugang zu den Ressourcen und Märkten dieses reichen, aber unterentwickelten Öl-Eldorados. Die USA sind bei den Öl-Konzessionen schon um einige Längen voraus und die Europäische Union hat Eile, sich angesichts dieses großen Konkurrenten zu positionieren."

"La Repubblica" (Rom):

"Während sie (die Krankenschwestern) ihre feiernden Familienangehörigen umarmten (...), erschien auf den Stufen des Flugzeuges die schmale Silhouette von Cécilia Sarkozy. Die Heldin dieser Freilassung ist sicher sie, zusammen mit ihrem Ehemann Nicolas - die Taufe einer bisher noch nie da gewesenen Paar-Diplomatie: Gestern hat Cécilia die Krankenschwestern nach Hause gebracht und dabei den humanitären Aspekt ihrer Rolle hervorgehoben. Heute fährt Nicolas nach Tripolis, um Gaddafi zu treffen und der Vereinbarung eine politische Dimension zu verleihen."

"die tageszeitung" (taz) (Berlin):

"Die Bilder aus Sofia überstrahlten zunächst alle skeptischen Kommentare, die die Blitzdiplomatie von Cécilia Sarkozy, der Ehefrau des französischen Präsidenten, in Brüssel und den europäischen Hauptstädten ausgelöst hatte. Das Memorandum für ein Partnerschaftsabkommen, das die EU unterzeichnete, umfasst Zollerleichterungen für libysche Waren, Unterstützung bei der Grenzsicherung, Stipendien für libysche Studenten und Visaerleichterungen. (...) Der glückliche Ausgang des Dramas wurde überlagert vom makabren Streit über die Frage, wer die Lorbeeren für den diplomatischen Erfolg einheimsen dürfe. Den Krieg der Bilder entschied der französische Staatspräsident für sich."

"Handelsblatt" (Düsseldorf):

Auf Grund des hanebüchenen Vorwurfs, libysche Kinder mit Aids infiziert zu haben, und dies auch noch vorsätzlich, wurden die Opfer zum Tode verurteilt. Dass dabei der juristische Instanzenweg eingehalten wurde, hat weniger oder nichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Acht Jahre langes, grausames Warten im Kerker ist Folter. Zu befürchten ist, dass Sarkozy darüber nicht allzu viele Worte verlieren wird. Bei ihm zählen andere Interessen: Für Öl und Gas will er Waren verkaufen, selbstverständlich auch Waffen. Und dann will er sich noch als großer Diplomat präsentieren, dem es gelingt, ausgerechnet Gaddafis Libyen den Weg in Richtung Europa zu ebnen."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ):

"Nicolas Sarkozy hat sich beeilt, eine 'Mission' für seine Ehefrau Cécilia zu finden. Hatte sie nicht in einem Interview gesagt, sie wolle auf keinen Fall eine First Lady der Benefizveranstaltungen werden, die nur noch als Wohltätigkeits-Dame durch die Republik reise? Der französische Präsident hat seine Première Dame beim Wort genommen und ihr mit den zwei Libyen-Reisen ins Zelt von Oberst Gaddafi einen Auftrag gegeben, mit dem er Cécilias Wunsch nach humanitärem Engagement, Exotik und Abenteuer zu erfüllen glaubte. Auf das Ergebnis, die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern und des palästinensischen Arztes mit bulgarischer Staatsangehörigkeit, zeigte sich Sarkozy im Elysée-Palast überaus stolz..."

"The Financial Times" (London):

"Die Freilassung ist ein wirklicher Erfolg für die gemeinsame Außenpolitik der Europäischen Union. (...) Bulgarien hätte dies nie alleine geschafft und so zeigt die Freilassung auch, wie wichtig die Union für ihre ärmeren und schwächeren Mitgliedsländer ist. Es war keine Überraschung, dass Cécilia Sarkozy, die Frau des französischen Präsidenten, kurz vor der Freilassung in Libyen aufgetaucht ist. Frankreich hat gemeinsam mit Großbritannien und Deutschland zu den komplizierten Verhandlungen beigetragen, die letztendlich zur Freiheit der Bulgaren führten. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass ein einzelnes EU-Land versucht, für einen geteilten Erfolg das Lob alleine einzustecken. Dieses Verhalten ist egoistisch, aber es ist auch eine Triebkraft, um etwas zu erreichen. Es mag nicht schön sein, aber es kann Ergebnisse bringen." (APA/dpa)

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