Sommerbabys haben es besser

24. Juli 2007, 20:19
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Man muss nicht der Astrologie anhängen, um an Einflüsse des Geburtsdatums auf Wesensmerkmale einer Person zu glauben

Wiener Forscher können zeigen, dass es tatsächlich Unterschiede macht, zu welcher Jahreszeit man geboren wurde - bis hin zur Körpergröße und dem Studienerfolg.

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Astrologisch gesehen, befinden wir uns derzeit im Zeichen des Löwen (23. 7. bis 22. 8.). Wer darin geboren wurde, ist angeblich großherzig, mutig, aber auch anmaßend und egozentrisch. Wissenschaftlich gesehen, ist das Unfug.

Wie Wiener Forscher nachweisen konnten, kann der Zeitpunkt der Geburt trotzdem massive Auswirkungen auf das spätere Leben haben. Um es gleich vorwegzunehmen: Geburtsstunde und Aszendent spielen in diesem Zusammenhang ebenso wenig eine Rolle wie das keltische Baumhoroskop oder die chinesischen Tierkreiszeichen.

Das Geburtsdatum ist vielmehr als Ausdruck für die Bedingungen zu verstehen, die während Schwangerschaft und früher Säuglingsphase eines Individuums geherrscht haben. Je nachdem in welche Jahreszeit diese fallen, können Faktoren wie Licht, Nahrungsversorgung oder Infektionshäufigkeit drastisch variieren.

In der Folge werden die Ressourcen der Mutter unterschiedlich stark beansprucht, was sich wiederum auf die Entwicklung des Fötus auswirken kann.

Zu den Dingen, die durch das Geburtsdatum beeinflusst werden können, gehören unter anderem Wachstum, Fortpflanzung, geistige Gesundheit, Persönlichkeitsmerkmale und sogar - man glaubt es kaum - universitärer Erfolg.

Wissenschafter um Susanne Huber vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität und Martin Fieder vom Department für Anthropologie der Universität Wien untersuchten die Prüfungsergebnisse von knapp 50.000 Studenten verschiedenster Fachrichtungen der Uni Wien auf eine Beziehung zu deren Geburtsdatum.

Bessere Noten

Dabei zeigte sich, dass Studentinnen, die im Frühjahr und Sommer geboren waren, signifikant bessere Noten hatten als solche, die in der zweiten Jahreshälfte zur Welt kamen, wobei die Maigeborenen die besten Resultate erzielten. Bei den Männern hingegen schnitten die im Frühling Geborenen schlechter ab als alle anderen.

Eine Ursache für die jahreszeitlichen Unterschiede könnte die Tageslänge während der Schwangerschaft und frühen Kindheit sein, die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns und der Neurotransmitter haben dürfte. Die unterschiedlichen Prüfungsergebnisse der Geschlechter könnten sich durch das je nach Jahreszeit schwankende Niveau an Sexualhormonen erklären, die eine Rolle bei der geistigen Entwicklung spielen.

In einem laufenden FWF-Projekt befassen sich Susanne Huber und ihre Kollegen damit, wie sich das Geburtsdatum auf den Fortpflanzungserfolg im Erwachsenenalter auswirkt. In einer vorangegangenen Arbeit untersuchten Huber und ihre Kollegen diesen Zusammenhang an rund 3000 österreichischen Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und älter als 45 Jahre waren.

Dabei zeigte sich, dass Frauen, die im Sommer (Juni bis August) zur Welt kamen, die wenigsten Kinder hatten. Ganz Ähnliches ergab eine Studie über das vorindustrielle Kanada und das historische Holland: Auch hier brachten im Sommer geborene Frauen eine unterdurchschnittliche Anzahl an Kindern zur Welt. Beides legt nahe, dass sich der Einfluss der Jahreszeit trotz moderner Lebensweise und Verhütungsmitteln nicht wesentlich geändert hat.

Wenn das der Fall ist, müssten auf der Südhalbkugel genau die umgekehrten Verhältnisse herrschen, und tatsächlich ist das so. Eine Untersuchung von in Neuseeland geborenen Frauen europäischer Herkunft ergab, dass auch diese weniger Kinder hatten, wenn ihr Geburtsdatum im dortigen Sommer (also Oktober bis Februar) lag.

Wie sieht es dann in tropischen Gegenden aus, wo es keine Jahreszeiten gibt? Wie eine Studie in Vietnam zeigte, spielt hier die Regenzeit eine wesentliche Rolle für den Fortpflanzungserfolg: Die wenigsten Kinder haben Frauen, bei denen der dritte Schwangerschaftsmonat ihrer Mutter in die Regenzeit fiel.

Mögliche Erklärungen

Eine mögliche Ursache für den Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Kinderzahl ist die Ernährung während der Schwangerschaft. Obwohl wir längst nicht mehr nur das essen, was gerade Saison hat, zeigen wir jahreszeitliche Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel. So werden im Winter nachweislich mehr Fleisch und Milchprodukte verzehrt, während im Sommer mehr Obst und Gemüse auf den Tisch kommen.

Sowohl für den Menschen als auch für andere Säuger ist bekannt, dass Unterernährung der Mutter während der Schwangerschaft dazu führen kann, dass die erwachsenen Töchter eine verminderte Ovulationsrate haben. Zusätzlich kann es sein, dass diese weniger Eizellen anlegen und daher früher in die Menopause kommen.

Wie die Rolle des Geburtsdatums genau aussieht, wollen Susanne Huber und ihre Kollegen in nächster Zeit näher beleuchten, und zwar an Hand von Meerschweinchen. Diese haben gegenüber dem Menschen nicht nur den Vorteil, dass sie sich sehr viel rascher fortpflanzen, sondern auch, dass man sie bei unterschiedlichen Licht-, Temperatur- und Nahrungsbedingungen halten und schauen kann, was dann passiert.

Die Erkenntnisse daraus sollen aber wieder dem Menschen zugute kommen, indem sie neue Einblicke in die frühen Ursachen von Fruchtbarkeitsproblemen liefern. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Printausgabe, 25. Juli 2007)

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    Frauen, deren Geburtsdatum in den Sommer fällt, kriegen weniger Kinder als Frauen, die zu anderen Jahreszeiten geboren wurden. Und beim Studium kriegen sie die besseren Noten.

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